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Handelsstreit : Kann China Amerika an der Börse besiegen?

Zentrum der Geldmacht? Die New Yorker Wall Street. Bild: AP

Im Handelskrieg mit Amerika könnte Peking seine Währung abwerten oder Staatsanleihen verkaufen. Vieles spricht aber dagegen – denn China will sich als verlässliche Großmacht präsentieren.

          Diese Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg bewegte zu Wochenbeginn die Finanzmärkte: Im Handelsstreit mit Amerika erwäge die von Regierung und Partei kontrollierte chinesische Zentralbank eine Abwertung der Währung Renminbi, die auch Yuan genannt wird. Prompt gab der Yuan nach und fiel auf den niedrigsten Stand seit zwei Wochen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Bei der Frage, welche „Waffen“ China bei Ausbruch eines Handelskriegs mit Amerika im Arsenal hätte, wird eine Abwertung der Währung immer wieder ins Spiel gebracht. Dasselbe gilt für einen Verkauf von Chinas amerikanischen Staatsanleihen mit einem Wert von 1,17 Billionen Dollar. Ein Verkauf würde die Renditen der Schuldtitel ins Steigen und Amerikas Wohlstand in Gefahr bringen; Amerika müsste Geld zu höheren Zinsen aufnehmen, so der Gedanke dahinter.

          Genau umgekehrte Strategie

          Von Pekings „Nuklearwaffe“ raunen Analysten und Investoren an den Finanzmärkten der Welt in Bezug auf Chinas Staatsanleihen schon lange. Dass das Land jahrzehntelang mit einer gegenüber dem Dollar künstlich niedrig gehaltenen Währung die eigenen Exporte günstiger gemacht und Amerikas Wirtschaft und ihre Arbeitnehmer in vielen Branchen somit „vergewaltigt“ habe, behauptet niemand anderes als der amerikanische Präsident Donald Trump.

          Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Peking diese Schritte wagen würde? Unwahrscheinlich, glaubt der Ökonom Arthur Kroeber vom Pekinger Analysehaus Gavekal Dragonomics, und gibt eine politische Begründung: „Wenn Peking irgendeines dieser Dinge tun würde, dann würde es sofort – und zu Recht – verdammt dafür werden, die Regeln des ökonomischen Fairplays zu brechen, indem es wirtschaftliche Geiseln nehme, um einen politischen Gewinn zu erzielen.“ Die Strategie Pekings im Handelskrieg sei aber genau umgekehrt: Chinas Führung versuche, sich gegenüber der Weltgemeinschaft als Verteidiger der auf Regeln basierenden internationalen Wirtschaftsordnung zu inszenieren und sich als Gegenstück zu Trump als rational und verlässlich zu präsentieren. Der neue chinesische Notenbankchef Yi Gang sagte denn auch auf dem asiatischen Wirtschaftsforum im südchinesischen Bo'ao, dass Peking nicht vorhabe, den Yuan abzuwerten.

          Nun entscheidet am Ende in China nicht der Notenbankchef, sondern vor allem der mächtige Parteichef Xi Jinping – auch über die Währungspolitik. Und die Ankündigung der chinesischen Regierung, in einem Konflikt mit Amerika „jeden Preis“ zu zahlen und „bis ans Ende“ zu gehen, spricht nicht die Sprache der Mäßigung und Vernunft. Das Land habe sich „niemals zuvor externem Druck ergeben“, schreibt die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Sind dies nicht nur leere, sondern ernstzunehmende Drohungen, stellt sich weiter die Frage, ob auch aus ökonomischer Sicht ein Verkauf großer Mengen an Staatsanleihen oder eine Abwertung der Währung für Peking sinnvoll sein könnte.

          Während ein schwächerer Yuan die Exporte Chinas auf dem Weltmarkt gegenüber amerikanischen Produkten günstiger machen würde, weisen die meisten Analysten auf die Risiken hin, die China mit einem solchen Schritt eingehen würde. So könnte eine Abwertung Chinas Finanzmarkt destabilisieren wie im Sommer 2015, in dem die Zentralbank in Peking die Welt mit einer kleinen Abwertung geschockt und in Schanghai und Shenzhen die Börsenkurse monatelang auf Talfahrt geschickt hatte, während sie sich im Rest der Welt schnell wieder stabilisierten. Ein schwächerer Yuan könnte die eigene Wirtschaft also stärker gefährden als die amerikanische.

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