Kurzarbeitergeld von Mercedes : Daten statt Moral

Deutschland echauffiert sich gern. Es wäre gut, wenn es das Analysieren wieder entdecken würde. Daten wären dafür hilfreich.
Es ist ein typisch deutscher Reflex: Kurzarbeit bei Milliardengewinnen? Das geht gar nicht. Moralisch böse: Mercedes-Benz. Da hört die Debatte dann oft schon auf. Ist die Moralfrage geklärt, kann man sich dem nächsten Aufreger widmen und auf die Analyse verzichten, geschweige denn Maßnahmen ergreifen. Aber es ist eben komplizierter: Mercedes nimmt nicht nur Kurzarbeitergeld in Anspruch, sondern zahlt auch kräftig in die Sozialkassen ein und nicht wenige Steuern. Im Übrigen handeln Unternehmen im Rahmen der Gesetze. Wenn die sind, wie sie sind, ist das nicht der Fehler der Unternehmen, was nicht heißt, dass man ihnen jedes Strapazieren der Regeln durchgehen lassen sollte. Das größte Problem ist, dass Deutschland gar nicht weiß, ob Kurzarbeitergeld überhaupt sinnvoll ist. Werden Regionen weniger innovativ, weil alteingesessene Konzerne in Auftragsflauten Mitarbeiter mithilfe der Sozialkassen horten, während andere händeringend Arbeitskräfte suchen? Gute Frage, Daten gibt es dazu nicht. Hier gilt es anzusetzen. Evaluieren statt echauffieren bitte!
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