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Tsunami in Indonesien : Kein Beben, ein Erdrutsch löste die Monsterwelle aus

  • -Aktualisiert am

Ausgebrochen: Schon im September fotografierte Alexander Gerst den Anak Krakatau aus dem Weltall. Bild: dpa

Man nimmt an, dass Tsunamis durch schwere Seebeben ausgelöst werden. Doch in Indonesien war es diesmal anders.

          Tsunamis, so wird gemeinhin angenommen, werden durch schwere Seebeben ausgelöst. Die meisten der zerstörerischen Meereswellen entstehen, wenn sich der Ozeanboden während eines Bebens in Sekundenschnelle um viele Meter hebt oder senkt. Der Tsunami vom Samstagabend war aber nicht auf ein Beben zurückzuführen. Vielmehr entstand die mehr als zwei Meter hohe Wasserwelle, die die Westküste der indonesischen Hauptinsel Java und die südlichen Gestade Sumatras heimsuchte, durch einen untermeerischen Erdrutsch. Nach einem Ausbruch des aktiven Vulkans Anak Krakatau rutschte ein Teil der in der Sundastraße gelegenen Vulkaninsel plötzlich ins Meer, wobei das Meerwasser gleichsam überschwappte.

          Derartige von submarinen Erdrutschen ausgelöste Tsunamis sind recht selten. Lediglich etwa ein Zehntel aller zerstörerischen Tsunamiwellen entstehen durch solche Rutschungen. Allerdings entstand der höchste je beobachtete Tsunami durch einen Erdrutsch. Als im Sommer 1958 der größte Teil eines Berghangs mit großer Wucht in die Lituya Bucht, einem breiten Fjord im Süden Alaskas rutschte, schwappte das verdrängte Wasser mehr als 500 Meter hoch die gegenüberliegenden Bergflanken empor. Weil die Bucht unbesiedelt war, kam niemand zu Schaden.

          Die meisten Tsunamis in Indonesien werden von Erdbeben ausgelöst, so zuletzt Ende September auf der Insel Sulawesi, als die küstennahen Teile der Stadt Palu von einer solchen Riesenwelle zerstört wurden. Im Dezember 2004 löste ein Beben vor der Westküste Sumatras den größten je im Indischen Ozean gemessenen Tsunami aus, in dem mehr als 225.000 Menschen in 14 Anrainerstaaten ums Leben kamen. Der jüngste Tsunami ruft aber Erinnerung an eine andere Monsterwelle wach, die im August 1883 ebenfalls in der Sundastraße entstand. Damals brach der ursprüngliche Vulkan Krakatau in einer gewaltigen Eruption aus. Diese Explosion war so stark, dass sie nahezu den gesamten kegelförmigen Vulkan zerriss und in einer riesigen Aschewolke verdampfen ließ. Diese Explosion löste einen großen Tsunami aus, in dem damals mindestens 36.000 Menschen entlang der Küsten Javas und Sumatras ums Leben kamen.

          Nach diesem epochalen Ausbruch blieben die Reste des Krakatau-Vulkans mehr als 40 Jahre ruhig, bis 1927 eine neue Vulkaninsel inmitten des ehemaligen Vulkankraters in der Sundastraße auftauchte. Die Indonesier tauften das neue Eiland „Anak Krakatau“ – das „Kind des Krakatau“. In den vergangenen neun Jahrzehnten spie der neue Vulkan immer wieder große Mengen Lava und Asche aus, so auch in den vergangenen Wochen. Offenbar machte diese große vulkanische Gesteinsmenge die Insel aber derart instabil, dass ein Teil von ihr nun ins Rutschen geriet.

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