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Plastikfreie Hundekotbeutel : Klimaneutral Gassi-Gehen

  • Aktualisiert am

Kostspielige Entsorgung: Kotbeutel für Hunde sorgen für reichlich Plastikmüll (Symbolbild). Bild: dpa

Hochgerechnet warten in Hessen jährlich mehr als 160 Millionen Hundehaufen darauf, in einem Kotbeutel entsorgt zu werden. Doch geht das auch mit weniger Plastik?

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          Klimafreundlichere Alternativen zu den millionenfach ausgegebenen Plastik-Hundetüten sind verfügbar, werden in hessischen Kommunen aber kaum genutzt. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei hessischen Kommunen ergeben. Die Stadt Frankfurt experimentiert mit Hundekot-Boxen aus Papier. Hanau hat schon vergangenes Jahr auf Beutel aus 85 Prozent Zuckerrohr umgestellt. Andere Städte wie Gießen, Kassel oder Wiesbaden geben bis auf Weiteres die herkömmlichen Gassi-Beutel an Hundehalter aus.

          Trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen - in einer Sache sind sich viele Städte einig: Öffentliche Plätze und Parks sollen rein gehalten werden. Klar ist auch, dass die Hinterlassenschaften von Hunden mit dem Restmüll entsorgt werden müssen, so sieht es das Abfallrecht in Deutschland vor.

          „Wenn Müll entstehen muss, dann besser der, der unsere Umwelt weniger belastet“, erläutert Claudia Gabriel die Motivation, eine plastikfreie Lösung für das Problem der Hinterlassenschaften der Vierbeiner auszuprobieren. Die Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt berichtet von einem ersten Versuch mit Hundehaltern, bei dem Hundekotbeutel aus Papier verwendet wurden. Diese bestehen laut Hersteller zu 70 Prozent aus Recycling- und zu 30 Prozent aus Abfall-Papier aus der Möbelindustrie. Geplant ist nun über sechs Monate hinweg im Stadtteil Oberrad einen Spender mit den nachhaltigen Hundekotbeuteln kostenlos zur Verfügung zu stellen.

          Papier-Lösung birgt Schwierigkeiten

          Der Vorteil der Behälter aus Holz liegt nach Aussage des Herstellers darin, dass bei deren Verbrennung nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie der Baum in seinem Leben der Atmosphäre entzogen hat. Damit sei das Produkt klimaneutral. Im Gegensatz dazu verursache eine Plastiktüte in der Herstellung sowie bei der Verbrennung einen unnötig hohen Ausstoß von CO2 und kurbele so den Treibhauseffekt an, erklärt der Hersteller.

          Die Papier-Lösung berge für Hundehalter allerdings auch Schwierigkeiten, merkt Elke Gießler an. Die Vorsitzende des Verbandes für das Deutsche Hundewesen verweist auf die Gefahr von durchweichendem Papier. Nehme man deshalb eine extra Plastiktüte mit, werde die Idee der plastikfreien Alternative hintergangen. „Wir haben alle viele Ideen und wollen alle nachhaltiger leben, aber es muss auch handhabbar sein“, sagt Gießler.

          Derzeit geben alleine Frankfurt, Gießen, Hanau, Kassel und Wiesbaden jährlich zusammen mehr als zehn Millionen Hundekotbeutel an Hundehalter aus. Liegenschaftsreferent Alexander Reinfeldt geht für die Landeshauptstadt Wiesbaden von 10.000 Hunden aus. „Im Durchschnitt produziert jeder Hund täglich zwei Haufen. Von diesen rechnerisch vorhandenen 7,3 Millionen Haufen werden etwa 4,8 Millionen durch Hundekotbeutel eingesammelt“. Wiesbaden gibt im Landesvergleich die meisten Tüten aus. Verwendet werden allerdings solche aus Recyclat, die nach Aussage von Reinfeldt umweltfreundlicher hergestellt werden als herkömmliche Plastiktüten. Eine plastikfreie Lösung ist erst einmal nicht vorgesehen.

          Nachhaltigkeit und Biodiversität

          In Hanau wird schon heute auf eine weitgehend plastikfreie Tüte gesetzt. Laut Pressesprecher Joachim Haas-Feldmann gibt der städtische Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) seit Anfang 2019 Hundekotbeutel aus 85 Prozent Zuckerrohr aus. Diese sind laut Hersteller - ebenso wie die Frankfurter Papierbeutel - CO2-neutral. „HIS ist in vielerlei Hinsicht Nachhaltigkeit und Biodiversität wichtig, so auch hier“, begründet der Sprecher die Motivation, das Plastik der jährlich rund eine Million ausgegebenen Hundetüten weitgehend zu vermeiden. Die Tüten kosteten etwa 1,5 Cent pro Stück und verursachten der Brüder-Grimm-Stadt keine Mehrkosten im Vergleich zu der herkömmlichen Variante.

          Mit dieser arbeitet nach wie vor die Stadt Darmstadt, wie deren Sprecher bestätigte. Auch im Norden Hessens wird weiterhin auf herkömmliche Hundekotbeutel vertraut. Die Sprecher von Kassel , ebenso wie die der Stadt Fulda bestätigen die Benutzung von herkömmlichen Hundekotbeuteln.

          Gießen stellt ebenfalls nicht auf die klimaneutrale Variante um. „Die Prüfung von Alternativen hat bislang ergeben, dass durch das aufwändigere Handling in den Spenderboxen und die deutlich höheren Kosten derzeit eine Umstellung des gesamten Systems in Gießen nicht in Frage kommt“, erklärt Sprecherin Claudia Boje. Man werde aber die Entwicklung beobachten und den Bürgern plastikfreie Alternativen zur privaten Nutzung näherbringen.

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