Fledermaus-Speisen :
Der köstliche kleine Knödel

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Gnocchi
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Die lange Geschichte hinter einem Fertiggericht – und was das mit Halloween zu tun hat: Wie die Fledermaus-Gnocchi in den Supermarkt kommen.

Der Begriff „gesunkenes Kulturgut“ ist schon umstritten gewesen, als er vor ungefähr 100 Jahren durch Hans Naumann, damals an der Goethe-Universität Frankfurt Professor in der Volkskunde, aufgekommen ist. Die These, dass von sogenannten höheren oder gar „besseren“ Ständen, Völkern, Kulturen elaborierte Lebensarten, Techniken und Kunstformen gewissermaßen vergröbert und vereinfacht „nach unten“ sickern, sei zu grob, diskriminierend und für die Moderne sowieso komplett ungeeignet, fand man schon damals – und kurz danach tat sich Naumann auch schon beim Bücherverbrennen hervor. Dennoch hat sich die Idee vom sinkenden und umgekehrt vom „aufsteigenden Kulturgut“ lange als viel diskutiertes Denkmodell gehalten.

Nimmt man das Wertende und erst recht das Abwertende aus den Bewegungen, hat die Vorstellung durchaus ihren Charme. Denn sie erklärt recht einfach, dass eine Arbeiterhose heute allenthalben getragen wird – die Jeans – und Elemente der als feiner interpretierten Lebensart für kleines Geld und oft in vereinfachter Form in jedem Haushalt zu finden sind. Dass vieles in Massen verfügbar ist, das früher nur unter dem Aufwand von Zeit, Geld und Arbeit wenigen gegönnt war. Dass die Idee von oben und unten in die Irre führt, kann man schon daran sehen, dass auf jede Popularisierung eine neue Welle der Exklusivität folgt – und oft wieder zurück, mit erstaunlichen Schleifen und Kurven.

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Vor ungefähr 500 Jahren hat das mittelalterliche Bauerngericht aus Getreide, das in vielen italienischen Landstrichen die Familien nährte, durch die Kartoffel einen neuen und sättigenden Aufwind erfahren, fluffiger und damit delikater wurde das Gericht, das Großfamilien nährte, dadurch überdies. Dann kamen die Touristen und entdeckten, Anfang der Achtzigerjahre, auf den ersten schlecht übersetzten Speisekarten der Toskana die „Nökel“. Eine zauberhaft falsche Übersetzung, schade, dass der Begriff sich nicht durchgesetzt hat für die Miniknödel. Denn das sind die Gnocchi, die so im Bewusstsein der Deutschen landeten, allemal.

Liebevoll zwischen zwei Holzbrettchen mit kleinen Einkerbungen geformte Werke der Kochkunst, an denen in der Folge viele deutsche Hobbyköche verzweifelten – und die schnell erst auf den Menüs der besseren Restaurants landeten. Und dann, als Fertigware, bretthart zusammengeklebt und in Plastik verschweißt, in den Supermarktregalen. So tief, hier muss man nun doch die Richtung bemühen, kann ein Kulturgut also doch sinken. Und man sollte nicht denken, damit sei schon Schluss. Wer heute Zeit, ein kostbares Gut, hat, formt wieder selbst, die Brettchen bestellt man für teures Geld im Fachhandel. Andererseits bekommt das beliebte Kinderessen derzeit im Kühlregal buchstäblich Flügel: Verlassen hat es die Nökel-Form, es ist flach, beflügelt und – schwarz. Zu Halloween begegnen uns die Gnocchi als „Sonderedition“: Fledermaus-Gnocchi. Und jetzt darf jeder selbst urteilen, ob die, auch wenn sie im heißen Wasser oben schwimmen, nicht doch ganz schön tief gesunken sind.

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