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Vorwürfe gegen Spacey : „Die Aufnahme zeigt, wie eine Hand ein Hemd berührt“

  • -Aktualisiert am

Bild: Reuters

Bei seinem ersten Auftritt vor Gericht wirkte Kevin Spacey gelassen. Von dem angeblichen Beweisvideo, das ihn belasten soll, blieb wohl schon bei einem Treffen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft im Dezember wenig übrig.

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          Der Fall Kevin Spacey schien sich gerade beruhigt zu haben. Der Staatsanwalt in Los Angeles hatte vor einigen Monaten verkündet, nach Belästigungsvorwürfen eines Schauspielers auf eine Anklage gegen den zweifachen Oscar-Preisträger zu verzichten. Robin Wright, bis zu Spaceys Rauswurf aus der Politserie „House of Cards“ sein Ko-Star, bereitete bereits eine vorsichtige Imagekampagne vor. „Jeder hat eine zweite Chance verdient“, forderte die Golden-Globe-Gewinnerin. Spacey hielt sich derweil im Haus seines Managers Evan Lowenstein in Baltimore versteckt.

          In den vergangenen Tagen ging es dann ganz schnell. Nach der Strafanzeige eines Studenten berichtete der „Boston Globe“ von einem geheimen Treffen zwischen Spaceys Verteidigung und den Justizbehörden in Massachusetts. William Littles Anschuldigungen, so Spaceys Anwälte, wiesen Ungereimtheiten auf. Der Sohn der Fernsehjournalistin Heather Unruh hatte angegeben, bei einer zufälligen Begegnung in einem Restaurant auf der Nobelinsel Nantucket im Sommer 2016 von Spacey sexuell belästigt worden zu sein. Der Schauspieler soll mit dem damals 18 Jahre alten Aushilfskellner getrunken haben, bevor er ihm die Hand in die Hose schob. Wie ein Polizeibeamter später in das Protokoll schrieb, filmte das mutmaßliche Opfer den drei Minuten langen Übergriff mit dem Smartphone.

          Bei dem Treffen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft am 20. Dezember soll von dem angeblichen Beweisvideo wenig übriggeblieben sein. „Die Aufnahme zeigt, wie eine Hand ein Hemd berührt. Stimmt das?“, fragte Spaceys Anwalt Alan Jackson in einem Mitschnitt der Anhörung, der dem „Boston Globe“ vorliegt. „Ja, man sieht keine Körperteile“, bestätigte der Polizeibeamte Gerald Donovan. „Drei Minuten mit der Hand eines Fremden in der Hose ist eine lange Zeit“, stellte Spaceys Verteidiger fast ironisch fest.

          Er schien fast unbeteiligt

          Bei seinem ersten Auftritt vor Gericht wirkte Jacksons prominenter Mandant entsprechend gelassen. Als Spacey am Montag in dunklem Anzug und Blümchenhemd im Saal der Nantucket Town Hall Platz nahm, schien er fast unbeteiligt. Schon vor dem Termin hatte sich der Schauspieler zu der Anklage über einen unsittlichen Angriff auf Little für unschuldig erklärt. Nach knapp zehn Minuten durfte Spacey den Gerichtssaal wieder verlassen, um mit einem Privatjet von der Insel nach Baltimore zurückzukehren. Der Vorsitzende Richter Thomas Barrett hatte ihm zuvor aufgetragen, sich von dem mutmaßlichen Opfer und dessen Familie fern zu halten. Zudem entschied das Gericht, die Daten auf dem Smartphone des Studenten aus der Nacht des 8. Juli 2016 zu speichern. Die Verteidigung hatte eine Sicherheitskopie beantragt, um „entlastendes Material“ zu sichern. Bei einem Schuldspruch drohen dem Oscar-Preisträger bis zu fünf Jahre Haft.

          Spacey war im Herbst 2017 von Missbrauchsvorwürfen eingeholt worden. Nach den Anschuldigungen gegen den Produzenten Harvey Weinstein, die in Hollywood die #MeToo-Debatte befeuerten, warf der Schauspieler Anthony Rapp („Rent“) dem Oscar-Preisträger vor, ihn vor mehr als 30 Jahren als Vierzehnjährigen sexuell bedrängt zu haben. In den folgenden Monaten gingen einige Dutzend Nachwuchsschauspieler mit ähnlichen Vorwürfen an die Öffentlichkeit. Spaceys Part als Präsident Frank Underwood wurde aus den Drehbüchern der Serie „House of Cards“ gestrichen.

          Während amerikanische und britische Justizbehörden Ermittlungen aufnahmen, ließ sich der Neunundfünfzigjährige damals in einer Entzugsklinik in Arizona behandeln. Vor zwei Wochen meldete Spacey sich überraschend mit einem Internetvideo zurück. Unter dem Titel „Let Me Be Frank“, eine Anspielung auf seine „House of Cards“-Rolle als skrupelloser Politiker Frank Underwood, stellte er die Missbrauchsvorwürfe in Frage. „Ohne Beweise würdet ihr das Schlimmste nicht annehmen, oder? Und ohne Fakten würdet ihr euch bestimmt nicht zu einem Urteil hinreißen lassen“, forderte Spacey die Fans auf.

          Das Gericht auf Nantucket verhandelt am 4. März weiter. Auf prominenten Besuch müssen die Bewohner der Insel vor der Küste von Massachusetts dann aber verzichten. Wie Richter Barrett am Montag entschied, darf Spacey den Termin von zuhause aus verfolgen – wenn auch in der Nähe des Telefons.  

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