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Bildung für Nicht-EU-Ausländer : Keineswegs brotlos

Viele asiatische Musikstudenten zieht es nach Deutschland – mache, wie Zhebo, kommen wegen Bach. Bild: Frank Röth

Nicht-EU-Ausländer haben es nicht leicht an deutschen Universitäten: Da werden Gebühren erhoben, oder es wird gar mit Abschiebung gedroht. Eine Glosse über einen absurden Fall.

          Studieren ist teuer, und das Geld dafür wird in Deutschland, zumindest für staatliche Hochschulen, vom Steuerzahler erwirtschaftet. Dass deutsche Bürger mit erheblichen Beträgen zum Beispiel das Studium ausländischer Musiker, die vielleicht später wieder ins eigene Land zurückkehren, finanzieren sollen, hielt die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg kürzlich ihren Landeskindern gegenüber nicht mehr in bisherigem Umfang für zumutbar. In Stuttgart beschloss man am 3. Mai eine Änderung des Landeshochschulgesetzes, wonach für Studenten, die nicht aus der Europäischen Union stammen, künftig 1500 Euro Studiengebühren pro Semester fällig werden.

          In China, woher der größte Teil von „internationalen Studierenden“ – so der Wortlaut auf dem Landesportal – stamme, wären pro Jahr bis zu 8000 Euro zu zahlen. Da sei das Studium in Baden-Württemberg immer noch vergleichsweise billig zu haben. Um einen Chinesen, der an einer Hochschule dieses Landes, nämlich in Karlsruhe, bei Wolfgang Rihm Komposition studiert hat, ist jetzt eine Diskussion in Leipzig entbrannt. Zhebo – einen Nachnamen hat der Sohn einer Nomadenfamilie aus der Inneren Mongolei im Norden Chinas nicht – war nach einem Studium in seiner Heimatstadt Hohhot im Jahr 2006 nach Deutschland gekommen, aus Bewunderung für Johann Sebastian Bach, wie er kürzlich der „Leipziger Volkszeitung“ sagte. In Leipzig, wo Bach starb, lebt Zhebo seit 2011; etwa hundert Schüler will er nach eigenen Angaben seither unterrichtet haben: in den Fächern Gitarre, Klavier und Komposition. Dreißig Stunden Wochenarbeitszeit verwende er darauf, ansonsten komponiere er.

          Er gibt Stück für Stück zurück

          Nun wurde bekannt, dass die Ausländerbehörde Zhebos Antrag auf eine Niederlassungserlaubnis abgelehnt habe. Eine solche Erlaubnis können Ausländer beantragen, wenn sie mehr als fünf Jahre lang in Deutschland von eigenen Einkünften gelebt und in die Vorsorgekassen eingezahlt haben. Zhebo hat das getan. Warum die zuständige Sachbearbeiterin zu einem gegenteiligen Eindruck gekommen ist, hat sie bislang nicht kundgetan. Zhebos Rechtsanwältin vermutet die Sorge staatlicher Behörden, der Komponist könne mit einer Niederlassungserlaubnis auch Wohngeld und andere soziale Leistungen beantragen.

          Gegen die Ausweisung des Künstlers ist in dieser Woche eine Online-Petition freigeschaltet worden, auf der sich bereits 1500 Bürger für eine Aufenthaltsgenehmigung von Zhebo einsetzen. Hat die Petition, die bis zum 3. Dezember offensteht, keinen Erfolg, muss der Lehrer und Komponist spätestens am 7. Februar 2018 das Land verlassen. Zhebo allerdings bezog nach eigenen Angaben in der „Leipziger Volkszeitung“ seit 2012 keinerlei staatliche Hilfe. Im Gegenteil. Was deutsche Bürger für sein – damals noch gebührenfreies – Studium aufwendeten, gibt er ihnen Stück für Stück zurück: Auf seiner Homepage steht die Zahl 231/292/08309 – das ist seine Steuernummer.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

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