https://www.faz.net/-gqe-763z3

Spielwarenmesse : „Schleich-Tiere sind für unsere Zukunft am wichtigsten“

  • Aktualisiert am

Tiere, Drachen, Ungeheuer: Schleich sieht hier das entscheidende Geschäftsfeld der Zukunft. Bild: REUTERS

Der Spielwarenhersteller Schleich bereitet einen Eigentümerwechsel vor. Im Interview mit der F.A.Z. spricht der Geschäftsführer Paul Kraut über mögliche Interessenten und darüber, warum Gummitiere in den Kinderzimmern wichtiger werden als Schlumpf-Figuren.

          3 Min.

          Herr Kraut, Schleich und die Schlümpfe, diese Verbindung ist auch Eltern seit ihren Kindertagen bekannt. 2013 kommt ein neuer Schlümpfe-Film in die Kinos. Wie groß soll die Renaissance der blau-weißen Figuren ausfallen?

          Der Schlumpf begleitet uns seit mehr als 40 Jahren. 1978 kam dann der erste Hype, 1982 der zweite. Mittlerweile spielen sie für uns nicht mehr eine derart große Rolle. Doch als 2011 der erste Schlumpf-Film in die Kinos kam, verdoppelte sich unser Schlumpf-Umsatz. Im laufenden Jahr wird der Schlumpf etwa 7 bis 8 Prozent unseres Geschäfts ausmachen. Er passt noch immer gut zu uns, obwohl er sich verändert hat.

          Inwiefern?

          Der neue Papa-Schlumpf hat weniger Schlumpfiges als früher. Er ist jetzt Hollywood-mäßig gestreamlined. Der alte Schlumpf hatte zweifarbige Augen, der neue hat dreifarbige. Seine Nase ist weniger knubbelig, die Beine sind etwas dünner und länger. Er ist menschlicher geworden.

          Aktuell stellen Sie Ihre Fantasy-Reihe Bayala stärker in den Vordergrund. Brauchen die Schlümpfe Unterstützung durch die Elfen?

          Nein, Schlümpfe und Elfen sind völlig unabhängige Produkte. Sie werden von Käufern ganz anders genutzt. Der Schlumpf wird auch von Sammlern nachgefragt, die Elfen eignen sich besser zum Rollenspiel.

          Mit welchen Produkten kommt Schleich am besten in die Kinderzimmer?

          Unsere Nature-Reihen mit Tieren sind für unsere Zukunft am wichtigsten. Der Begriff Schleich-Tiere ist im deutschsprachigen Raum zu einem Kategoriebegriff geworden. Insgesamt werden unsere Figuren in Deutschland zu 51 Prozent von Mädchen und zu 49 Prozent von Jungen genutzt. Jungen bevorzugen Ritter, Dinosaurier und wilde Tiere, Mädchen Pferde oder Elfen. Diese Ausgewogenheit ist in der Branche selten. Im Gegensatz zu anderen Marken schaffen wir es, unsere Kunden regelmäßig in die Geschäfte zu holen. Schleich-Tiere sind kein Weihnachts-, sondern ein Ganzjahresprodukt.

          Wie lief das Geschäft zuletzt?

          2012 war für uns in erster Linie ein Jahr des Umbruchs. In Deutschland haben wir den Vertrieb von Handelsagenturen auf einen eigenen Außendienst umgestellt, um den Handel besser zu betreuen. Für 2013 verfolgen wir den anspruchsvollen Plan, zweistellig zu wachsen. Die Bestellzahlen aus dem Januar zeigen, dass das Geschäft gut läuft. Auf unseren wichtigen Märkten in Deutschland, England, Frankreich, Amerika, Kanada und Japan wachsen wir.

          Seit 2006 hält ein Finanzinvestor gut 75 Prozent an Schleich. Ist für HG Capital der Zeitpunkt zum Rückzug gekommen?

          HGCapital hat eine Investmentbank mandatiert, um einen Ausstieg vorzubereiten. Wir sind mit Goldman Sachs dabei, die Vorarbeiten für einen möglichen Eigentümerwechsel zu erledigen.

          Paul Kraut

          Welche Optionen haben Sie?

          Unser Geschäftsmodell ist einfach, das ist das Schöne an Schleich. Wenn jemand zu uns kommt, setzen wir uns an einen Tisch, auf dem ein paar Figürchen stehen. Jeder kann dann verstehen, was wir machen. Wir suchen daher den Partner, der am besten zu uns passt. Das kann wieder ein Finanzinvestor sein, ein strategischer Investor aus der Spielwarenbranche oder eine Familie mit Beteiligungsmanagement.

          Konkurrenten kaufen lieber Unternehmen, in denen sie Sanierungserfolge erzielen können. Welche Möglichkeiten bieten sich dafür noch bei Schleich?

          In der Tat suchen Wettbewerber Unternehmen, in denen sie sich Vorteile erarbeiten können. Schleich braucht jedoch keine strategische oder operative Hilfe. Schleich ist profitabel. Wir sehen niemanden auf dem Markt, der uns Kunden bringen kann, die wir nicht selbst haben oder haben könnten. Und wir sehen keinen Partner, der uns Produkte bringt, die wir nicht schon im Sortiment haben oder haben könnten. Das gibt uns viel Freiheit im Verkaufsprozess.

          Leise und blinkt nicht: Schlumpf-Figur von Schleich

          Andererseits ist Schleich wohl nicht günstig zu bekommen. Es wird über einen Preis von mehr als 200 Millionen Euro spekuliert.

          Der Preis regelt sich über den Markt. Der Marktwert von Schleich ist sicher hoch - wie hoch, dazu will ich keine Stellung nehmen.

          Steuert der beginnende Verkaufsprozess damit auf einen ähnlichen Abschluss zu wie der vorherige?

          Ich möchte keine Präferenz äußern. Es gibt Interesse sowohl von Finanz- als auch strategischen Investoren.

          Passen mittelständische Spielwarenhersteller und Finanzinvestoren zusammen?

          Ja, wenn beide ehrlich miteinander umgehen. Mit HG Capital war von Anfang an klar, dass deren Geschäftsmodell auf Kaufen und mit Gewinn Verkaufen beruht, während wir ein langfristiges Interesse haben. Mit HG hatten wir einen Partner, der an uns glaubt. Zusammen haben wir ein Logistikzentrum eröffnet, und wir haben in die Produktpräsentation im Handel investiert. Acht Kilometer beleuchtete Regale zu kaufen, hätte ich mit der vorherigen Gesellschafterstruktur wohl nicht hinbekommen.

          Auch der Modellbahnhersteller Märklin steht vor einem Verkauf. Muss sich die Branche weiter konsolidieren?

          Die Branche ist sehr heterogen. Sie reicht vom Holzpferd bis zum iToy, vom Papp-Puzzle bis zum hochtechnologischen Kunststoffspielzeug. Spielwaren sind anders als die Textilien. Ein Haus der Marken zu schaffen ist bei uns nicht einfach.

          Auf der Nürnberger Messe gewinnt Spielzeug mit elektronischen und digitalen Elementen an Bedeutung. Schleich-Figuren enthalten davon nichts.

          Unsere Figuren sind leise und blinken nicht, zuweilen heißt es, sie seien langweilig. Aber die Kunst liegt doch darin, durch die Form der Darstellung ein langfristiges Interesse für ein Spielzeug zu wecken. Wir könnten Effekthascherei betreiben, indem wir einen Löwen statt mit geschlossenem Maul angriffslustig mit weit aufgerissenem Maul darstellen. Mir ist es aber lieber, wenn unser Löwe nach dem Willen des Kindes mal böse und mal lieb sein kann. Welche Figur hat welchen Charakter? Wie weit entfernt von einer anderen Figur wird sie aufgestellt? Das ist für Kinder oft wichtiger als das Herumhoppeln der Figuren.

          Das Gespräch führte Timo Kotowski.

          Schwäbische Schlümpfe

          Papa Schlumpf und Schlumpfine, Harfenelfe und Lilienelfe, Drachen und Dinosaurier gehören zum Programm. Ihre Hartgummi-Figuren exportiert die Schleich GmbH aus Schwäbisch Gmünd in mehr als 50 Länder. Mit einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro ist das 1935 gegründete Unternehmen der drittgrößte Spielwarenproduzent in Deutschland hinter dem Playmobil-Hersteller Geobra Brandstätter und der Simba-Dickie-Gruppe. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit belief sich nach den letzten veröffentlichten Zahlen aus dem Jahr 2010 auf 21,4 Millionen Euro. Mehrheitseigentümer ist der Finanzinvestor HG Capital, auch die Geschäftsführer Paul Kraut, Erich Schefold und Thomas van Kaldenkerken sind beteiligt. (tko.)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.