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Missbrauchsprävention : „Stopp sagen, wenn jemand dir auf die Pelle rückt“

  • Aktualisiert am

Gegen Missbrauch: Ein neuer „Kodex“ enthält Verhaltensanweisungen für die Mitarbeiter. (Symbolbild) Bild: dpa

Die katholische Kirche hat mit den Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre Vertrauen verspielt. Ein neuer „Kodex“ für Mitarbeiter soll präventiv Gefahren abwenden.

          In der Jugendarbeit der katholischen Kirche soll ein neuer „Kodex“ dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen vorbeugen. Die Verhaltensregeln sollen ein Klima der Offenheit schaffen und „die Kultur des Schweigens“ aufbrechen. So könnten Opfer in einem Klima des Vertrauens auf Überschreitungen von Grenzen hinweisen.

          Aufgestellt hat den Kodex die katholische Fachstelle für Jugendarbeit Taunus mit Sitz in Oberursel, die mit jungen Leuten aus dem Hochtaunus- und dem Main-Taunus-Kreis arbeitet. Die Veranstaltungen und Angebote der Fachstelle werden im Jahr von 1500 Jugendlichen wahrgenommen.

          „Du bist uns wichtig!“

          Der Kodex richtet sich als Verhaltensanweisung an alle hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Fachstelle im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, aber auch im Umgang untereinander. Die Regeln sind eher allgemein gehalten und weit gefasst. So lautet zum Beispiel ein Grundsatz für die Einstellung: „Du bist uns wichtig! Damit du dich wohl fühlst, wollen wir in allen Bereichen aufmerksam sein, Situationen sensibel wahrnehmen und angemessen handeln.“ Ein anderer Grundsatz lautet: „Wir nehmen dich und deine Meinung ernst!“

          Die katholische Kirche habe mit den Missbrauchsfällen der Vergangenheit Vertrauen verspielt, sagte Daniel Dere, Leiter der Fachstelle. Nun habe die Kirche einen mühsamen Weg vor sich, um sich das Vertrauen wieder zu erarbeiten. Zunächst müsse es darum gehen, „sprechfähig“ zu werden, um überhaupt handeln zu können. In der Kirche herrsche eine Sprachlosigkeit, was das Sexuelle angehe, das sei „ein institutionelles Versagen“. Mit dem Aufstellen des Kodex wolle man diese Wortlosigkeit durchbrechen. Es müsse eine Sprache entwickelt werden für das, was in der Kirche bisher tabu sei.

          Selbstbewusstsein stärken

          Die neuen Regeln dienten auch dazu, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken. Man wolle den jungen Leuten vermitteln: „Du hast das Recht, stopp zu sagen, wenn jemand dir auf die Pelle rückt.“ So solle ein Klima entstehen, in dem kein Missbrauch von Macht mehr gedeihen könne. Für Täter werde es schwieriger, Opfer zu finden, wenn sich das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen bessere.

          Bei der Beachtung von Grenzen gehe es aber nicht allein um sexuellen Missbrauch. Auch sonst müsse vermieden werden, womit Kinder und Jugendliche sich nicht wohl fühlten. In Zeltlagern der Kirche sei es früher üblich gewesen, das Spiel „Kleiderkette“ zu spielen, berichtete der Leiter der Fachstelle. Dabei knoteten mehrere Gruppen von Kindern ihre Kleidungsstücke zusammen, und diejenige Gruppe mit der längsten Kleiderkette gewinne. Oft stünden die Teilnehmer dann nur noch in der Unterwäsche da, was für manche Mädchen und Jungen peinlich sei. Auch Grenzen dieser Art müssten respektiert werden. Grenzverletzungen aller Art seien „ein Einfallstor“, wo sie vorkämen, passiere Missbrauch eher.

          Mit diesem Bemühen um einen offeneren Umgang stießen sie und ihre Mitarbeiter mitunter auf Widerstand, sagt Dere: „Wir erleben, dass wir uns in der Kirche nicht nur beliebt machen.“ Nicht nur bei Priestern, auch bei Pastoralreferenten sei ein „institutionelles Beharren“ verbreitet.

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