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Vermögensverwalter Blackrock : Großinvestoren reißen sich um die Formel 1

  • -Aktualisiert am

Vermarkter Ecclestone kann zumindest die zeitweise drohende Übernahme der Formel 1 durch eine ihm feindlich gesinnte Allianz verhindern Bild: dpa

Kurz vor dem geplanten Börsengang hat sich offenbar der Fonds Blackrock an dem Veranstalter der Formel 1 beteiligt. Für den Finanzinvestor CVC zeichnet sich damit ein lukrativer Ausstieg ab.

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          Das Milliardengeschäft Formel 1 wird immer attraktiver für Investoren. Kurz bevor die Rechtevermarktungsfirma des bedeutendsten Autorennens der Welt an die Börse geht, hat sich der Vermögensverwalter Blackrock an der Formel 1 beteiligt. Das berichten zumindest Nachrichtenagenturen unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person.

          Der Haupteigentümer der Formel 1, die britische Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. CVC habe für 1,6 Milliarden Dollar (1,25 Milliarden Euro) 20 Prozent der Formel-1-Anteile an Blackrock sowie zwei weitere Investoren verkauft und damit seine Beteiligung an dem vom Formel-1-Vermarkter Bernard Ecclestone geführten Unternehmen von 63 auf 40 Prozent reduziert, hieß es. Die neuen Investoren müssen nach einem Börsengang laut Vereinbarung ihre Anteile für sechs Monate halten.

          Damit hat Vorstandschef Ecclestone zumindest die zeitweise drohende Übernahme der Formel 1 durch eine ihm feindlich gesinnte Allianz aus dem Medienkonzern News Corp. und dem Rennstall Ferrari abgewendet, die seine Macht geschmälert hätte. Er hält direkt rund 5 Prozent an der Gesellschaft und weitere 8,5 Prozent über seine Familienholding Bambino. Ecclestone stand noch vor kurzem in Deutschland vor Gericht, weil er verdächtigt wird, einen Manager der Bank BayernLB dafür bestochen zu haben, dass dieser Anteile an der Formel 1 an CVC verkaufte.

          Der über 80 Jahre alte Brite Ecclestone kontrolliert faktisch die kommerziellen Vermarktungsrechte, die der Automobil-Weltverband FIA durch das Unternehmen Formula One Management Ltd. (FOM) ausüben lässt. FOM wiederum befindet sich im Besitz der Gesellschaft Slec Holdings, deren Geschäftsführer und Miteigentümer Ecclestone mit einem Anteil von 25 Prozent ist. Seit 2006 gehört die Mehrheit an Slec dem Fonds CVC, der Kapital großer Investoren in verschiedene Unternehmen investiert. Der Finanzinvestor hatte die Mehrheit an Slec für mehr als 1 Milliarde Dollar von mehreren Banken erworben - darunter einen Löwenanteil von der BayernLB.

          Werbetour für Börsengang sollte am Dienstag beginnen

          Dass sich CVC nun kurz vor dem für Ende Juni geplanten Börsengang in Singapur noch von Anteilen trennt, ist ungewöhnlich - zumal die Risiken aus dem Prozess um Bestechlichkeit in Deutschland noch nicht absehbar sind. Die beiden anderen Käufer neben Blackrock sind der Vermögensverwalter Waddell&Reed sowie die Kapitalanlagegesellschaft der norwegischen Zentralbank, die Norges Bank Investment Management.

          Der Anteilsverkauf lege einen Unternehmenswert der Formel 1 von gut 9 Milliarden Dollar (7 Milliarden Euro) zugrunde, heißt es. Die Werbetour der Formel 1 für den Börsengang sollte am Dienstag beginnen. Das Unternehmen will bei seinem Gang auf das Parkett in Singapur bis zu 3 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) einsammeln. Der Börsengang könnte für die Börse in Singapur der größte seit Februar 2011 werden.

          Die Formel-1-Eigentümer Bilderstrecke

          Dass sich Investoren dem Anschein nach um die Anteile reißen, ist nicht selbstverständlich. Noch vor drei Jahren - auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise - war ein Streit darüber, wie viel die Formel 1 kosten darf, eskaliert, und die Organisation stand unmittelbar vor der Spaltung, weil acht der zehn Teams ihren Ausstieg ankündigten. Erst in letzter Minute wurde ein Kompromiss gefunden, der die Kosten für die Sponsoren drückte, indem die Budgetobergrenzen gesenkt wurden.

          Abseits des Streits um Kosten nimmt das Interesse an der Formel 1 in den westlichen Industrieländern ab. Der Münchener Premiumhersteller BMW hatte sich deshalb - und wohl auch aus Gründen des guten Rufs in Sachen Umweltschutz - von dem Autorennen verabschiedet. Zuletzt stand die Formel 1 darüber hinaus auch wegen des Veranstaltungsorts für ein Rennen in der arabischen Diktatur Bahrein, die Menschenrechte missachtet, in der Kritik.

          Einnahmen werden im „Concorde Agreement“ verteilt

          Neuere Zahlen über das Unternehmen sind schwer erhältlich, aber das Geschäft scheint lukrativ zu sein. Im Jahr 2008 hatte das Unternehmen mit 200 Beschäftigten knapp 1,4 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Allein die Fernsehrechte brachten in der Saison 2005 rund 850 Millionen Dollar ein. Nur knapp die Hälfte dieser Einnahmen durften sich die zehn antretenden Teams teilen. Wie die Einnahmen zwischen FIA, FOM und den Teams genau verteilt werden, ist im „Concorde Agreement“ geregelt, das aber geheim gehalten wird.

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