https://www.faz.net/-gv6-9xj5b

Japanische Notenbank : Milliarden für das Finanzsystem

Auch die Bank of Japan öffnet die Liquiditätsschleusen. Bild: AP

Die Bank von Japan kauft für Billionen Yen mehr Unternehmensanleihen und aktienbasierte Wertpapiere. Mit mehr Liquidität will sie die Wirtschaft unter der Last der Coronavirus-Pandemie stützen.

          2 Min.

          Der geldpolitische Rat der japanischen Zentralbank hat am Montag in einer Dringlichkeitssitzung beschlossen, mehr Unternehmensanleihen und handelbare Fondsanteile (ETF) zu kaufen. Zudem führt die Zentralbank ein neues Instrument ein, um die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen zu erleichtern. Die Leitzinsen hielt die Zentralbank im Gegensatz zur amerikanischen Notenbank Federal Reserve unverändert. Sie liegen am kurzen Ende aber ohnedies schon bei weniger als null Prozent und am langen Ende um null Prozent.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          An der Börse in Tokio hinterließen die Maßnahmen nur begrenzt Eindruck. Der Nikkei-Aktienindex, der schon am Vormittag zwischen Plus und Minus geschwankt hatte, verbesserte sich zunächst stark, um am Ende 2,5 Prozent auf nur noch 17.002 Punkte abzugeben. Die japanische Währung wertete als direkte Reaktion auf die Entscheidung der Bank von Japan gegenüber dem Dollar auf und wurde um 106 Yen je Dollar gehandelt.

          Die Zentralbank begründete die zusätzlichen Liquiditätsgaben mit den Risiken für die japanische Wirtschaft, die durch die Coronavirus-Pandemie größer geworden sein. Ausdrücklich verwies die Bank auf das Sinken von Export und Produktion, Verwerfungen in den globalen Zuliefererketten, die schrumpfende Zahl ausländischer Touristen und Belastungen der heimischen Wirtschaft durch die Versuche, mittels einer Verringerung sozialer Kontakte die Verbreitung des Virus zu bremsen. Die Finanzlage von kleinen und mittelgroßen Unternehmen zeige, dass die Finanzbedingungen insgesamt weniger stützend geworden seien.

          USD/JPY

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Die Lockerung der Geldpolitik durch die Bank von Japan geschieht in einer koordinierten Aktion mit anderen großen Notenbanken der Welt. Dazu zog die japanische Zentralbank ihre für Mittwoch und Donnerstag geplante reguläre Sitzung auf Montagnachmittag vor. Am Sonntagabend hatte die amerikanische Federal Reserve schon ihren Leitzins auf nahe 0 Prozent gesenkt und neue Ankäufe von Anleihen und Hypothekenpapiere angekündigt.

          Gemeinsam mit den Notenbanken in Amerika, Kanada, Europa, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz weitet die Bank von Japan zugleich die Möglichkeiten aus, billig amerikanische Dollar zu leihen. Japanische Banken können von ihrer Notenbank künftig im unbegrenzten Ausmaß Dollar für einen Zinssatz von 0,2 Prozent mit einer Laufzeit von einer Woche oder 84 Tagen leihen. Analoge Möglichkeiten werden in den anderen Währungsräumen geöffnet. Damit wollen die Notenbanken koordiniert dafür sorgen, dass trotz der Pandemie der vielfach in Dollar finanzierte internationale Geschäftsverkehr liquide bleibt.

          Mit den neuen Beschlüssen weitet die Bank von Japan ihre Liquiditätsgaben in die Wirtschaft abermals drastisch aus. Bis Ende September will sie für 2 Billionen Yen (17 Milliarden Euro) kurzfristige Geldmarktpapiere von Unternehmen (Corporate Papers) und Unternehmensanleihen kaufen. Mit der zusätzlichen neuen Fazilität ermöglicht die Zentralbank den Geschäftsbanken, Unternehmenskredite als Pfand zu hinterlegen, um bei der Notenbank in Geld zu leihen.

          Zugleich verdoppelt die Bank von Japan ihre jährlichen Ankäufe von handelbaren Fondsanteilen (ETF) auf bis zu 12 Billionen Yen (102 Milliarden Euro) und die Ankäufe von handelbaren Immobilienfonds (J-Reits) auf bis zu 180 Milliarden Yen (1,5 Milliarden Euro).

          Die neuen Käufe von Wertpapieren kommen zu den regulären Einkäufen von Staatsanleihen hinzu, für die die Bank von Japan rund 80 Billionen Yen (680 Milliarden Euro) im Jahr anstrebt. Im Gegensatz zur amerikanischen Notenbank und zur Europäischen Zentralbank hatte die Bank von Japan die sogenannte quantitative Lockerung durch den Ankauf von Staatsanleihen und Wertpapieren nie beendet und auch kein Ende in Aussicht gestellt.

          Weitere Themen

          Auch die Bank von Japan wird grüner

          Klimaschutz : Auch die Bank von Japan wird grüner

          Die Zentralbank der drittgrößten Volkswirtschaft wird Investitionen von Unternehmen gegen den Klimawandel fördern. Doch in Japan gibt es einen wichtigen Unterschied zu den Öko-Aktivitäten anderer Notenbanken.

          Topmeldungen

          VW-Chefs im F.A.Z.-Interview : „Der Computer ist der bessere Autofahrer“

          Bis 2030 soll das erste Roboterauto von VW vom Band rollen. VW-Markenchef Ralf Brandstätter und Software-Chef Dirk Hilgenberg erklären im Interview, warum sie sicher sind, dass bald niemand mehr auf den Computer als Fahrer verzichten will.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.