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Rentnerpaar in Spanien : Nur mit Nachbarhund durften sie in Spanien kurz raus

  • -Aktualisiert am

Ein Rentnerpaar aus dem Rheingau verbringt viele Monate im geliebten Spanien und hat dort die Pandemie erlebt. Mit den Einheimischen muss man warmwerden.

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          Erst waren es drei Wochen Urlaub, mittlerweile leben wir jedes Jahr sieben Monate dort.“ So ergeht es vielen, denn rund 140 000 Deutsche sind nach Spanien ausgewandert und verbringen jetzt ihr Leben dort. Darunter auch das Ehepaar Ilse und Peter Lill aus Oestrich-Winkel im Rheingau. Anfangs war das Reisen ein bisschen schwierig aufgrund des beruflichen Alltags. Die zwei waren nicht bereit, ihre Berufe als Maurer und Friseurin in Deutschland aufzugeben, um sich in Spanien etwas Neues zu suchen, und somit blieb es die ganzen Jahre bei einem einfachen Urlaub. Vor 37 Jahren wurde das Paar an der Costa Brava durch Immobilien-Aushänge eines Maklers auf eine Wohnung aufmerksam. „Es war alles sehr spontan, am selben Tag hatten wir schon den Vorvertrag.“

          Sie sind rund 70-mal geflogen

          Wenn die Lills am Flughafen sind, haben sie gar keine Angst mehr. Im Gegenteil, sie freuen sich auf die Monate von November bis Mai in Spanien. „Jedoch hoffe ich natürlich, dass es keine Turbulenzen gibt und wir sicher landen. Den ganzen Flug über lese ich meistens, um mich abzulenken,“ sagt Ilse Lill. „Wir sind rund 70-mal geflogen und immer mit unterschiedlichen Flugzeugen und Fluggesellschaften. In den Flieger zu steigen ist daher schon fast alltäglich für uns“, erklärt Peter Lill. Denn in der Vergangenheit reisten die 82-Jährige und der 88-Jährige viel durch die Welt und lebten sogar schon vier Monate in der Dominikanischen Republik. Ihre Spanischsprachkenntnisse sind deshalb gut. Nicht umsonst hat Ilse Lill zudem fünf Jahre lang in Deutschland mit einer spanischen Freundin die Sprache erlernt. Finanziert haben sie sich alles durch lange Ersparnisse und die Rente. Die Gegend rund um die Costa Brava haben sie am Anfang mit dem Auto selbst erkundet. Bei Fragen haben die Nachbarn geholfen und oftmals noch einen guten Tipp für Besichtigungen gegeben. Die Städte Barcelona und Girona liegen in der Nähe und können schnell erreicht werden. Die ganzen hübschen Märkte, wo Kleidung, Lebensmittel und Souvenirs verkauft werden, sind ebenfalls einen Besuch wert. „Mit der Zeit haben wir uns mit Leuten aus der Schweiz angefreundet, die auch dort wohnten.“ Von da an haben die vier viel gemeinsam unternommen. „Die Spanier sind sehr temperamentvoll, aber anfangs ein wenig zurückhaltend. Man muss mit ihnen warmwerden, dann stehen sie Tag und Nacht hinter dir“, schwärmt Ilse Lill. Aus Gesprächen und Verabredungen zum Kaffeetrinken ergeben sich schließlich wahre Freundschaften, bei denen man ins Herz der Spanier geschlossen werde. „Wenn wir den Sommer über in Deutschland sind, halten wir natürlich telefonisch und über Whats-App den Kontakt. Wir tauschen gegenseitig viele Bilder und Informationen aus.“

          Heftiger Schneefall und tagelang kein Strom

          Über die Wintermonate sind es durchschnittlich zwölf Grad. In dieser Gegend schneit es nicht so oft. „Wenn wir viel Schnee sehen wollen, fahren wir in die Pyrenäen, ein Gebirge“, erzählt Ilse Lill lächelnd mit strahlenden Augen, „dort ist es dann ungefähr wie in Deutschland.“ Trotzdem sehen beide braungebrannt aus und haben die Wärme ein ganzes Jahr um sich herum. Das Ehepaar berichtet über zwei Vorfälle in Spanien, die alles andere als schön und angenehm waren. Zum einen gab es einmal einen heftigen Schneefall, der in kürzester Zeit alle Straßen bedeckte. „Mit den Autos fuhr man ins Ungewisse, weil man nichts sehen konnte.“

          Die Infrastruktur in Spanien ist nicht so gut wie in Deutschland, und so gab es durch starke Windböen tagelang keinen Strom. Durch die schlechtere Wasserversorgung wurde der Schnee als Toilettenspülung verwendet. Zum anderen die Ausgangssperre im Frühjahr 2020 aufgrund des Coronavirus, dessen Ausmaß sich die beiden nicht bewusst waren. Aus zwei Wochen wurden acht Wochen Ausgangssperre, es gab nur einen Supermarkt, eine Apotheke, und die Klinik durfte nur für schwerste Notfälle aufgesucht werden. Die Polizei fuhr mehrmals am Tag die Straßen entlang und kontrollierte streng. „Wir durften nicht an die frische Luft gehen. Unsere Nachbarn liehen uns deren Hund aus, damit wir immerhin 500 Meter am Tag gehen konnten.“ Mit Freudentränen in den Augen und einem breiten Grinsen erzählt Ilse Lill, wie toll der Zusammenhalt während dieser schweren Zeit war. „Man hat sich wohl und trotz allem sicher gefühlt, weil sich alle gegenseitig geholfen und versorgt haben.“

          So werden Erinnerungen geschaffen

          Nach vielen gestrichenen Flügen ging es für die beiden dann endlich zurück nach Deutschland unter strengen Bedingungen. „Bei solchen Fällen wünscht man sich natürlich, lieber in Deutschland zu sein“, sagt Peter Lill schmunzelnd. Ilse und Peter Lill können so eine Lebensweise anderen Menschen auf jeden Fall weiterempfehlen, da auf diese Weise im Rentenalter auch noch viele schöne Erinnerungen geschaffen werden könnten. Jedoch sollte man nie alles in Deutschland aufgeben, außer es ziehe einen beruflich nach Spanien, finden sie. „Es war das Beste, was wir hätten machen können. Die ganze Familie unterstützt und steht hinter uns. Spanien ist ein wunderschönes Land, wo man immer wieder etwas Schönes und Neues entdeckt, dass man noch nicht gesehen hat.“

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