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Initiative #OutInChurch : Jede und jeder ein Geschenk der Schöpfung

Gläubige Menschen zeigen gemeinsam Gesicht. Bild: rbb/EyeOpeningMedia

Schwule, Lesben und Transpersonen in der katholischen Kirche begehren auf: In der Dokumentation „Wie Gott uns schuf“ im Ersten melden sich mehr als hundert Menschen mit der Aktion #OutInChurch zu Wort. Sie haben ein Anliegen.

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          „Es sind Menschen wie du und ich. Und es sind viele.“ Sie stehen im Dienst der katholischen Kirche. Ihre Lebensweise aber weist diese Kirche zurück. Die Menschen, um die es geht, sind schwul, lesbisch oder Transpersonen. Sie wollen Teil der Kirche bleiben – wie Gott sie schuf.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dies sei „das größte Coming-out der Geschichte“, heißt es in der Dokumentation von Hajo Seppelt, Katharina Kühn, Marc Rosenthal und Peter Wozny, die das Erste heute Abend zeigt. Seit zehn Jahren beschäftigt sich Hajo Seppelt mit dem Thema. Mehr als hundert Menschen wagen nun den Schritt in die Öffentlichkeit. Sie berichten von Selbstzweifeln, lebenslangem Versteckspiel, Zurückweisung und Ausgrenzung, aber auch von Anteilnahme und Unterstützung. Es sind Priester, Ordensgeistliche, Gemeindereferentinnen, Bistumsmitarbeiter, Religionslehrer, Kindergärtnerinnen und Sozialarbeiter – Menschen, die Kirche ausmachen, die in der Seelsorge, Bildung und Pflege arbeiten oder, wie es im Film heißt, „unsere Gesellschaft am Laufen halten“.

          Sie riskieren viel

          Mit ihrem Selbstbekenntnis riskieren sie viel. Sie riskieren, aus dem Dienst ausgeschlossen zu werden und ihrer Berufung nicht mehr nachgehen zu können. Im Umgang mit ihnen zeigt sich die offizielle katholische Kirche, die angesichts des Missbrauchsskandals zurzeit vor dem moralischen Bankrott steht, mitunter gnadenlos, wie das Beispiel einer Dekanatsreferentin zeigt. Sie ging mit einer Frau eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein. Zwei Wochen vor der Geburt ihres zweiten Kindes wurde sie vom Bistum vorgeladen und vor die Wahl gestellt, ihre private Bindung zu lösen oder ihren Job zu verlieren. Sie unterschrieb einen Auflösungsvertrag. Das Erzbistum Paderborn, von den Filmemachern um Stellungnahme gebeten, wollte sich nicht äußern.

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          Der Jesuitenpater Ralf Klein, Superior der Kommunität in St. Blasien, schildert, was es bedeutet, nicht heterosexuell und katholischer Priester zu sein. Von einem Mitbruder wurde er nach Rom gemeldet. Da ging es um „Vernichtung“, wie Pater Klein sagt. Doch wegen solcher Menschen werfe er sein Leben nicht weg. „Ich will weiter dazugehören, ich lasse mich nicht rausdrängen.“ Als er sich bei einer Gemeindeversammlung vor Hunderten offenbarte, hielt er den Atem an. Und dann kamen – ein Riesenapplaus, Zuspruch von Gläubigen, Umarmungen.

          Pater Klein lebt im Zölibat. Er hat keine sexuellen Beziehungen. Insofern dürfte seine Orientierung nicht einmal in den Augen derjenigen eine Rolle spielen, die sich an den wenigen Bibelstellen festhalten, in denen der nicht heterosexuelle Geschlechtsakt verurteilt wird. Von Liebe und Partnerschaft und der von Gott geschaffenen Natur des Menschen ist da nicht die Rede. Das legte sich die kirchliche Sittenlehre als vermeintliche Botschaft Jesu erst später zurecht. Im Sündenregister finden sich nicht nur Homosexualität, sondern auch außerehelicher Sex, Empfängnisverhütung und Masturbation.

          In Wahrheit gilt im katholischen Alltag in puncto Sexualität die Losung „Don’t ask, don’t tell“. Die Fassade muss stimmen, was dahinter geschieht, wird beschwiegen oder ausgeblendet, wie man gerade am Umgang des Klerus mit Sexualverbrechern in ihren eigenen Reihen, die sich an Kindern vergehen, gewärtigt. Dass das mit Homosexualität nichts zu tun hat und Schwulsein kein Verbrechen ist, brach aus dem Leiter Museumspädagogik des Essener Domschatzes, Rainer Teuber, bei einer Debatte heraus. Als ihn tags darauf der Bischof anrief, rechnete er damit, seine Papiere abholen zu dürfen. Doch im Gegenteil erfuhr er Zuspruch von Bischof Franz-Josef Overbeck. Der trat vor einem Jahr auch in einem Pfarrbrief mit dem Appell hervor, die kirchliche Lehre verlange „dringend eine erweiterte Sichtweise auf die menschliche Sexualität“. Nötig sei „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität“.

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