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Tierheime stoppen Vermittlung : „Tiere sind als Weihnachtsgeschenk absolut ungeeignet“

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Kein kleiner Hund unter dem Baum: Das Berliner Tierheim vermittelt in der Weihnachtszeit keine Tiere. Bild: dpa

Alle Jahre wieder landen Tiere unter dem Weihnachtsbaum – und danach auf der Straße. Warum ein Vermittlungsstopp über Weihnachten nötig ist und was man stattdessen schenken kann, erzählt Annette Rost vom Tierschutzverein Berlin.

          Wer kurz vor Weihnachten noch keine Geschenke besorgt hat, kann schon mal in Panik verfallen. Wer kennt diese spontanen, besonders einfallsreichen Geschenke nicht? Stricksocken und der obligatorische Gutschein lagen wohl bei jedem schon mal unterm Weihnachtsbaum. So weit, so unproblematisch. Die Socken zieht man dann ja doch immer ganz gerne an. Aber was, wenn das Spontangeschenk auf einmal anfängt zu bellen und jeden Tag eine Stunde Gassi geführt werden will – für die nächsten 15 Jahre? Immer wieder hört man von Tieren, die als Geschenk unterm Weihnachtsbaum landen und dann nach der ersten Heiligabend-Euphorie beiseite geschoben werden wie das fertig aufgebaute Lego-Modell.

          Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes werden einige Tiere bereits in den ersten Januarwochen zurückgegeben. Die größte Rückgabewelle folgt dann meistens zur Jahresmitte, wenn der erste Sommerurlaub mit Haustier ansteht oder die niedlichen Welpen plötzlich gewachsen sind. Viele Tierheime in Deutschland stoppen deswegen die Vermittlung von Tieren über die Weihnachtstage. Annette Rost vom Tierschutzverein Berlin berichtet, warum so ein Stopp nötig ist.

          Frau Rost, Sie sind Sprecherin des Tierschutzvereins für Berlin und Umgebung. Im Ihrem Berliner Tierheim stoppen Sie in der Weihnachtszeit die Vermittlung von Tieren, damit diese nicht unüberlegt unter dem Baum landen. Wie läuft das genau ab?

          Wir stellen dieses Jahr die Vermittlung vom 19. bis zum 27. Dezember ein. Der Hintergrund ist, dass wir damit verhindern wollen, dass Tiere als Überraschung oder spontane Geschenke unter dem Weihnachtsbaum landen. Wir finden, dass Tiere dafür absolut ungeeignet sind. Einen geschenkten Tennisschläger können die Kinder in die Ecke legen, wenn sie die Sportart plötzlich doch nicht mehr mögen – mit einem Tier ist die Situation ganz anders. Ein Tier zu haben, heißt langjährig Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen. Darüber muss man sich im Vorfeld einfach Gedanken machen.

          Seit wann gibt es denn den Vermittlungsstopp im Berliner Tierheim vor Weihnachten?

          Den gibt es schon seit mehreren Jahren. Das machen auch viele Tierschutzvereine und Tierheime in ganz Deutschland genauso, um den Impulsgeschenken in dieser Zeit vorzubeugen.

          War vor dem Stopp die Nachfrage vor Weihnachten denn höher?

          Vor einigen Jahren auf jeden Fall. Deshalb ist dieser Vermittlungsstopp auch eingerichtet worden. Wir haben dann gemerkt, dass plötzlich vor Weihnachten Leute hier standen, die sich vorher nie mit der Haltung eines Tieres und auch mit der Verantwortung, die man dann hat, auseinandergesetzt haben. Das ist einfach eine schlechte Lösung. So ein Tier hat man ja auch viele Jahre und es ist ein Familienmitglied. Es sollte dann auch die ganze Familie entscheiden, wenn es um die Frage geht: „Schaffen wir uns ein Haustier an oder nicht?“

          Und wenn eine Familie sich vor Weihnachten gut überlegt hat, ein Tier in die Familie zu holen?

          Wir in Berlin handhaben das so, dass unsere Tiervermittlungshäuser ganz normal geöffnet sind in der Zeit. Man kann uns zu unseren Öffnungszeiten besuchen, man kann mit den Pflegern ins Gespräch kommen und sich umfassend beraten lassen. Man kann sich natürlich auch die Tiere anschauen und dann einfach nach den Feiertagen vorbeikommen und ein Tier adoptieren. Für Weihnachten selber bieten wir Interessenten eine Art symbolischen Gutschein. Man kann zum Beispiel auch einfach Fachliteratur als symbolisches Geschenk unter den Baum legen und dann nach Weihnachten mit der ganzen Familie vorbei kommen. Dann kann man sich gemeinsam umschauen und sehen, ob das passende Tier dabei ist.

          Merken Sie denn allgemein nach Weihnachten, dass mehr Tiere abgegeben werden, die beim Händler oder Züchter gekauft wurden?

          Ja, wir haben leider einen Traditionstermin nach Weihnachten im Kalender, der heißt: „Ausgesetzte Tiere über die Weihnachtstage“. Das sind erschreckenderweise leider immer noch viel zu viele. Im vergangenen Jahr wurde zum Beispiel sogar am 24.12., an Heiligabend, bei eisiger Kälte in einem großen Park in Berlin ein Hund an einen Baum gebunden. Da sind leider der Phantasie der Menschen, auch über die Feiertage, keine Grenzen gesetzt.

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