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Coburg in Franken : Es geht um mehr als nur die Wurst

Über die nahezu unversehrt erhaltene Stadt wacht die Veste Coburg mit ihren spektakulären Kunstsammlungen. Bild: Kunstsammlungen der Veste Coburg

Die fränkische Stadt Coburg ist in der weiten Welt fast bekannter als in Deutschland. Das hat weniger mit ihren Fleischwaren als mit einem heiratsfreudigen Fürstenhaus zu tun.

          8 Min.

          Es ist der schönste Marktplatz Deutschlands, und das ist keine durch die legendären, auf diesem Platz verkauften Coburger Rostbratwürste manipulierte Aussage, sondern das Abstimmungsergebnis eines anerkannten Städteführers. Dieser Superlativ ist wenig verwunderlich, ist doch Coburg von den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs weitgehend verschont geblieben. An der Südseite des Marktplatzes prunkt das Stadthaus aus der Renaissance in Rot und Weiß, von Skulpturen übersät und von zwei mächtigen Erkern an den Ecken und vielen pseudorömischen Dreiecksgiebeln rhythmisiert. Es sind nicht irgendwelche Erker – in dieser Form, mehrgeschossig, mit tragender Säule unten und italienisierender „welscher Haube“ mit Schieferdeckung oben, gibt es sie nur hier, weshalb sie in der Architekturterminologie „Coburger Erker“ genannt werden. Man ist eben etwas Besonderes in Coburg.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          An der Ostseite des Marktplatzes trotzt die Hofapotheke seit sechshundert Jahren den Unbilden der Zeit. Und an seinem südlichen Ende steht, um das Rundpanorama der Architekturgeschichte zu komplettieren, ein Rathaus wie gemalt: Die vorgeblendete Rokokofassade in farbenfrohem Putz nimmt mit ihrem von einem Triangel abgeschlossenen Mittelrisaliten die Dreiecksgiebel des Stadthauses gegenüber spielerisch wieder auf. Daneben thront mit dem Spenglersbrunnen einer der vielen Kastenbrunnen der Stadt, die, eine Besonderheit in Coburg, wohlschmeckendes Trinkwasser führen. Das Marktgeschehen mit frischer Ware aus der Region und dem nie abreißenden Gemurmel über dem Platz verströmt das behagliche Idyll einer einstigen herzöglichen Residenzstadt. Wie in einer Schneekugel mit pittoreskem Innenleben ballt sich aber auf diesem überschaubaren Platz auch Weltgeschichte wie in nur wenigen anderen Städten – und zwar in die historische Tiefe wie in die geographische Breite: Coburg ist als Ortsmarke eine Weltmarke.

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