https://www.faz.net/-gqe-7wn4m

Nach Manipulations-Skandal : ADAC steht vor drastischem Umbau

  • Aktualisiert am

Der ADAC steckt in einer Glaubwürdigkeitskrise. Bild: dpa

Verein oder milliardenschweres Unternehmen? Nach der Skandalserie steht der ADAC vor der Grundsatzfrage. Und hat nun offenbar konkrete Pläne, wie die Strukturen künftig aussehen sollen.

          Was ist der ADAC eigentlich? Verein oder milliardenschweres Unternehmen? Interessenvertreter oder Verbraucherschützer? Eine Antwort darauf konnten die Verantwortlichen des ADAC nach all den Affären um manipulierte Autopreise, Dienstflüge im Rettungshubschrauber und Batterieverkäufe lange nicht geben. Bald müssen sie das aber. Denn am 6. Dezember trifft sich der ADAC zu seiner Hauptversammlung.

          Der ADAC ist ein Verein mit fast 19 Millionen Mitgliedern und einem Konzern mit 40 Tochtergesellschaften, 8600 Mitarbeitern und Jahreserlösen von mehr als zwei Milliarden Euro. Er ist auf der Suche nach einer neuen Geschäftsstruktur. Ein prominent besetzter Beirat, in dem unter anderem der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier arbeiten, unterstützt den ADAC dabei. Erste Ideen äußerte Papier im Juni bereits in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          So wolle er an der Rechtsform des Idealvereins für den ADAC nichts ändern, kündigte Papier an. Diese Art von Vereinen sind nicht auf eine wirtschaftliche Betätigung und damit auf Gewinnerzielungsabsicht ausgerichtet. Allerdings könnten auch Idealvereine wirtschaftlich tätig sein, sagte Papier damals, „nämlich dann, wenn diese Tätigkeit dem ideellen Hauptzweck eindeutig untergeordnet ist“.

          Als Mittel dazu müsse auch eine grundlegende gesellschaftsrechtliche Reform der derzeit überwiegend in GmBHs organisierten Geschäfte erwogen werden. Für denkbar hielt Papier die Übertragung etwa in eine Aktiengesellschaft, die mehr Transparenz und Kontrolle ermöglicht. Nach Informationen von „Spiegel Online“ und „NDR Info“ gibt es nun konkrete Ideen, wie der ADAC sein Unternehmensimperium komplett umbauen und von der Vereinstätigkeit trennen will.

          Demnach solle in dem Modell, das der kommissarische ADAC-Präsident August Markl bevorzuge, die bestehende ADAC-Firmenholding BuW in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Der Verein werde daran nur noch 74,9 Prozent besitzen, Minderheitsgesellschafter solle eine neu zu gründende ADAC-Stiftung werden, in deren fünfköpfigen Stiftungsrat mindestens zwei externe Mitglieder sitzen sollen. Die Stiftung solle auch eine Sperrminorität und ein aktienrechtliches Vetorecht bekommen. In die Stiftung sollten zudem die Überschüsse aus den Mitgliedsbeiträgen fließen, die nicht für die Vereinsarbeit benötigt werden.

          Die Regionalclubs müssten dem Konzept zustimmen. Die ADAC-Spitze hofft laut „Spiegel Online“ auch, damit ein positives Signal für das Amtsgericht München zu setzen. Denn das geht derzeit der Frage nach, ob die wirtschaftlichen Aktivitäten noch mit dem Vereinsrecht in Einklang stehen. Ein ADAC-Sprecher wird in dem Bericht mit der Aussage zitiert, es seien verschiedene Modellentwürfe entwickelt worden. Im Detail wolle er die Umbaupläne jedoch nicht kommentieren.

          Weitere Themen

          „Wohnen ist keine normale Ware“ Video-Seite öffnen

          Mieterbund gegen Profitgier : „Wohnen ist keine normale Ware“

          Auf dem Deutschen Mietertag in Köln hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel skeptisch zu einem Mietendeckel geäußert. Mietervertreter fordern aber, ein solches Instrument zu prüfen – und schicken mahnende Worte hinterher.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.