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Urban Priol : Der Mann, der es rauslässt

  • -Aktualisiert am

Regt sich gerne auf: Kabarettist Urban Priol, hier ein Archivbild Bild: dpa

Politik, Gesellschaft, die Kanzlerin, die CSU: Urban Priol ärgert sich, als Privatmann und von Berufs wegen. Mit schrillen Hemden, steilem Haar und neuerdings anderen Tönen.

          6 Min.

          Schuld an vielem ist der schwedische Soldat Joseph Lögler mit seinem lahmen Fuß, dieser „schlappe Seppel“, der im Dreißigjährigen Krieg Bier brauen musste für seinen König Gustav Adolf, den Eroberer. Es war ausgegangen. Der Soldat braute meisterhaft, ließ seinen Herrn ziehen, gab einer Brauerei und Gastwirtschaft den Namen. In Aschaffenburg kennt diese Geschichte jedes Kind, ob sie nun wahr ist oder nicht. Urban Priol trinkt im „Schlappeseppel“ seit Ewigkeiten sein Bier, samstags vom Markt „fällste praktisch rein“, sagt er. „Man muss ja was für die Freunde tun.“

          Freunde hat er dort, grade auch solche mit Humor, Gleichgesinnte. Denken wir beispielsweise an Greser & Lenz. Priol bestellt immer ein Bier und einen Schnitt. Ein Schnitt ist eine halbe Halbe oder ein halbes Seidel, je nach Region. Jedenfalls sollte es frisch gezapft sein und das berühmte letzte Glas, die süffige Annäherung zwischen dem „Noch ein Bier“ und „Kein Bier mehr“. „Ein halbes bitte“ würde aber kein Mensch in Aschaffenburg sagen. Priol muss es wissen. Deswegen Schnitt.

          Einmal wurde er zum dritten Klassensprecher gewählt

          Seine Schwester ging auch schon in den Schlappeseppel. Sie ist neun Jahre älter, ein Vorbild. Wie wird einer Kabarettist? Entweder es wird viel gelacht daheim oder nie. Oder? „Bei uns ging es politisch zu“, sagt der Kabarettist Urban Priol. Daheim im beschaulichen Obernburg am Main, nahe bei Aschaffenburg, das war der eher ernste Vater, ein Grundschuldirektor, eine sehr humorvolle Mutter, und die Schwester zettelte in den achtundsechziger Jahren das Politische an. Sagt bewundernd der kleine Bruder, 1961 geboren.

          Große Familienfeiern muss man sich nach seiner Schilderung so vorstellen: Die Onkel und Tanten kamen. Manche waren wie die Eltern gute alte Sozialdemokraten, manche stramme CSU-Wähler. Die Mutter, ein Friedensengel, bat jedes Mal: „Bitte heute keinen Streit!“ Irgendwann wurde der Bub Urban ins Bett geschickt. Von seinem Zimmer hat er dann gehört, wie es laut wurde, die Fetzen flogen. Hinterher haben sich die Onkel und Tanten alle wieder vertragen.

          Das prägt natürlich. Vor allem, wenn man früh auch noch die Gabe hat, Stimmen imitieren zu können. Priol hatte dieses Talent schon mit zwölf. Damals forderten ihn die Verwandten auf: „Mach mal den Wehner nach.“ Oder den Brandt oder - logisch - den Strauß. In der Schule wird er auch manches produziert haben, zum Ausgleich sozusagen. „Ich war nicht so gut in Sport“, nennt er es. „Beim Hochsprung bin ich immer an der Stange vorbeigelaufen.“ Also gab er den „Klassenclown“. Einmal wurde er zum dritten Klassensprecher gewählt. Was macht um Gottes willen ein dritter Klassensprecher? „Die Klassen waren damals riesig, da musste jeder beschäftigt werden.“

          Ein Umweg führt ihn zum Kabarettisten-Dasein

          Der dritte Klassensprecher von ehedem ist nun ein Kabarettist der ersten Klasse. Auch wenn er einen Umweg über das Lehramtsstudium mit den Fächern Englisch, Russisch und Geschichte gemacht hat. Das war aber eher seinem Vater, dem Grundschuldirektor, geschuldet. Der Sohn brach es vor dem Examen ab, um seiner Berufung zu folgen. Obwohl er eigentlich noch einmal etwas völlig anderes werden wollte. Landschaftsarchitekt. Die „Atomkraft lag in der Luft“, sie bauten eine Straße durch „ihr“ Naherholungsgebiet. Ein Landschaftsarchitekt Priol hätte künftig so was verhindert. So stellte er sich das vor. Aber dann hätte er vor dem Studium eine zweijährige Gärtnerlehre machen müssen. Er wollte aber gleich studieren, hat es mit einem Semester Geographie versucht: „Das war gar nichts.“ Aber die Zeit sei damals schön gewesen, sagt er, „weil wir Zeit hatten“.

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