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Marktstart in Japan : Pokémon Go kommt nach Hause

Ich krieg dich! Ein Quapsel im „Pokémon Go“-Spiel in Tokio. Bild: AP

Das Handy-Spiel Pokémon Go ist jetzt auch in Japan auf dem Markt. Nintendos Aktie gewinnt. Und die Regierung verteilt Handzettel mit Gefahren-Warnungen.

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          Endlich. Japans Computerspieler atmen auf. Seit Freitag ist das Handyspiel Pokémon Go auch im Heimatland der kleinen Computermonster zu haben, da, wo vor zwei Jahrzehnten die Pokémons erdacht wurden. Zur Eröffnung legte die Aktie von Nintendo rund 5 Prozent zu. Nun wird sich zeigen, wie sehr die Pokémanie auch auf Japan übergreift. Die Anmeldeserver für das Spiel waren am Freitag jedenfalls überlastet.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Regierung hat vorgesorgt. Wie in einer sorgfältig abgestimmten Choreographie mahnte der Regierungssprecher und Chef des Kabinettsbüros noch am Donnerstag die Japaner in seiner Pressekonferenz, während des Spiels auf ihre Sicherheit zu achten. Das wurde zur zweiten Meldung in den Abendnachrichten, bevor am Tag darauf das Spiel an den Markt kam. Und die Nationale Agentur für Cyber-Sicherheit veröffentlicht einen Handzettel mit Ratschlägen für Pokémon-Go-Spieler.  Darin erklärt sie unter anderem, wie man während des Computerspiels seine Privatsphäre schützt, oder warnt vor unsicheren Trittbrettfahrerprogrammen, die nur private Daten absaugen.

          Nicht Pokémon Go spielen, wenn der Tsunami kommt: Warnung auf einem japanischen Handzettel

          All das ist wie in Japan so oft mit kleinen Manga-Comic-Bildchen versehen, um die Gefahren verständlich zu machen. Zwei düstern dreinblickende Revolverhelden kommen direkt aus einem Western und mahnen zur Vorsicht vor Hinterhalten, in die Ganoven unvorsichtige Pokémon-Go-Fans locken können. Auf einem anderen Bildchen ruft ein Junge: „Nicht spielen, wegrennen!“ und zerrt seinen kleinen Bruder hinter sich her, der das Handy in der Hand hält. Im Hintergrund bäumt sich hinter dem Deich schon eine Tsunami-Welle auf. So mahnt die Agentur, zusätzlich zu dem Computerspiel auch ein Wetter-Programm herunterzuladen, das vor Erdbeben und Tsunamis warnt. Auch vor Hitzschlägen beim Pokémon-Spiel im Freien warnt die Behörde und empfiehlt ferner, eine Zusatzbatterie mitzunehmen, um im Notfall erreichbar zu sein. Generell rät sie, das Spiel beim Fahrradfahren oder Gehen nicht zu spielen.

          Auch Bäcker profitieren von der Aufregung

          An der Aktienbörse treibt das Spiel derzeit weiter bunte Blüten. In der Morgensitzung legte die Aktie von Nintendo um 4,9 Prozent zu. Nintendo hält Anteile an Pokémon Company und Niantic, dem Spieleentwickler. Der Marktwert Nintendos hat sich in den vergangene zwei Wochen mehr als verdoppelt. Mit einer Kapitalisierung von knapp 4 Billionen Yen spielt Nintendo nun in derselben Liga wie etwa Sony.

          Die Phantasie der Anleger kennt dabei keine Grenzen, um von der Aufregung um das Spiel zu profitieren. Die Aktie von McDonald's Holdings Japan gewann am Freitag zeitweise 7,2 Prozent. In der vergangenen Woche legte sie um ein Viertel zu. McDonald’s ist Partner beim Marktstart von Pokémon Go in Japan. Der Bulettenbrater, der sich in Japan zuletzt nach einer Reihe von Lebensmittelskandalen schwer tat, hofft darauf, dass sein Filialen als Stationen für das Computerspiel Kundschaft anlocken. McDonald’s wirbt in Japan derzeit mit Pokémon-Bildchen und Figuren.

          Doch auch andere Unternehmen, die mit dem Spiel nur entfernt zu tun habe, legten in den vergangenen Tagen an der Börse in Tokio auffällig zu. So gewann der Anteilsschein der Großbäckerei First Baking, die Pokémon-Brot herstellt, binnen zwei Tagen 18 Prozent, um danach schon wieder 5,5 Prozent abzugeben. Das Plus am Freitag Mittag: 2,3 Prozent.

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