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Nur wer einen Hund hat, darf noch raus: eine Frau in Barcelona geht spazieren. Bild: dpa

Verstöße gegen Ausgangssperre : Hund zu vermieten

Die wochenlangen Isolierungsmaßnahmen führen in der spanischen Bevölkerung zu wachsendem Unmut. Um doch einmal das Haus zu verlassen, werden manche kreativ.

          2 Min.

          Die meisten Spanier haben sich schnell und einsichtig den Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie unterworfen, die zu den strengsten in den westlichen Ländern gehören. Seit fast drei Wochen sind sie schon in Kraft. Anfangs waren die meisten Bürger diszipliniert, doch nun wächst die Zahl der Anzeigen: Mehr als 250.000 Strafanträge wurden bisher erstattet, Polizisten nahmen mehr als 2100 Personen fest. Allein am vergangenen Dienstag meldete das Innenministerium 150 Festnahmen und 18.000 Anzeigen – und ähnlich hohe Zahlen sind mittlerweile Alltag.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Polizei schlüsselt die Delikte nicht genauer auf, aber laut Presseberichten handelt es sich in den allermeisten Fällen um Verstöße gegen die öffentliche Ordnung und Widerstand gegen Polizeibeamte. Im gesamten vorletzten Jahr wurden in Spanien nur insgesamt gut 13.000 solche Delikte geahndet, wie die Zeitung „La Vanguardia“ berichtete. Die Geldstrafen sind schmerzhaft: Sie reichen von 601 bis 30.000 Euro.

          Kontrolle der Ausgangsgründe

          Soldaten unterstützen Polizisten bei den Kontrollen, die ausgeweitet wurden. Beamte werfen dabei sogar einen Blick in die Einkaufstasche. In Barcelona wollen sie den Kassenbon sehen, um zu überprüfen, dass wirklich nur der nahe gelegene Supermarkt aufgesucht wurde. In Murcia verfolgte eine Streife einen Radfahrer, der versuchte, sich der Kontrolle zu entziehen, mehrere Kilometer lang quer durch die Stadt. Die Beamten nahmen ihn fest, nachdem er auf regennasser Fahrbahn gestürzt war. Auf einem Video aus Madrid war zu sehen, wie sich zwei Beamte mühen, eine sich wehrende Joggerin zu Boden zu ringen, die nicht einsehen wollte, dass Sport im Freien verboten ist. Auf Teneriffa schloss die Polizei eine geheime Bar, die durch eine verborgene Tür mit einem Supermarkt verbunden war.

          Spanier dürfen nicht einmal spazieren gehen, sondern nur allein auf dem direkten Weg in den Supermarkt, in die Apotheke oder zum Arzt. Und die Einschränkungen werden verschärft, zum Beispiel für Hundebesitzer, die ihr Recht zum Gassigehen zum Teil über Gebühr strapaziert hatten. So griff die Polizei ein, nachdem Hundehalter ihre Tiere gegen Gebühr vermieteten. Andere wurden verwarnt, als sie weit von ihren Wohnungen entfernt aufgegriffen wurden. In Valencia dürfen Hunde jetzt nur noch in einem Radius von bis zu 200 Metern von der Wohnung ausgeführt werden, in Moncofa maximal 15 Minuten lang. In Madrid prüft die Stadtverwaltung eine ähnliche Verschärfung.

          In Alcalà de Xivert setzt die Polizei mittlerweile durch, dass die Einwohner nur einmal in der Woche zum Einkaufen gehen. Andere Gemeinden erlauben das nur an jedem zweiten Tag, mit einem Minimum von 30 Euro: Das soll vermeiden, dass die Menschen den Gang in den Supermarkt als Ausrede nutzen, um das Haus zu verlassen.

          Zusätzliche Arbeit bereitet den Beamten angeblich die wachsende Zahl von Bürgern, die Nachbarn denunzieren. Zudem gehen immer mehr Anrufe bei der anonymen Notrufnummer für häusliche Gewalt ein. Das Gleichstellungsministerium verzeichnete in der zweiten Märzhälfte eine Zunahme von 18 Prozent. Das sind gut 500 Anrufe mehr als in der zweiten Februarhälfte. Dafür haben in Spanien Verkehrs- und Kriminalpolizei weniger zu tun: Der Straßenverkehr hat sich um 85 Prozent verringert, die Zahl der Verkehrstoten sank um 73 Prozent. In Barcelona wurden statt 4000 zuletzt nur noch 93 Diebstähle in der Woche registriert.

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