https://www.faz.net/-gqe-8v876

Neues Vergütungssystem : VW beschließt Einkommens-Obergrenze für seinen Vorstand

Am Steuer bei VW: Konzernchef Matthias Müller Bild: dpa

Der Aufsichtsrat von VW hat die Vergütung seines Vorstands neu geregelt: Das Einkommen soll gedeckelt, Boni nur noch in Ausnahmefällen gezahlt werden. Das Unternehmen hat 2016 sehr gut verdient.

          3 Min.

          Die Vorstandsmitglieder des Volkswagen-Konzerns sollen in Zukunft weniger verdienen. Nach einem neuen Vergütungssystem, das der Aufsichtsrat am Freitag in Wolfsburg beschlossen hat, soll es Bonuszahlungen nur noch geben, wenn anspruchsvollere Leistungen erbracht werden. Außerdem führt VW Obergrenzen beim Gehalt ein. Sie liegen für den Vorstandschef des Konzerns, Matthias Müller, bei zehn Millionen Euro, bei den anderen Konzernvorständen bei 5,5 Millionen Euro Jahreseinkommen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Diese Höchstbeträge könnten „aber nur bei einer herausragenden Unternehmensentwicklung erreicht werden“, heißt es in einer Erklärung des Aufsichtsrats. „Damit sinkt die theoretisch mögliche Maximalvergütung gegenüber der vorherigen Systematik um bis zu 40 Prozent.“ Die großzügige Altersversorgung für die VW-Vorstände hat der Aufsichtsrat nicht geändert. „Da gab es wenig Bereitschaft“, war aus informierten Kreisen zu hören. Dabei hatten gerade neben den hohen Gehältern die üppigen Pensionen für Unwillen in der Bevölkerung gesorgt: Allein der ehemalige Vorstandvorsitzende Winterkorn bekommt bis zu seinem Lebensende eine Rente von 3100 Euro täglich oder mehr als eine Million Euro im Jahr.

          VW-Manager verdienen im Vergleich immer noch gut

          Mit der neuen Vergütungsregelung reagiert der Aufsichtsrat auf die wachsende Kritik an den auch im Vergleich zu anderen Konzernen hohen Zahlungen bei VW. Im Wolfsburger Konzern gab es Zeiten, in denen der Vorstandschef 17,5 Millionen Euro bekam - Müllers Vorgänger Martin Winterkorn erreichte diesen Höchststand 2011. Nach Informationen der F.A.Z. hätte der Ex-VW-Chef nach dem neuen Modell deutlich weniger bekommen. 2014 zum Beispiel meldete VW für ihn noch 15,5 Millionen Euro Einkommen, nach dem neuen Vergütungssystem wären es lediglich 6,9 Millionen Euro gewesen. Vorstandsmitglieder hätten nach dem neuen System im Schnitt rund 19 Prozent weniger Geld bekommen, hieß es.

          Der Grund dafür ist einfach: Die neuen langfristigen Bonuszahlungen bei VW richten sich nach dem Erfolg des Unternehmens in den kommenden zwei Jahren. Bislang wurde der Erfolg rückwärts gemessen. Deswegen gab es im letzten Jahr trotz Abgasskandal und Milliarden-Abschreibungen in der Bilanz 2015 für die VW-Manager weiter extrem hohe Bonuszahlungen, die damals öffentlich scharf kritisiert worden sind. „VW liegt nicht mehr an der Spitze“, hieß es jetzt in Wolfsburg. Allerdings spielen die Volkswagen-Manager im Vergleich mit anderen Unternehmen auch nach den neuen Regeln durchaus noch im oberen Mittelfeld mit.

          Erfolge bei der Elektromobilität

          Die stärkere Orientierung der langfristigen Boni am Kapitalmarkt ist für VW ein Schritt in die Normalität anderer Dax-Konzerne, den Investoren schon lange gefordert haben. Die langfristigen Bonuszahlungen orientieren sich künftig an der Entwicklung der Vorzugsaktie. Sie werden aber nicht - wie von vielen Investoren gefordert - in Aktien, sondern weiter cash ausgezahlt. Die neuen jahresbezogenen variablen Vergütungen berechnen sich künftig zur Hälfte an der operativen Umsatzrendite und zur Hälfte am operativen Ergebnis - wobei der Gewinnbringer China mit berücksichtigt wird. Sie wird nicht gezahlt, wenn das operative Ergebnis 9 Milliarden Euro und die operative Rendite 4 Prozent nicht erreichen.

          Nach dem Manipulationsskandal befindet sich VW in der tiefsten Krise des Unternehmens. Öffnen

          Bei individuellen Boni der Manager sollen Erfolge beim Umbau in Richtung Elektromobilität, Digitalisierung und mobile Leistungen in die Berechnung einfließen. Im Gegenzug zu den strengeren Regeln für Boni werden die Festgehälter um bis zu 30 Prozent erhöht. Der Vorstandschef bekommt jetzt 2,125 Millionen Euro, alle anderen Vorstandsmitglieder 1,35 Millionen Euro.

          Leichtes Umsatzplus

          Damit die neue Vergütung wie geplant vom Geschäftsjahr 2017 an gelten kann, müssen die Vorstandsmitglieder allerdings zustimmen. Der Aufsichtsrat kann sie nicht zwingen, neue Verträge zu akzeptieren. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hat deswegen bereits in den vergangenen Tagen mit den Vorständen gesprochen. VW-Chef Müller sagte, der Vorstand habe einer Modifikation der laufenden Verträge zugestimmt.

          Die Zustimmung dürfte Konzernchef Müller und den anderen Vorständen am Freitag auch leichter gefallen sein, weil Müller dem Aufsichtsrat deutlich bessere Zahlen als erwartet für das Geschäftsjahr 2016 präsentieren konnte. Der Umsatz des Konzerns legte trotz Abgasskandal um 4 auf 217,3 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis - das letztes Jahr noch im Minus lag - lag bei 7,1 Milliarden Euro. Das ist deutlich höher als erwartet. Ohne die finanziellen Lasten des Abgasskandals, die mit 6,4 Milliarden Euro zu Buche schlugen, und andere Sondereinflüsse in Höhe von 1,1 Milliarden Euro hätte das operative Ergebnis mit 14,6 Milliarden Euro sogar einen neuen Höchststand erreicht. Die operative Rendite stieg von 6 auf 6,7 Prozent. Konzernchef Müller sagte, „die Zahlen zeigen: Volkswagen ist sehr robust aufgestellt, operativ und finanziell“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten, spricht bei einer Wahlkampfkundgebung im Lake Charles Civic Center.

          Amerika : Vereinzelte Republikaner wenden sich gegen Trump

          Einzelne Republikaner erwägen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zu unterstützen. Die Mehrheit steht nach wie vor hinter ihrem Präsidenten und will das auch mit einer offiziellen Abstimmung bestätigen.
          Der britische Premierminister Boris Johnson steht beim EU-Gipfel in Brüssel im Zentrum.

          Europäische Union : Britisches Parlament stimmt über Brexit-Vertrag ab

          Stimmt das britische Unterhaus heute für den Vertrag, den Premierminister Boris Johnson mit der EU ausgehandelt hat, wird Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union austreten. EU-Kommissar Günther Oettinger schließt weitere Verhandlungen aus, sollte es nicht zu einer Einigung kommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.