https://www.faz.net/-gum-ackse

Gewalttat in Wohnheim : Tatverdächtige von Potsdam fordert hohe Abfindung

  • Aktualisiert am

Blumen, Kerzen und Plakate liegen vor dem Babelsberger Oberlinhaus, in dem vier Bewohner getötet wurden. Bild: dpa

Nach der schockierenden Tötung von vier schwerst behinderten Menschen wird zunächst vor einem Potsdamer Arbeitsgericht verhandelt. Dort wehrt sich die Pflegekraft gegen die Kündigung durch den Arbeitgeber.

          1 Min.

          Nach der tödlichen Gewalttat in einem Potsdamer Wohnheim für Menschen mit Behinderungen verlangt die tatverdächtige Pflegekraft eine hohe Abfindung nach ihrer Kündigung. Er habe der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus eine Lohnfortzahlung bis Ende des Jahres und eine Abfindung in Höhe von 81.600 Euro vorgeschlagen, sagte der Anwalt der 52-Jährigen am Donnerstag bei der Güteverhandlung vor dem Potsdamer Arbeitsgericht.

          Dort hatte der Anwalt für seine Mandantin, die nach der Tat mit vier Toten Ende April festgenommen und in einer Psychiatrie untergebracht worden war, eine Kündigungsschutzklage erhoben. Nach Angaben der Richterin hatte das Oberlinhaus der Pflegekraft Anfang Mai zunächst aus personen- und verhaltensbedingten Gründen gekündigt und dann noch eine Verdachtskündigung ausgesprochen.

          Der Anwalt des Oberlinhauses erklärte, die Forderung nach Abfindung sei auch mit Blick auf die Hinterbliebenen der Toten unannehmbar. Aus Sicht der Pflege-Einrichtung sei nur die sofortige Kündigung möglich. „Dass die Klägerin an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt und Hilfsbedürftige pflegt, ist doch nicht vorstellbar.“

          Der Anwalt der Pflegekraft erklärte, aus seiner Sicht sei das Oberlinhaus schadenersatzpflichtig. Es habe zugelassen, dass in Früh- und Spätschichten nur zwei Pflegekräfte bis zu 20 Menschen mit schwersten Behinderungen betreuen müssten. Der Arbeitgeber habe nicht auf die Anzeichen von Überlastung bei der 52-Jährigen reagiert, die 32 Jahre in dem Haus beschäftigt gewesen sei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hessens Innenminister Peter Beuth und SEK-Beamte im Jahr 2017

          Polizeiskandal in Hessen : Muckibude von Rechtsextremen

          Der Skandal um rechtsextreme Chats bei der Polizei wird immer größer. Im Zentrum steht ausgerechnet das SEK. Wer dessen Räume betrat, sollte staunen. Ein Fall von übersteigertem Elitebewusstsein?
          Rechtfertigt sich in einem Interviewbuch: der 91 Jahre alte frühere katalanische Regierungschef Jordi Pujol

          Katalanischer Politiker Pujol : Bereichert wie die amerikanische Mafia

          Jahrelang soll sein Sohn Taschen voller 500-Euro-Scheine nach Andorra gebracht haben. Jetzt kommen der frühere katalanische Regionalpräsident Jordi Pujol und seine Familie wegen Korruptionsverdachts vor Gericht.

          UEFA-Präsident : Čeferin ist ein Hai unter Haien

          Die EM, bei der die UEFA mindestens fragwürdige Entscheidungen trifft, zeigt, welche Allianzen ihr Präsident schmiedet, um im Spiel zu bleiben. Aleksander Čeferin ist ein wehrhafter Geschäftsmann.

          Cyberkrieg : Die digitale Atombombe entschärfen

          Als die Präsidenten Biden und Putin sich gerade trafen, ging es auch darum, Krieg im Internet zu verhindern. Daran muss selbst China liegen. Was tut die EU? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.