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Herzblatt-Geschichten : Einschlafen mit Claus Kleber

Zoff vorm Fest? Victoria und David Beckham. Bild: Matrix Media Group/face to face

Diese Woche in den Klatschblättern: Filmlegende Ava Gardner wird beinah mit einem Elefanten verwechselt, Til Schweiger würde im Ernstfall als erster zuschlagen und bei Victoria und David Beckham scheint sich eine Krise anzubahnen.

          Es kann natürlich nicht jeder so umfassend gebildete, verehrungswürdig kluge Leser haben wie wir mit dieser Kolumne. Und angesichts der immergleichen Berichte der Herzblätter über royale Babys oder Scheidungen, die dann doch nie kommen, ist der Verdacht nicht ganz abwegig, dass deren Stammleserschaft in Teilen eine Neigung zu einer gewissen geistigen Bequemlichkeit hat.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für wie dumm aber die Macher dieser Hefte ihre Leser wirklich halten, das demonstriert diese Woche Das goldene Blatt mit einer Geschichte über die Filmlegende Ava Gardner. Genauer, mit der Beschreibung eines Fotos: „Großer Durchbruch: als Tänzerin Ellinor (l.) in ,Mogambo‘ erhielt Ava Gardner eine Oscar–Nominierung als beste Hauptdarstellerin.“ Und noch genauer, wegen des Hinweises, dass Gardner im Bild links zu sehen ist – wozu man wissen sollte, wer rechts steht: ein Elefant. Unsere Leser hätten Ava Gardner auch ohne Hinweis sofort erkannt, die des Goldenen Blatts hingegen wären womöglich schwer ins Grübeln gekommen: Welche der beiden ist denn nun die Gardner? Wenn es die rechte ist, dann hat sie gar nicht die Statur einer Tänzerin. Aber gerade dann, Respekt für die Oscar-Nominierung! Das schafft nicht jeder Elefant.

          Die falsche Statur hat, wenn es nach der Klatschpresse geht, auch der Vater von Prinz Harrys Herzdame Meghan Markle, der in Mexiko lebt. Und nicht nur das: „Sein Teint wirkt kränklich, und die Finger sind dunkelgelb von Nikotin“, mäkelt Bunte. Fazit: „Sein ganzes Leben bräuchte eine Generalüberholung, um es vorzeigbar zu machen.“ An dieser Stelle zwei Sätze an unsere Töchter: Wir würden es euch ja gönnen, eines Tages Prinzessin zu werden. Wenn das aber bedeutet, dass dann in der Weltpresse über den zurückgehenden Haar- und den wachsenden Bauchansatz des Brautvaters debattiert wird, dann vergesst die Sache lieber.

          Ein sicher viel coolerer Vater als wir ist Til Schweiger, der In versichert: „Man muss freundlich zu den Menschen sein.“ Es gibt freilich auch Ausnahmesituationen: „Ich habe zu meinen Kids gesagt, wenn euch jemand in die Fresse schlagen will, dann dürft ihr auch zuerst zuhauen.“ Das Problem ist nur: Wie findet man heraus, dass der andere echt zuhauen möchte? Fragt man ihn da vorher: Sag mal, willst du mir gleich in die Fresse schlagen? Reicht die mündliche Antwort aus, um hinterher vor Gericht auf Notwehr plädieren zu können, oder sollte man sich das schriftlich geben lassen? Dann könnte es, wenn man als Erster schlagen möchte, freilich schon zu spät sein.

          Einen längeren Schlagabtausch liefert sich Günther Jauch mit Neue Post. In einem Artikel vom 02.12.2015 hatte diese behauptet, ein Taxifahrer habe geklagt, von Jauch nur 20 Cent Trinkgeld bekommen zu haben, worauf das Blatt am 07.09.2016 eine Gegendarstellung veröffentlichen musste – die es mit dem Nachsatz versah, es müsse sie „unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt“ drucken. In ihrer aktuellen Ausgabe räumt Neue Post nun in einer „Richtigstellung“ ein: „Diesen angeblich von dem Taxifahrer berichteten Vorfall hat es nicht gegeben.“ Wir sind gespannt, ob irgendwann durch eine weitere Richtigstellung herauskommt, dass es auch den Taxifahrer selbst nicht gab.

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          Hoffentlich stets genug Trinkgeld gibt Schauspielerin Elena Uhlig, die mit Bunte über ihre Ängste spricht, unter anderem darüber, dass sie nach Anbruch der Dunkelheit ihr Haus nie zu Fuß verlässt: „Dafür gibt es doch Taxis. Ich setze mich dem nicht aus.“ Auch in Hotels geht Uhlig auf Nummer Sicher, checkt alle Notausgänge, Fahr-stühle und Essensschächte. Am wichtigsten jedoch ist ihr in Hotels etwas anderes, nämlich ein Fernseher nahe dem Bett: „Denn ich muss mit Claus Kleber (,heute-journal‘-Moderator, die Red.) einschlafen. Ich brauche das Gefühl, der ist bei mir, der Claus. Dann geht’s mir besser.“ Selbst dann, wenn der Claus mal wieder Hiobsbotschaften verliest? Und was sagt Uhligs Lebenspartner Fritz Karl dazu, führen sie quasi eine Dreierbeziehung? Und hat Uhlig in den Wochen, in denen nicht Kleber, sondern Marietta Slomka oder Christian Sievers die Sendung moderieren, dann schlaflose Nächte?

          Aus der Tatsache, dass „der Parade-Charmeur“ Christian Wulff bei einer Veranstaltung der Deutschlandstiftung Integration auf „die bezaubernde Familienministerin Dr. Katharina Barley“ traf, spinnt Die Aktuelle unter dem Stichwort „Gelegenheit“ ihr Wintermärchen „Flirt-Alarm beim Ex-Präsidenten“, Auszug: „Wie er guckt! Wulff und die Ministerin mit den Wahnsinns-Beinen“. Wie aber reagiert Bettina Wulff, wenn ihr Gatte und die SPD-Frau angeblich eine ganz kleine GroKo bilden? „Halt im Glauben“, schreibt Die Aktuelle: „Bettina Wulff macht als Reformations-Botschafterin Schlagzeilen“. Manchmal kann eben nicht mal Claus Kleber, sondern nur Martin Luther helfen.

          Einem anderen Paar dichtet In eine Krise an: „Victoria & David Beckham – Ehe-Zoff wegen ihrer besten Freundin“. Die Vorwürfe sind erschütternd: „David likte zuletzt nahezu jedes Instagram-Foto von Eva Longoria, der besten Freundin seiner Frau. Einen Schnappschuss, der Eva und Victoria gemeinsam bei einem Event zeigt, ließ der Familienvater hingegen unberücksichtigt!“ Welch ein Drama. Hoffen wir, dass rechtzeitig zum Weihnachtsfest die Beckhams wieder versöhnt sind und sich vorm Tannenbaum die schönste Liebeserklärung machen, die sich heute denken lässt: „Schatz, ich like dich.“ – „Ich like dich auch.“

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