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Fahrverbote in Frankfurt : Die Galgenfrist verlängern

Fahrverbote: Nach dem Wiesbadener Diesel-Urteil rächt sich, dass das Bahnnetz zwei Jahrzehnte lang nicht vernünftig ausgebaut wurde. Bild: dpa

Nach dem Wiesbadener Diesel-Urteil rächt sich, dass das Bahnnetz zwei Jahrzehnte lang nicht vernünftig ausgebaut wurde. Was in dieser Zeit versäumt wurde, kann man nicht in ein paar Monaten nachholen. Ein Kommentar

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          Man mag sich die Wut und Verzweiflung Zehntausender Pendler nicht ausmalen, die bei einem Diesel-Fahrverbot nicht mehr an ihren Arbeitsplatz in Frankfurt gelangen können. Auch nicht den wirtschaftlichen Schaden, den die Mainmetropole dann erleiden würde.

          Ob die Nachrüstung von Euro-5-Diesel wirklich die Lösung des Problems ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Auf jeden Fall würde die Nachrüstung der betreffenden Fahrzeuge – wenn sie denn von der Bundesregierung zum Programm erhoben wird und die Finanzierung geklärt ist – einige Zeit dauern. Zeit, die sich nur eröffnen könnte, wenn die Landesregierung Rechtsmittel gegen das Wiesbadener Diesel-Urteil einlegte und womöglich so die Galgenfrist bis zu einem Fahrverbot verlängern könnte. Denn bis Februar beziehungsweise September nächsten Jahres lässt sich eine Nachrüstung im großen Stil nicht schaffen.

          Netz zwei Jahrzehnte lang nicht vernünftig ausgebaut

          Für Pendler ist die Alternative zum Auto der Zug. Allerdings nur bedingt. Denn erstens liegt für viele Arbeitnehmer keine erreichbare Bahnstation in der Nähe, und zweitens sind während des Berufsverkehrs die meisten Bahnen gestopft voll. Das Dilemma für die Bahn und den RMV besteht darin, dass sie in den Hauptverkehrszeiten keine zusätzlichen Züge auf die Strecken schicken können, weil das Schienennetz bis an seine Grenze ausgelastet ist.

          Nun rächt sich, dass dieses Netz zwei Jahrzehnte lang nicht vernünftig ausgebaut wurde. Was in dieser Zeit versäumt wurde, kann man nicht in ein paar Monaten oder in ein, zwei Jahren nachholen. Bei Großprojekten zum Ausbau der Infrastruktur wie der nordmainischen S-Bahn und die Regionaltangente West muss man in Jahrzehnten rechnen. Immerhin wird jetzt mit dem dritten und vierten Gleis für die S 6 nach Bad Vilbel und mit der S-Bahn- Station Gateway Gardens am Frankfurter Flughafen endlich gebaut.

          Für die nächste Landesregierung muss das Vorantreiben der Schienenprojekte Priorität haben. Nur so lässt sich ein Verkehrsinfarkt in Rhein-Main verhindern. Kurzfristig kann man aber nur den Omnibusverkehr im Ballungsraum ausweiten.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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