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Im Jahr 2050 : Die Stadt der Zukunft

Digitale Nachbarschaft: Wie wollen wir in Zukunft leben? Bild: obs

Digitalisierung? Schnee von gestern! Im Jahr 2050 sprechen wir von Digitaloptimierung. Denn wir leben längst in einer voll vernetzten Welt. Eine Vision.

          5 Min.

          Der Blick zurück sorgt für breites Grinsen und ungläubiges Kopfschütteln. Angst vor der Digitalisierung? Kaum vorstellbar, wie die Welt heute aussähe, hätte sich diese Stimmung damals durchgesetzt. Sicher, es gab Gründe. Die Politik, die sich nur langsam an das Thema heranwagte etwa. Oder der demographische Wandel. Computer? Smartphone? Autonomes Fahren? Immer mehr ältere Menschen glaubten, sie würden nichts mehr von alledem brauchen. Natürlich verursachten Hacker-Angriffe damals mehr als nur ein sorgenvolles Stirnrunzeln. Schließlich wurde in einem Herbst fast der ganze Nahverkehr lahm gelegt und mehrere Unternehmensserver mit einem Virus infiziert, der den sprechenden Namen „Wannacry“ trug. Die Menschen fürchteten die globale Digitalisierung – zu gefährlich erschien es in Zeiten von Terrorismus und organisierter Kriminalität, die Welt zu vernetzen. Der gläserne Mensch war ein Schreckensbild. Wer würde sich schon gerne vor aller Welt bloßstellen und seine geheimsten Daten preisgeben?

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Heute ist das anders. Wir schreiben das Jahr 2050 und von Digitalisierung spricht kaum noch wer. Vielmehr von Digitaloptimierung. Unsere Häuser sind vernetzt und lassen sich aus dem Urlaub ebenso steuern wie überwachen. Unsere Kinder werden zu Hause ausgebildet und – keine Angst! – haben dadurch mehr Zeit für Projekte in ihrer Freizeit sowie ein Sozialleben. Es gibt viel mehr Menschen, die ihrer Arbeit von zu Hause aus nachgehen können. Der Grund für diese Entwicklung: Die Einstellung der Menschen hat sich verändert. Unsere Daten werden niemals vollständig sicher sein. Aber die Menschen gehen bewusster mit ihnen um. Es wird nicht mehr alles ins Internet gestellt, um Likes und Herzchen zu ergattern, und das beliebteste Passwort ist schon lange nicht mehr „1234“.

          Vorgeschriebene Bahnen für Drohnen

          Die Vor- und Nachteile dieser vernetzten Lebensräume und Daten lassen sich am ehesten in einem Bereich nachvollziehen: Verkehr und Logistik. Im Privaten und Geschäftlichen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles verändert, sodass jeder betroffen ist.

          Man denke zurück an die strikten Vorschriften, die es zu Drohnen gab, als diese gerade den Markt eroberten. Eine gewisse Höhe durften sie nicht überfliegen, und über den Köpfen von Menschen hatten sie nichts zu suchen. Heute reicht ein kurzer Blick gen Himmel, um zu verstehen, was sich verändert hat: Ein großer Teil der Kurzstreckenlogistik findet dort statt. Die meisten Unternehmen wie die Post und Versandhändler wickeln ihre Geschäfte längst über Drohnen ab. Auch Kurierdienste und Essenslieferungen finden am Himmel statt. Natürlich dürfen sie nicht überall fliegen, es gibt ein Luftstraßen-Netz mit festen Bahnen, die eingehalten werden müssen. Die meisten von ihnen verlaufen tatsächlich parallel zu den alten Straßen auf dem Erdboden. Die Intention ist klar: So wird kein Kindergeburtstag von einer Drohne erschlagen und die wenigsten dieser unbemannten kleinen Flieger finden ihr Ende in einem Pool. Wer die vorgeschriebene Bahn mit seiner Drohne verlässt, riskiert empfindliche Bußgelder.

          Doch nicht nur das entlastet die Städte, deren überfüllte Straßen sie vor drei Jahrzehnten unter zu hoher Feinstaubbelastung und Lärm ächzen ließen. Auch der Personenverkehr hat sich verändert. Das Elektroauto hat endlich das Sagen auf den Straßen, selbst im dieselverliebten Deutschland. Seit 2030 gibt es die grüne Plakette nur noch für vollelektrisierte und nachhaltige Fahrzeuge. Und ohne grüne Plakette darf man nicht in die Städte einfahren. 

          Autos schon lange kein Statussymbol mehr

          Die deutschen Autobauer haben die Kurve noch gekriegt. Im entscheidenden Jahr 2017, als in Deutschland Dieselkrise und Kartellvorwürfe die ganze Industrie erschütterten und ein kleiner Hersteller aus Kalifornien, Tesla, mit einem für den Massenmarkt tauglichen Elektroauto für Furore sorgte, wachten sie auf. Vielleicht ein wenig zu spät, aber noch früh genug, um aufzuholen – zumal die Kalifornier bald feststellen mussten, dass sie angesichts des Elektrohypes, der sich damals ankündigte, gar nicht schnell genug produzieren konnten. Die Deutschen fuhren dann doch statt ihrem Diesel-Mercedes einen Elektro-Mercedes statt einen Elektro-Tesla.

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