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Spott über Ivanka Trump : Who’s that girl?

  • -Aktualisiert am

In der ersten Reihe: Ivanka Trump in Osaka im Kreis der Mächtigen Bild: AFP

Die französische Regierung hat ein Video veröffentlicht, das Ivanka Trump aussehen lässt wie ein überfordertes Schulmädchen. Der Spott reißt auch Tage später nicht ab – entschuldigen will sich Paris aber nicht.

          Nein, böser Wille war es angeblich nicht, das Video zu veröffentlichen, das Amerikas First Daughter aussehen lässt wie ein überfordertes Schulmädchen. Die französische Regierung hatte den 19 Sekunden langen Mitschnitt am vergangenen Wochenende als Teil der Berichterstattung über den G-20-Gipfel in Osaka veröffentlicht. Neben Präsident Emmanuel Macron im Gespräch mit der britischen Premierministerin Theresa May, ihrem kanadischen Kollegen Justin Trudeau und Christine Lagarde, der Chefin des Internationalen Währungsfonds, zeigte es auch Ivanka Trump – hilflos bemüht, der Konversation zu folgen. Soziale Gerechtigkeit? „Das Wichtigste“, warf Trump ein.

          Auch zu Mays Statement, den Wählern das Thema durch wirtschaftliche Überlegungen näher zu bringen, fiel der Siebenunddreißigjährigen im rosafarbenen Sommerkleidchen eher wenig ein. „Dasselbe gilt für Verteidigung, glaube ich, bezüglich der ganzen Art von …“, stammelte Trump, bevor sie unerwartet einen Einwurf über männliche Dominanz hinterherschickte. Lagarde gab sich alle Mühe, die gestikulierende Beraterin des Präsidenten der Vereinigten Staaten neben sich zu ignorieren. Macron und Trudeau wandten sich derweil May zu.

          Seit Trumps peinlichem Auftritt in Osaka laufen die sozialen Medien heiß. Immer mehr Nutzer sprechen der First Daughter Recht und Fähigkeit ab, ihren Vater Donald Trump bei internationalen Treffen zu vertreten. Vor zwei Jahren hatte das frühere Model während des G-20-Gipfels in Hamburg anstelle des Präsidenten schon an einer Diskussionsrunde über das Gesundheitswesen in Afrika teilgenommen. Tausende Amerikaner wie Darcy Purkhiser fürchten spätestens seit Osaka um das Ansehen der Vereinigten Staaten und üben sich im Fremdschämen. „An jedem einzelnen verdammten Tag lassen mich die Trumps zusammenzucken. Es ist genug“, wetterte Purkhiser auf Twitter stellvertretend für viele ihrer Landsleute.

          Nutzer mit Sinn für Humor versuchen sich inzwischen an Fotomontagen. Unter dem Hashtag #UninvitedIvanka (die nicht eingeladene Ivanka) basteln sie die 1981 geborene Blondine in Aufnahmen von Ereignissen aus Geschichte und Popkultur. Trump sitzt bei dem Treffen der „Big Three“ 1945 plötzlich neben Stalin, Churchill und Roosevelt, fährt 1994 mit O. J. Simpson in einem weißen Bronco durch Los Angeles und hilft 1776, die Unabhängigkeitserklärung zu unterzeichnen. „Es ist traurig, aber nicht schockierend, dass Widersacher Ivanka Trump, eine Beraterin des Präsidenten, angreifen, wenn sie sich durch strategische Partnerschaften mit Weltführern für die Stärkung von Frauen einsetzt“, monierte das Weiße Haus.

          Wie vor Präsidentschaftswahlen üblich, holte auch der politische Gegner aus. Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, kurz AOC, nahm das Video aus Japan zum Anlass, ihre Fehde mit Trump fortzusetzen. „Es mag einige überraschen, aber die Tochter von jemandem zu sein, ist noch keine Qualifikation“, twitterte die New Yorkerin gewohnt vollmundig. Als inoffizielle Diplomatin hatte Ivanka Trump während des Gipfels in Osaka an allen Treffen ihres Vaters teilgenommen, unter anderen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin, bevor sie Trump zu seinem „surrealen“ Schritt auf nordkoreanischen Boden begleitete.

          Dass die Veröffentlichung des 19-Sekunden-Videos einer orientierungslosen First Daughter eine Spottwelle auslöst, will die französische Regierung nicht geahnt haben. Wie ein Sprecher der amerikanischen Website Politico sagte, sei der Élysée Palast auch nicht verantwortlich für die Reaktionen auf den Mitschnitt.  Zu einer Entschuldigung gen Washington mochte Paris sich nicht durchringen.

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