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Scherbaums Börse : Nordex: Eigentlich müsste Windkraft ein gutes Geschäft sein

  • -Aktualisiert am

Nordex im Gegenwind Bild: dpa

In Zeiten von Problemen mit fossilen Energien müssten Windkraftanlagenhersteller boomen ohne Ende. Doch der deutsche Branchenriese kommt nicht so recht in die Gänge, erst Recht nicht an der Börse.

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          Investieren in Aktien von nachhaltigen Unternehmen ist für das Gros der Anleger in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Vor allem der Bereich Energie hat es vielen Investoren angetan. Ein Unternehmen, das seit mehr als 35 Jahren im Bereich von Windenergieanlagen im Onshore-Bereich aktiv ist und dementsprechend im Fokus steht, ist Nordex. Doch an Nordex, das seit dem Zusammenschluss mit Acciona Windpower im Jahr 2016 einer der größten Hersteller von Windenergieanlagen weltweit ist, scheiden sich seit Jahren die Anlegergeister.

          Wenn es auch bei der Nordex-Aktie für Anleger phasenweise immer wieder Gewinnchancen gab, so konnte der Titel langfristig nicht überzeugen. Steile Berg-und-Tal-Fahrten hatte es hier in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Für Anleger, die von Anfang an dabei waren, ist die Nordex-Aktie sogar ein regelrechter Kapitalvernichter. Ausgehend von den Rekordhochs aus dem Jahr des Börsengangs 2001 – bei knapp über 100 Euro – steht heute ein gewaltiger Kursverlust von rund 90 Prozent zu Buche.

          Der Hacker-Angriff und der Indexabstieg

          Das Unternehmen wartet zwar immer wieder mit neuen Aufträgen auf, an der Börse hat das Unternehmen aber Probleme, seinen Platz zu finden. Der plötzliche Abstieg aus dem Kleinwerteindex SDAX und dem Technologieindex TecDAX spiegelt dies wider. Die Deutsche Börse hatte Nordex aufgrund der Verletzung von Basiskriterien aus beiden Indizes genommen. Die besagte Verletzung von Basiskriterien betraf die fristgerechte Veröffentlichung von Quartalsberichten oder Quartalsmitteilungen. Als Grund für die Verschiebung der ursprünglich für den 12. Mai 2022 geplanten Veröffentlichung des Berichts zum ersten Quartal des Jahres hatte Nordex einen Hacker-Angriff angegeben.

          Christoph Scherbaum
          Christoph Scherbaum : Bild: Christoph Scherbaum

          Dieser sei am 31. März bemerkt worden, sodass daraufhin entsprechende Sicherheits-Protokolle eingeleitet werden konnten und IT-Systeme vorsorglich abgestellt wurden. Der temporär eingeschränkte Zugriff auf verschiedene Systeme hat zu Verzögerungen in den internen Abläufen geführt, hieß es von Unternehmensseite. Am 21. Juni wurden die Ergebnisse zum März-Quartal dann endlich veröffentlicht – besonders gute Nachrichten hatte Nordex allerdings nicht parat.

          Operative Schwierigkeiten

          Die Umsatzerlöse lagen bei 933 Millionen Euro, dies war ein Rückgang um mehr als 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1,25 Milliarden Euro. Dafür machte das Management eine geplante Produktionsumstellung auf andere Rotorblätter und eine witterungsbedingte geringere Installationsleistung verantwortlich. Dies machte sich auch auf der Ergebnisseite negativ bemerkbar, während höhere Rohstoff- und Logistikkosten die Ergebnisse zusätzlich belasteten.

          Die Kosten für die Neuausrichtung der Produktion wurden auf 36,9 Millionen Euro beziffert. Damit rutschte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im ersten Quartal mit minus 88,9 Millionen Euro in den negativen Bereich. Im Auftaktquartal 2021 wurde noch ein Plus von 10,4 Millionen Euro erzielt. Selbst um die Einmalkosten für die Neuausrichtung bereinigt lag die EBITDA-Marge im negativen Bereich (minus 5,6 Prozent).

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