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Befall in der Fleischbranche : „Die Ratten bevölkerten das gesamte Gebäude“

In einem Kühlhaus, wo Fleisch lagerte, sollen sich die Ratten ausgebreitet haben. Bild: Frank Röth

Der Landkreis Osnabrück hat einem Fleischverarbeiter die Produktion untersagt, weil er die Hygienestandards in seinem Lager massiv verletzt haben soll. In dem Kühlhaus soll auch Fleisch der Tönnies-Gruppe behandelt worden sein.

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          Es sind ekelhafte Zustände, die das Verwaltungsgericht Osnabrück in einer Pressemitteilung von dieser Woche schildert. Während einer Betriebsbegehung im westlichen Niedersachsen hätten Fachleute des zuständigen Landkreises „Kotpillen, Laufwege, Fellreste und Anzeichen für Nestbau“ in einem Umfang gefunden, der auf eine sehr große Rattenpopulation hindeute, heißt es darin. „Maßnahmen zu deren Bekämpfung hätten bisher keinen Erfolg gezeigt, die Ratten ‚bevölkerten‘ das gesamte Gebäude.“

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die Rede ist von einem Kühlhaus in Dissen nahe Gütersloh, in dessen angrenzenden Anlagen auch Fleisch des Unternehmens Tönnies gelagert haben soll. Wegen der unzureichenden Hygiene an der Betriebsstätte hatten die Behörden dem Fleischverarbeiter, der dort tätig war, im Juni die Produktion untersagt. Dagegen waren Eilanträge gestellt worden, die das Gericht nun abgelehnt hat.

          Konkret geht es um ein Kühlhaus der Nagel Transthermos GmbH, die zum familiengeführten Logistikunternehmen Nagel Group gehört. In einem Teil ihrer Anlage hatte die LVD Fleisch GmbH Dissen Fleisch verarbeitet, wobei möglicherweise Vorschriften verletzt wurden. „Nach derzeitigen Erkenntnissen hat der Untermieter in seinen Räumen die gesetzlichen Hygienestandards nicht ausreichend befolgt“, sagte ein Sprecher von Nagel dem „Haller Kreisblatt“, das zuerst über den Fall berichtet hatte.

          Ob und wenn ja, in welchem Umfang verunreinigte Nahrungsmittel aus dem Betrieb in den Handel gelangten, ist offenbar nicht klar. Fleisch von Tönnies und anderen Lebensmittelherstellern hätten in einem anderen, größeren Teil des Kühlhauses gelagert, in dem nach Angaben des Landkreises keine Hinweise auf einen Rattenbefall gefunden wurden. „Aber Fleisch der Tönnies-Gruppe und anderer Firmen, das in einem mit dem Fleisch der Firma LVD zusammen genutzten Produktionsraum behandelt wurde und in dem Hinweise auf Ratten festgestellt wurden, haben wir sichergestellt“, zitiert das „Haller Kreisblatt“ einen Sprecher.

          Ein Sprecher von Tönnies sagte der Zeitung, es gebe keine feste Zusammenarbeit mit der Nagel Group. Das Kühlhaus sei nur „sporadisch in einem geringen Umfang für beispielsweise die Lagerung von Waren“ genutzt worden. „Wir stehen in keinerlei Geschäftsbeziehung zum Unternehmen LVD Fleisch.“ Nach einer ersten Information der Behörden vom 12. Juni habe der Konzern die fraglichen Waren gesperrt. Es handele sich um Rohware, keine Fertigprodukte.

          Der Landkreis hatte dem fleischverarbeitenden Betrieb in Dissen nach den Kontrollen verboten, sämtliches Fleisch, das seit dem 15. Januar 2020 in seinen Betrieb gelangt war, zu verarbeiten und in den Verkehr zu bringen. Außerdem hatten die Behörden ihn dazu verdonnert, am Standort hergestellte Lebensmittel zu vernichten und alle Abnehmer darüber zu informieren, dass das betroffene Fleisch nicht für den menschlichen Verzehr geeignet und zu beseitigen sei. Der Verarbeiter hielt das für unverhältnismäßig und war daher vor Gericht gezogen.

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