https://www.faz.net/-gum-8p5ya

Chefin der Vatikanischen Museen : Revolution im Vatikan

Arbeitet seit 20 Jahren im Vatikan: Barbara Jatta hat die Leitung der Vatikanischen Museen übernommen. Bild: dpa

In der Kunstwelt sind Frauen in Führungspositionen noch immer selten. Ausgerechnet der Vatikan revolutioniert das und übergibt die Leitung der Vatikanischen Museen einer Frau.

          2 Min.

          Barbara Jatta macht den Anfang. Kurz vor Weihnachten hat Papst Franziskus in einer Ansprache an die Mitglieder der Römischen Kurie noch einmal betont, er wolle Frauen mehr Verantwortung in der Verwaltung des Vatikans übertragen. Zum Beginn des neuen Jahres nun wird Jatta für die Sixtinische Kapelle, Michelangelos Deckenfresken sowie eine Schatzkammer mit 70.000 Objekten und rund 800 Mitarbeitern verantwortlich sein: Sie übernimmt die Leitung der Vatikanischen Museen. Es ist der höchste Posten im Vatikan, den man als Nichtkleriker einnehmen kann. Seit der Gründung der Sammlungen 1506 ist sie die erste Frau in dieser Position. Ihr Vorgänger ist der ehemalige italienische Kulturminister Antonio Paolucci.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die Berufung Jattas ist nicht nur für die prestigeträchtigen päpstlichen Sammlungen ein Meilenstein im Zeichen von Modernisierung und Gleichberechtigung. Schaut man auf die Leitung des Louvre in Paris, des Metropolitan Museums in New York oder des British Museums in London, so sieht man, wie ungewöhnlich die Entscheidung des Vatikans international noch anmutet. Die größten und wichtigsten Museen weltweit wurden und werden noch immer ausschließlich von Männern geleitet. Jatta selbst sagte mit Blick auf den Vatikan, ihre Berufung in diesem Umfeld sei zweifellos eine Revolution. "Ich hoffe aber, ich werde mehr nach dem beurteilt, was ich beruflich bin", sagte sie im Dezember in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur.

          Kunstleidenschaft in die Wiege gelegt

          Jatta hat sich ihre Berufung hart erarbeitet. Seit 20 Jahren ist die 54 Jahre alte Kunsthistorikerin bereits im Vatikan angestellt. Die Leidenschaft für Kunst scheint ihr in die Wiege gelegt: Ihre Mutter und Schwester sind Restaurateurinnen, ihre Großmutter war Malerin und ihr Großvater Kunsthistoriker und Architekt. "Ich bin in den Geruch von Lösungsmitteln hineingeboren wurden", scherzte sie in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera".

          In ihrem Studium entschied sich die gebürtige Römerin zunächst für Literatur und machte ihren Abschluss in diesem Fach im Jahr 1986 an der Universität „La Sapienza“ in ihrer Heimatstadt. Dem ließ sie ein Diplom in Archivwissenschaften an der Vatikanischen Schule für Paläographie, Diplomatik und Archivkunde folgen. Sie machte ihren Doktor in Kunstgeschichte, einem Fach, in dem sie sich insbesondere auf Grafiken spezialisierte. Seit 1994 unterrichtete sie das Fach an der Universität in Neapel. Zwei Jahre später begann sie in der Apostolischen Bibliothek des Vatikans zu arbeiten, wo sie für das Kabinett der Drucke zuständig war. Im Jahr 2010 ernannte Papst Benedikt XVI. sie zur Kuratorin in der Abteilung der Drucke. Zuletzt verantwortete sie die vielgelobte Ausstellung „Roma Aeterna“, die derzeit in der Tretjakow-Galerie in Moskau gastiert.

          In den vergangenen sechs Monaten ist sie als Stellvertreterin ihres Vorgängers eingearbeitet worden. So konnte sie sich bereits an ihre zukünftige Aufgabe herantasten: Im kommenden Jahr soll unter ihrer Direktorenschaft eine Ausstellung über Marienbilder in Lissabon den Papstbesuch im Wallfahrtsort Fatima begleiten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Afghanistan : Eine Stadt in Angst

          Die Taliban stehen vor Kabul. Viele Einwohner der afghanischen Hauptstadt sind verzweifelt und fragen sich, ob sie fliehen sollen. Ein paar junge Frauen wollen kämpfen.

          Basketball-Star Luka Dončić : Schaut diesem Jungen zu!

          Luka! Die besten Basketballspieler werden beim Vornamen genannt. Der Slowene Dončić will in Tokio den Entertainern der USA die Show stehlen. Denn vielleicht ist seine erste Chance schon die letzte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.