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Depeche Mode in Frankfurt : Zwei Herren spielen Luftgitarre zum Düster-Rock

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Perfekt inszeniert, souverän gesungen: Depeche Mode macht „Music for the masses“. Bild: Fricke, Helmut

Die englische Band Depeche Mode begeistert in der Frankfurter Commerzbank-Arena alle Generationen und Geschmäcker.

          Angesichts selig singender, die Arme schwenkender Menschen im weiten Rund der Frankfurter Commerzbank-Arena mal kurz an den alten Willie Nelson gedacht. „Funny how time slips away“ heißt ein Song des Country-Haudegens. Wie flott und grundlegend sich doch die Zeiten ändern, zeigte jetzt eine kleine Beobachtung beim ausverkauften Depeche- Mode-Konzert. Da schwelgten zwei Herren, die von Kleidung, Haarschnitt und Habitus her eindeutig als Verehrer elektronischer Musik auszumachen waren, im Düster-Rock von „Barrel of a gun“ und spielten Luftgitarre dazu. So etwas wäre in den Anfangstagen von Depeche Mode undenkbar gewesen. Wer in den frühen achtziger Jahren der englischen Band lauschte, hatte mit Gitarren nichts am Hut. Umgekehrt konnte der Rockhörer mit der kalten Synthesizer-Avantgarde von Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher nichts anfangen. Nun 30 Jahre später ausgerechnet bei dieser Band nicht nur alle Generationen, sondern auch fast alle Geschmäcker vereint zu sehen, ist ein hübscher Streich des Weltgeists, der sich auch noch den Spaß erlaubt, die früheren Elektroniker mit einem aktuellen Album namens „Delta Machine“ durch die Stadien der Welt ziehen zu lassen, das fast schon Bluesrock bietet.

          „Welcome to my world“ heißt ein Song dieses Albums, der passenderweise das Konzert eröffnete und auch dem letzten New Romantic verdeutlichte, dass die Depeche-Mode-Welt nun endgültig jene des Stadionrock ist. Dort trommelt der mit mächtigen Oberarmen ausgestattete österreichische Tour-Schlagzeuger Christian Eigner, der mit gewaltigem Rumms den Songs eine Direktheit verleiht, die bei früheren Hallen-Tourneen nicht so deutlich auffiel. Auf der Haupttribüne der Arena, von der nur der seitliche Blick auf die Bühne möglich ist, war vermutlich gar nicht die ganze Wucht dieses Auftrittskonzepts zu erleben, das neben der Unmittelbarkeit des Breitwandsounds auch auf die visuellen Reize des von Starfotograf und Regisseur Anton Corbijn konzipierten Spektakels auf den großen Videoleinwänden vertrauen konnte. Gab es dort keine Filmschnipsel zu sehen, gehörten die Leinwände fast samt und sonders Dave Gahan, der in schwarz-gelber Weste den großen Zampano gab und es mit Posen und Gesten ohne weiteres mit Mick Jagger aufnehmen kann. Und wie bei den Rolling Stones braucht es auch bei Depeche Mode oft nur eines Takts, um die Massen glückselig aufheulen zu lassen, weil ein Hit dem nächsten folgt.

          Eher routiniert denn inspiriert

          Das zarte „Precious“ (mit Hunde-Video) auf „Walking in my shoes“, das fast schon soulige „Policy of truth“ auf das längst nicht mehr so kühl wie einst intonierte „Black celebration“, dazu „A question of time“ und „Enjoy the silence“ - und die Arena bebte. „Music for the masses“ haben Depeche Mode schon vor 26 Jahren geradezu prophetisch eines ihre Alben benannt und bieten nun genau jenes - perfekt inszeniert, überzeugend dargeboten, souverän gesungen und gespielt.

          Martin Gores Gesangseinlagen mit „Higher love“ oder dem im Zugabenteil zu Pianobegleitung gebotenen „But not tonight“ mögen nicht jedermanns Sache sein, wie auch mancher Hit eher routiniert als inspiriert geboten wurde, doch das waren Lässlichkeiten in einem Programm, in dem neue Songs wie „Angel“, „Heaven“ oder „Secret to the end“ alles andere als Füllmaterial zwischen den großen Erfolgen waren. Letztere sorgten für die großen Momente, wenn ein ganzes Stadion zu „Never let me down again“ wogte.

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