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Hessens Hochschulen : Land will Geisenheim zur Hochschule machen

  • Aktualisiert am

Die Opposition ist gegen eine Neugründung als Hochschule: die Forschungsanstalt Geisenheim. Bild: dpa

Zwölf staatliche Hochschulen hat Hessen - Geisenheim soll 2013 die 13. werden. Die Regierung verspricht eine Hochschule der neuen Art.

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          Die Opposition hält die Neugründung für überflüssig - denn schon jetzt gibt es Studiengänge in Geisenheim.

          Vor genau 140 Jahren wurde im damals preußischen Rheingau eine „Königliche Lehranstalt für Obst- und Weinbau“ aus der Taufe gehoben. Daraus ist die Forschungsanstalt Geisenheim entstanden, die heute bundesweit Ansehen genießt. Ab Januar kommenden Jahres soll Geisenheim zur eigenen Hochschule werden - es wäre die 13. staatliche in Hessen. Mit ihren Studiengängen im Weinbau, in der Getränketechnologie, im Gartenbau oder der Landschaftsarchitektur soll die „Hochschule neuen Typs“ bundesweit Maßstäbe setzen, verspricht die CDU/FDP-Landesregierung. Vor wenigen Tagen wurde im Landtag der Gesetzentwurf eingebracht.

          Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) will damit aus der Not eine Tugend machen. Nachdem sich Rheinland-Pfalz im Sommer 2010 quasi über Nacht als Partner aus der Finanzierung der Forschungsanstalt Geisenheim verabschiedet hatte, ging es um eine neue Perspektive. Jetzt sollen Forschung und Lehre in Geisenheim eng verzahnt werden. Derzeit sind dort 36 Wissenschaftler und 250 Mitarbeiter tätig.

          Der Verlust: tausend Studenten, Image und Geld

          Grundsätzlich findet dies auch die Landtags-Opposition aus SPD, Grünen und Linkspartei gut - allerdings ist aus ihrer Sicht eine teure Neugründung gar nicht notwendig. Denn Studiengänge und Studenten gibt es schon in Geisenheim - der Fachbereich gehört aber bislang zur Hochschule RheinMain (HSRM) in Wiesbaden. Und die Wissenschaftler der Forschungsanstalt Geisenheim unterrichten dort und auch an anderen hessischen Hochschulen. HSRM-Präsident Detlev Reymann gehörte lange zu den schärfsten Kritikern der Neugründung - auch weil seine Hochschule massiv geschwächt wird. Er wird nicht nur mehr als 1.000 Studenten verlieren, sondern auch an Image und Geld.

          Der SPD-Hochschulexperte Gernot Grumbach hat der Regierung deshalb „Planlosigkeit“ vorgeworfen. Die Grünen können ebenfalls keinen Nutzen in der Neugründung erkennen. Ihr Abgeordneter Daniel May verweist auf die zusätzliche Bürokratie mit Mehrkosten von zwei Millionen Euro für die neue Hochschule. Der aus dem Rheingau kommende CDU-Abgeordnete Peter Seyffardt baut dagegen auf den „klangvollen Namen“ der Hochschule, der auch beim Einwerben von Fremdgeldern (Drittmitteln) helfen soll.

          Die Kosten sind entscheidend

          Bevor das Parlament aber die Neugründung absegnet, wird es erst noch Anhörungen geben. Die Opposition hat bereits angekündigt, dass sie dabei vor allem auch die Kosten zur Sprache bringen will. Andere Hochschulen bräuchten dringend Geld für die Lehre.

          Vorher steht auch noch die Begutachtung durch den Wissenschaftsrat aus, der Länder und Bundesregierung bei den Hochschulen zur Seite steht. Dessen Einschätzung wird nicht vor Herbst erwartet - wenige Wochen später soll es in Geisenheim aber schon losgehen. Die Wissenschaftsministerin gibt sich dennoch zuversichtlich, die Anregungen berücksichtigen zu können. Von einer „inhaltlich und zeitlich großen Herausforderung“ hatte der Direktor der Forschungsanstalt Geisenheim, Prof. Hans Reiner Schultz, bereits Anfang des Jahres gesprochen.

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