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Kreolische Küche : Ein gutes Rezept gegen Fernweh

Gewürze beim Kochkurs Bild: Julia Bähr

Mauritius ist zurzeit unerreichbar weit weg. Aber zumindest kreolisches Essen kann man sich ins Wohnzimmer holen.

          3 Min.

          Wer offen zugibt, dass er seine Reiseziele nach kulinarischen Gesichtspunkten auswählt, wird oft schief angeschaut. Unter den Kriterien für Urlaubsreisen gelten Kulturdenkmäler als angemessen, schönes Wetter zumindest als plausibel. Dabei ist das Verreisen wegen Essen unbedingt empfehlenswert: Die Kulturdenkmäler mögen in normalen Zeiten überlaufen sein, die Hurrikansaison kann zu früh einsetzen, und die Strände sind vielleicht voller Sandmücken. Aber auf eine hervorragende Landesküche kann man sich immer verlassen. Und was ist besser als eine hervorragende Landesküche? Richtig: zwei. Oder drei.

          Julia Bähr
          (bähr), FAZ.NET

          Das bringt uns nach Mauritius, laut Landesmotto „Stern und Schlüssel des Indischen Ozeans“ und so günstig gelegen, dass hier etliche Völker anlandeten und ihre Esskultur hinterlassen haben. Zuerst kamen arabische Seefahrer und Portugiesen auf die unbewohnte Insel, doch erst die Niederländer nutzten sie ab 1598 als Kolonie. Nach einer Serie von Krankheiten, Zyklonen, Dürren und Schädlingsplagen gaben sie Mauritius 1710 auf und überließen es den Piraten. 1715 eroberten die Franzosen das Stück Land, nannten es „Île de France“ und gründeten die Hauptstadt Port Louis. Sie ließen Zuckerrohrplantagen anlegen und von Sklaven aus Ostafrika und Madagaskar bewirtschaften.

          Schon damit waren alle Voraussetzungen für eine kreolische Mischung aus Völkern und Kulturen gegeben, doch die Geschichte geht noch weiter: Nach dem Mauritius-Feldzug besetzten 1810 die Briten die Insel und übernahmen die Plantagen von den Franzosen. Da das Vereinigte Königreich aber 1835 die Sklavenhaltung verbot und die freigelassenen Sklaven nicht weiter zu Hungerlöhnen für ihre einstigen Herren arbeiten wollten, brauchten die neue billige Arbeitskräfte. Sie fanden sie in Indien. Es begann eine Masseneinwanderung, die 1871 von den Briten gestoppt wurde, weil zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als sechzig Prozent der Bevölkerung Inder waren.

          Erst 1986 wurde Mauritius unabhängig. Obwohl die Briten so lange an der Macht waren, ist die französische Kultur noch deutlich zu spüren, und obwohl es keine offizielle Amtssprache gibt, sind sowohl Englisch als auch Französisch in Gebrauch. Auch die Kreolsprache Morisyen, die fast alle sprechen, hat große Ähnlichkeiten mit dem Französischen. Aber die Sprache ist nicht das Beste, was die Franzosen auf Mauritius hinterlassen haben. Sondern die Patisserie: Macarons, Eclairs, Törtchen, Biskuits und dazu die Leidenschaft, das alles so hübsch wie möglich anzurichten. Die Briten wiederum haben die Tradition des High Tea eingeführt: Scones mit clotted cream und Sandwiches sind am Nachmittag eine harte Konkurrenz für französische Törtchen.

          Küchenchef Didier Jacob bringt schon mal die Zutaten in Stellung.
          Küchenchef Didier Jacob bringt schon mal die Zutaten in Stellung. : Bild: Julia Bähr

          Nun wäre allein die Kolonialgeschichte nicht ausreichend für eine hervorragende Landesküche. Und hier kommt die Lage im Indischen Ozean wieder ins Spiel: Auf Mauritius wächst einfach alles. Das feuchtwarme Klima bringt alle Arten von Obst und Gemüse hervor. Auf dem Markt der ehemaligen Hauptstadt Mahébourg bekommt man frische Palmherzen und riesige, süße Litschis, die mit denen in deutschen Supermärkten nicht das Geringste gemein haben. Aus ihnen wird sogar ein halbtrockener Wein gekeltert. Es gibt Teeplantagen auf Mauritius und Rumbrennereien. Fisch und Langusten kommen direkt aus dem Meer. Das Einzige, was zum Schlaraffenland noch fehlt, wäre, dass einem gebratene Tauben in den Mund flögen.

          Zwiebel, Curryblätter und Ingwer werden hier nicht im Mörser zerrieben, sondern auf einer Steinplatte.
          Zwiebel, Curryblätter und Ingwer werden hier nicht im Mörser zerrieben, sondern auf einer Steinplatte. : Bild: Julia Bähr

          Wer darauf nicht warten will, muss selbst kochen, und wie das geht, lernt man bei einem Kochkurs im Anantara-Resort im Südosten der Insel. Hühnercurry steht auf dem Programm, und zwar nicht ein Curry, sondern drei verschiedene, um die Unterschiede hervorzuheben: eines eher thailändisch, eines eher französisch und eines mauritisch, also ein Cari, wie das auf Kreolisch heißt. Alle Zutaten stehen bereits vorbereitet in hübschen Schüsselchen. Küchenchef Didier Jacob zeigt, wie man mit einer Rolle auf einer Steinplatte Zwiebeln, Ingwer und Curryblätter ordentlich zermatscht. Dabei keimt die Erkenntnis, wie anders das Aroma von frischen Curryblättern ist im Vergleich zu den getrockneten, die in Deutschland leichter zu finden sind. Auch einer der Gründe, warum es sich lohnt, zum Essen zu verreisen – oder, bis man wieder reisen darf, den Umweg zum Asiamarkt für frische Curryblätter zu machen. Aber die Überraschungszutat für das Cari ist eine ganz andere, die in jedem deutschen Supermarkt steht: frischer Thymian. Auch alle anderen Zutaten sind leicht zu finden, wenn man Abstriche beim Aroma der Tomaten macht.

          Am Ende fällt die Entscheidung, welches Curry das beste ist, fast einstimmig auf das mauritische. Kein Kokos mildert hier den intensiven Geschmack ab, es ist auch nicht zu tomatig. Das Cari gewinnt. Und auch wenn es zu Hause nie so sagenhaft schmecken wird wie am Ort seiner Herkunft: Das Nachkochen lohnt sich doch.

          Auch Mauritius ist von Corona betroffen, der Sir Seewoosagur Ramgoolam International Airport (MRU) ist für den regulären Reiseverkehr geschlossen. Mehr unter auswaertiges-amt.de. Wann es wieder touristische Flüge (z. B. mit Lufthansa oder Condor) nach Mauritius geben wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

          Mehr zum Kochkurs im (voraussichtlich ab 1. Dezember wieder geöffneten) Anantara Iko Resort, Plaine Magnien: anantara.com/en/iko-mauritius

          Cari Poule Masala (Chicken Curry für 2 Personen)

          100 ml Sonnenblumenöl
          ¼ TL Kreuzkümmel
          1 Zimtstange
          3 gewürfelte Zwiebeln
          25 g pürierte rote Zwiebeln
          25 g pürierter Knoblauch
          25 g pürierter Ingwer
          ½ TL Kurkuma
          3 g Bockshornkleesamen
          4 Curryblätter
          2 g Senfsamen
          1 EL Currypulver
          1 gewürfelte Tomate
          25 ml Hühnerbrühe
          1 TL Thymian
          3 grüne Chilischoten
          1 EL gehackter Koriander
          425 g Hühnerschenkel, gehäutet
          10 g gehackter Schnittlauch
          Salz

          Öl in einer Pfanne erhitzen, Kreuzkümmel und Zimtstange hinzufügen. Anschließend Zwiebeln und je 15 Gramm vom pürierten Ingwer und Knoblauch darin glasig dünsten. Bockshornkleesamen, Senfsamen, Curryblätter und die Hälfte des Kurkumapulvers dazugeben und zehn Minuten nicht zu scharf anschwitzen; mit Currypulver weitere drei Minuten unter regelmäßigem Wenden. Tomaten hinzufügen, dann Hühnerbrühe und Salz. Zum Kochen bringen und Schwebstoffe abschöpfen. Thymian und Chili hinzufügen und 30 Minuten köcheln lassen. Hühnerschenkel in Stücke schneiden, mit dem übrigen Knoblauch, Ingwer und Kurkuma einreiben. Wenn die Sauce allmählich eindickt, die Hälfte des Korianders einrühren. Weitere zehn Minuten köcheln lassen, regelmäßig umrühren. Das Huhn in einer zweiten Pfanne scharf anbraten, bis es goldbraun ist. Mit Hühnerbrühe ablöschen, Sauce hinzufügen und aufkochen lassen. Auf niedriger Hitze 30 Minuten köcheln lassen. Vor dem Servieren den restlichen Koriander und den Schnittlauch einrühren.

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