https://www.faz.net/-gv6-a3zxw
Bildbeschreibung einblenden

Zentralbank startet Testphase : So plant die EZB den Digitaleuro

Will mit der Digitalisierung Schritt halten: die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Bild: Marc-Steffen Unger

Die Notenbank beschleunigt die Arbeit an dem neuen Zahlungsmittel. Doch anderswo ist man längst weiter. Schon vor sechs Jahren hat die chinesische Notenbank mit der Entwicklung eines digitalen Renminbi begonnen.

          3 Min.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Arbeit zur Entwicklung eines digitalen Euros beschleunigen. Dazu legte die Notenbank am Freitag einen Bericht vor. Am 12. Oktober wird eine öffentliche Konsultationsphase sowie eine interne Testphase starten, die drei Monate dauern dürfte.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Danach will sich der EZB-Rat damit befassen, ob ein konkretes Projekt zur Einführung des digitalen Zentralbankgeldes eingerichtet werden soll. Das dürfte Mitte des kommenden Jahres sein. Bis die Bürger mit dem digitalen Euro bezahlen können, dürften aber noch mal einige Jahre vergehen.

          „Die Menschen in Europa bezahlen, sparen und investieren immer häufiger auf elektronischem Weg. Unsere Aufgabe ist es, das Vertrauen in unsere Währung zu sichern. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass der Euro für das digitale Zeitalter gerüstet ist“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. „Wir sollten darauf vorbereitet sein, einen digitalen Euro einzuführen, sollte dies erforderlich werden.“

          Doch davor sind noch einige Fragen zu klären, wie es der Bundesverband deutscher Banken (BdB) in seiner Stellungnahme forderte. Auf schon bestehende digitale Zahlungsmittel wie zum Beispiel die elektronische Überweisung verwies EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta. „Eine digitale Währung hingegen, die von der Zentralbank begeben wird und die wir alle im Alltag verwenden können, haben wir nicht. Mit anderen Worten: Uns fehlt das digitale Gegenstück zu den Euro-Banknoten.“

          Antwort auf Facebooks Digitalwährung

          Die EZB machte in ihrem Bericht zum digitalen Euro klar, dass sie nicht in Konkurrenz zu privaten Anbietern treten wolle. Jedoch wären private Zahlungsdienstleister und Geschäftsbanken von der Einführung des digitalen Zentralbankgeldes betroffen. Schließlich reagieren die EZB und andere Notenbanken auf Pläne privater Unternehmen, digitale Vermögenswerte einzuführen. Das Libra-Projekt von Facebook ist das bekannteste Beispiel, und die Vorstellung der Pläne dazu war für die Notenbanken ein Weckruf, selbst an einer digitalen Geldform zu arbeiten.

          Hinzu kommt die Befürchtung, dass Europa in neuen Zahlungstechnologien abgehängt wird. Schon jetzt beherrschen amerikanische Zahlungsdienstleister wie Mastercard, Visa oder Paypal den Markt. Auf ihn drängen zudem chinesische Internetkonzerne wie Alibaba oder Tencent, ebenso wie Apple, Google und Facebook aus den Vereinigten Staaten. Sehr früh, schon im Jahr 2014, hat die chinesische Notenbank mit der Entwicklung eines digitalen Renminbi begonnen, der schon in einigen Städten getestet wird.

          Die Bedeutung von Bargeld geht beim Bezahlen zurück. In der Corona-Krise nahm die Bedeutung kontaktloser Kartenzahlungen stark zu.
          Die Bedeutung von Bargeld geht beim Bezahlen zurück. In der Corona-Krise nahm die Bedeutung kontaktloser Kartenzahlungen stark zu. : Bild: dpa

          Zu den Olympischen Winterspielen in Peking im Jahr 2022 soll die digitale Variante der chinesischen Währung an Touristen ausgegeben werden. In Europa prüft die Schwedische Reichsbank schon seit längerem die „E-Krona“. In dem Land spielt Bargeld nur noch eine sehr geringe Rolle, zu mehr als 80 Prozent bezahlen die Schweden mit Kredit- oder Girokarte. Den signifikanten Rückgang von Bargeld als Zahlungsmittel nennt die EZB als einen Grund, warum sie ihre Arbeit am digitalen Euro nun intensiviert.

          Banken bangen um ihre Rolle

          „Mit ihrer Position zu digitalem Zentralbankgeld setzt die EZB ein wichtiges Zeichen“, erklärte BdB-Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid. Der digitale Euro sei ein Zukunftsthema mit höchster Bedeutung für die Sicherheit und Stabilität der europäischen Finanzmärkte, bei dem es aber nach wie vor noch relevante Fragen zu klären gelte. „Der erste Anlauf beim digitalen Euro muss sitzen, ansonsten setzen wir die europäische Souveränität in Sachen digitale Währung aufs Spiel“, befürchtet Krautscheid.

          Die jetzt folgende Diskussion müsse sicherstellen, dass Banken eine zentrale Rolle bei der Ausgabe eines digitalen Euros haben, fordert der private Bankenverband, dem auch die Deutsche Bank und die Commerzbank angehören. Digitale Währungen können dem Bitcoin ähneln, wenn sie auf einer sogenannten Blockchain basieren, also auf einer Kette von Datenblöcken, die sich mit jeder Transaktion ausbaut. Eine weitere Alternative ist ein digitales Zahlungsmittel, das auf einer Art Wertgutschrift beruht, einem sogenannten Token.

          In dieser Form könnte der digitale Euro auch offline, zum Beispiel über eine Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphones, ausgetauscht werden. Die EZB will sich mit beiden Varianten befassen.

          Eine solche elektronische Form von Zentralbankgeld könnte von der breiten Bevölkerung genutzt werden – genauso wie Bargeld, nur in digitaler Form. „Ein digitaler Euro wäre eine Ergänzung zum Bargeld, kein Ersatz“, erklärte EZB-Direktor Panetta. In jedem Fall werde das Eurosystem weiterhin Bargeld ausgeben, versicherte die EZB.

          Vor kurzem hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann auf die Risiken digitalen Zentralbankgeldes hingewiesen. So könne es in einer Bankenkrise zu einem „digitalen Bank-Run“ kommen, wenn die Kunden ihre Einlagen von den Banken abzögen und in digitales Geld umschichteten. Nach Ansicht von Weidmann ist es vor allem die Aufgabe privater Unternehmen in einer Marktwirtschaft, Zahlungsverkehrslösungen anzubieten, die die Öffentlichkeit nachfrage. Die EZB, aber auch andere Notenbanken halten indes sichere und verlässliche Zahlungsinstrumente für Transaktionen in der digitalen Wirtschaft für notwendig.

          Vor allem Banken und Industrie wollen für den Ausbau des „Internets der Dinge“, also umfassend digitalisierter Wirtschaftstätigkeit, ein rechtlich sicheres Zahlungsmittel, um einen reibungslosen Ablauf von Produktion und Handel zu gewährleisten. Ein digitaler Euro kann dazu das Instrument sein, obwohl die digitalisierten Zahlungssysteme inzwischen sehr schnell arbeiten.

          Deshalb sind die Vorteile des digitalen Zentralbankgelds für den Verbraucher nicht sofort ersichtlich, da dieser mit Buchgeldtransaktionen wie etwa Kartenzahlungen oder Echtzeit-Überweisungen schon über eine Auswahl effizienter und schneller Zahlungsmöglichkeiten verfügt. Ein digitales Zentralbankgeld wäre eine Option, mit der bezahlt werden kann, ohne dass dazwischen noch ein Zahlungsverkehrssystem geschaltet wäre.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Vor der Wahl in Amerika : Welcome to Trumpland

          In Pennsylvania steht im Garten eines Hauses eine überdimensionale Trump-Figur. Sie ist ein Besuchermagnet für eingefleischte Fans des Präsidenten. Über einen Ort voller Enthusiasmus, Hoffnung und bedingungsloser Liebe.

          Neue Corona-Maßnahmen : Treffen unter dramatischen Vorzeichen

          Vor zwei Wochen konnten sich die Ministerpräsidenten nicht einigen. Jetzt sind die Infektionszahlen kaum noch kontrollierbar. Vor dem Treffen mit Merkel fordern immer mehr Politiker und Wissenschaftler harte Einschnitte mit strikten Kontaktbeschränkungen.
          „Ich will Apothekerin sein, keine Esoterik-Tante“, sagt Iris Hundertmark, 46, in ihrer Apotheke in Weilheim in Oberbayern. Seit zwei Jahren hat sie keine Globuli mehr in der Schublade.

          Homöopathie : Allein gegen die Globuli

          Iris Hundertmark ist vermutlich die einzige Apothekerin Deutschlands, die keine homöopathischen Präparate im Regal hat. Das hat ihr eine Morddrohung gebracht. Und steigende Umsätze.
          Weil die Schnelltests dann am sichersten sind, wenn die Viruslast bereits hoch und der Infizierte wirklich infektiös ist, sind Antigentests sogar besonders geeignet, akute Risiken schnell zu erkennen: Ein Mädchen in Delhi lässt sich testen

          Viren-Schnelltests als Chance : Raus aus dem Schlamassel!

          Weniger Lockdown-Streit, mehr Pragmatismus wagen in der Pandemie: Wieso Schnelltests rasch helfen sollten, das Leben mit dem Virus erträglich und sicherer zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.