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Sturmtief „Ylenia“ : Eine halbe Milliarde Euro Schaden

Lebensgefahr: Ein umgestürzter Baum in Berlin Kreuzberg trifft Autos und zum Glück keine Menschen. Bild: dpa

Schätzungen gehen davon aus, dass das Orkantief „Ylenia“ 500 Millionen Euro Schaden für Versicherungen verursacht. Was viel klingt, ist gar nicht so ungewöhnlich. Und der nächste Sturm kommt bestimmt.

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          Stromausfälle, Bahnen, die nicht fahren, Flugzeuge, die am Boden bleiben: Orkantief „Ylenia“ hatte Deutschland am Donnerstag fest im Griff. In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wurden Autofahrer von umstürzenden Bäumen erschlagen. Einknickende Bäume und Äste beschädigten Stromleitungen und Gleisanlagen. Schwer­wiegende Sachschäden blieben aus; teuer dürfte der Sturm dennoch werden. Die auf Bewertungen für Versicherungen spe­zialisierte Beratungsgesellschaft Meyer­thole Siems Kohlruss schätzt den versicherten Schaden für Deutschland auf et­wa 500 Millionen Euro.

          Othmara Glas
          Volontärin

          Ungewöhnlich sind Phänomene wie Ylenia nicht. „Das war ein typischer Wintersturm, und kein besonders schlimmer“, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. „Die haben wir alle paar Jahre.“ Mit dem Klimawandel, der in den vergangenen Jahren häufiger zu extremen Wetterereignissen geführt hat, haben die Winterstürme wohl erst einmal nichts zu tun. „Bei der Flut im Ahrtal konnten wir klar sagen, dass sie mit dem Klimawandel zu­sammenhängt.“ Orkantiefs wie Ylenia hin­gegen treten im Winter auf, wenn die Temperaturunterschiede zwischen der Ark­­tis und den Subtropen auf der Nordhalbkugel der Erde besonders groß seien, erklärt der Meteorologe. Eine Häufung sei nicht zu beobachten. „Da gibt es jedes Jahr deutliche Schwankungen.“

          Ausgefallene Flüge

          Die Deutsche Bahn hatte den Fernverkehr in Norddeutschland aus Sicherheitsgründen vorsorglich eingestellt, auch der Nah- und Regionalverkehr waren betroffen. Die Einschränkungen waren auch in anderen Teilen Deutschlands zu spüren. Am Donnerstagmittag kam es vielerorts zu Zugausfällen und Verspätungen. Die Bahn hat deshalb die Zugbindung bei günstigeren Tickets aufgehoben; Fernfahrkarten für Donnerstag, Freitag und Samstag können bis zum 26. Februar flexibel genutzt oder kostenfrei storniert werden. Der Schienengüterverkehr war ebenfalls betroffen. In den großen Terminals und Rangierbahnhöfen in Norddeutschland verzögerten sich Zugbildung und -beladung, teilte die DB mit. Man rechne noch einige Tage lang mit Zugausfällen und Verspätungen, zumal schon das nächste Orkantief auf dem Weg nach Deutschland sei.

          Wegen der starken Windböen strich die Lufthansa am Frankfurter Flughafen 20 Flüge. Der Aktienkurs sank am Donnerstag leicht. Auch am Flughafen Hamburg fielen etwa ein Dutzend Flüge aus. In Berlin kam es zu Verspätungen.

          Das nächste Sturmtief kommt am Freitag

          Besonders der Norden war von Ylenia be­troffen. Die Unterelbe wurde für große Schiffe gesperrt. Ein Kreuzfahrtschiff konnte nicht wie geplant in den Hamburger Hafen einlaufen. Wie die Reederei AIDA Cruises auf Anfrage der F.A.Z. am Donnerstagmittag mitteilte, kreuzte das Schiff östlich von Helgoland. „Wir rechnen derzeit damit, dass das Schiff voraussichtlich morgen früh für den geplanten Wechseltag in den Hafen von Hamburg einlaufen wird.“ Aus der Hamburger Hafen­behörde heißt es, dass es nicht unüblich sei, dass Schiffe warten müssten. „Es kommt immer mal wieder zu Verzögerungen, zu­mal jetzt die Sturmflutsaison ist.“

          Ungewöhnlich ist laut DWD allerdings, dass mit „Zeynep“ in der Nacht von Freitag auf Samstag schon das nächste Sturmtief droht. „Dass zwei oder gar drei Orkantiefs nacheinander auftreten, kommt nur alle fünf bis zehn Jahre vor“, sagt Friedrich. Da Zeynep ein Schnellläufer sei, seien Voraussagen über die Zugbahn schwierig. Er könnte aber seinen Schwerpunkt über der deutschen Bucht haben. Die Ausläufer wären dann auch in der Mitte Deutschlands zu spüren. Der Meteorologe warnt, dass vor allem Bäume, die im feuchten Boden schon jetzt nicht besonders gut fixiert seien, umstürzen könnten.

          Erst Anfang des Monats hatte die Eu­ropäische Umweltagentur errechnet, dass Wetterextreme in Europa zwischen 1980 und 2020 einen Schaden von gut 500 Milliarden Euro angerichtet haben. Allein Deutschland war mit 110 Milliarden Euro betroffen. Der mit 15,6 Milliarden Euro bis heute teuerste außertropische Wintersturm war Lothar, der 1999 über Zentraleuropa fegte.

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