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Digitalkonferenz DLD : „Gummibärchen schmecken im Weltall genau gleich“

Ein russisches Team empfängt Cady Coleman zurück auf der Erde. Bild: dapd

Astronautin Cady Coleman hat ein halbes Jahr auf der ISS gelebt. Im Interview erklärt sie, wie die Querflöte dort oben klingt, wie anstrengend es ist, im Weltall zu leben – und wie man Astronautin wird.

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          Frau Coleman, Sie haben auf der ISS Querflöte gespielt. Wie klingt die im Weltall?

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Klang selbst ist nicht wirklich anders. Innerhalb der Querflöte vibriert es ja nach wie vor. Es hängt deshalb davon ab, wo man das spielt auf der ISS, wie es für Sie klingt – in der ISS-Cupola zum Beispiel, von wo ich auf die Welt gucken konnte, bricht es ein bisschen, weil viel Glas um dich herum ist. Wenn ich im japanischen Modul gespielt habe – dort oben, wo wir Sachen verstauen – da sind viele Kleidungsstücke, wurde der Ton ein bisschen verschluckt.

          Sie hatten dort oben also genug Zeit, um richtig Querflöte zu üben?

          Ich würde nicht sagen, dass ich viel Zeit hatte, um zu üben. Aber ich hatte genug Zeit, um zu spielen. Ich würde sagen, fast alles Kreative und Spannende, das wir oben im Weltall gemacht haben, haben wir nach 22 Uhr abends gemacht, als wir eigentlich schon schlafen sollten. Es gibt einige Sachen, die einfach menschlich sind, die man halt machen muss.

          Wie viele Stunden haben Sie da oben denn am Tag gearbeitet?

          Immer so 12 Stunden am Tag, häufig aber auch 14, 16, 18 Stunden am Tag.

          Sie haben vorhin auf dem Podium gesagt: Sie wären gern noch sechs weitere Monate geblieben. Ist das körperlich nicht zu anstrengend, dort oben zu sein?

          Es ist körperlich wundervoll, da oben zu sein. Ich habe es geliebt, zu fliegen und zu schweben. Man stößt sich ab mit dem kleinen Finger und kann durch die gesamte Weltraumstation fliegen. Es ist anstrengend, weil man so viel arbeiten muss. Der Grund dafür ist: Die Arbeit ist wirklich, wirklich wichtig. Und wenn man da oben ist, versteht man, warum die so wichtig ist. Und es dauert ungefähr einen Monat, darin auch gut zu werden. Wenn man da einmal durch ist, will man mehr und mehr erledigen, weil es klar ist: Das ist Forschung, die man hier unten auf der Erde nicht machen kann. Und wenn man dann der ist, der das oben im Weltall durchführt, will man halt sein Bestes geben.

          Und wie anstrengend ist es mit nur einigen wenigen Leuten auf der ISS zu leben?

          Ich hatte das Gefühl: Hier lebe ich jetzt. Ich war so begeistert, einer der ersten Menschen zu sein, der dort lebt. Ich habe es wirklich geliebt, dort oben zu sein. Und ich akzeptiere einfach: Wo immer ich bin, dort bin ich halt gerade. Ich denke dann nicht darüber nach: Wäre es nicht einfacher, woanders zu sein. Ich habe es geliebt, dort zu leben.

          Sie sind noch in Kontakt mit den Leuten, mit denen Sie dort gelebt haben?

          Ich glaube, man hat immer eine besondere Verbindung zu den Leuten, mit denen man geflogen ist  – auch mit denen, mit denen man trainiert und gesprochen hat, das auch. Ich habe einen Freund, mit dem ich scherze ich immer, wenn wir uns treffen: ‚Weißt du was? Ich vermisse es, meine Zähne mit dir zu putzen‘.

          Wie sind sie eigentlich Astronautin geworden?

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