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Rohstoffpreise fallen : Kupferpreis im Sturzflug

Kupferhütte in Russland Bild: Reuters

Das Industriemetall ist so günstig wie seit knapp sechs Jahren nicht mehr. Das ist fundamental nicht zu rechtfertigen. Doch alle Rohstoffe stehen im Bann des billigen Öls. Auch die Bergbau-Aktien sind unter Druck.

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          Wer an die Prognosekraft von Dr. Copper glaubt, braucht starke Nerven: Am Mittwoch ist der Kupferpreis um bis zu 9 Prozent auf etwa 5350 Dollar je Tonne gesunken – das ist der tiefste Stand seit knapp sechs Jahren. Das Industriemetall wird im Branchenjargon als Dr. Copper (englisch für Kupfer) bezeichnet, weil dem Kupferpreis die Eigenschaft zugeschrieben wird, die Entwicklung der Weltwirtschaft vorauszusagen. Wenn er steigt, geht es auch mit der Wirtschaft bergauf. Fällt er jedoch, ist auch die Stimmung am Markt schlecht. Dahinter steckt die Idee, dass eine wachsende Nachfrage nach dem meistgebrauchten Industriemetall der Welt, das im Bau ebenso eingesetzt wird wie in der Unterhaltungselektronik oder im Maschinenbau, bedeutet, dass die Wirtschaft anzieht.

          Judith Lembke
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch am Mittwoch waren es vor allem negative Konjunkturdaten, die dem Kupferpreis zusetzten. Dem Absturz ging eine Prognosesenkung der Weltbank für das Weltwirtschaftswachstum 2015 voraus. Die Bank revidierte ihre Einschätzung auf 3,0 von vorher 3,4 Prozent. Für das kommende Jahr sagt die Weltbank nun nur noch ein Plus von 3,3 anstatt 3,5 Prozent voraus.

          Die Analysten von Goldman Sachs machen eine schwächelnde Nachfrage nach dem roten Metall für den Preisrutsch verantwortlich. Zudem seien die Konjunkturdaten aus China schlechter ausgefallen als angenommen. Für China wird in diesem Jahr ein Wachstum von 7 Prozent vorausgesagt. Das wäre der niedrigste Wert seit 1990. China ist der mit Abstand größte Abnehmer des Metalls auf der Welt, das Land steht für 40 Prozent der Nachfrage.

          Doch das Nachfragewachstum in China wird sich in diesem Jahr deutlich abkühlen, schätzen Analysten. Zudem wird in diesem Jahr mit einem Überschuss am Kupfermarkt von 350000 Tonnen gerechnet, die globale Produktionsausweitung soll etwa eine Million Tonnen betragen. Insgesamt umfasst der Kupfermarkt etwa 24 Millionen Tonnen im Jahr. Erst Ende vergangenen Jahres hatten die beiden Bergbaukonzerne Rio Tinto und BHP Billiton angekündigt, dass sie den Kupferbergbau stark ausweiten wollen, unter anderem durch die gemeinsame Ausbeutung einer Kupfermine im amerikanischen Bundesstaat Arizona.

          Spekulationen: Preisrückgang könnte sich zunächst fortsetzen

          Das alles ist kein gutes Umfeld für Kupfer. Zwar sind fast alle Rohstoffpreise stark gefallen, allen voran die Ölpreise um fast 60 Prozent seit Mitte vergangenen Jahres. Mittlerweile sind Rohstoffe so günstig wie seit etwa zwölf Jahren nicht mehr. Abgesehen von den Energierohstoffen, hat sich Kupfer von den zwölf im Bloomberg Commodity Index abgebildeten Rohwaren am schlechtesten entwickelt. Nach Ansicht der Rohstoffanalysten der Commerzbank hat auch das Unterschreiten der charttechnischen Unterstützungszone zwischen 5810 und 5635 Dollar zu technischen Anschlussverkäufen geführt, die den Preisverfall verstärkt haben.

          Auch haben die spekulativen Finanzinvestoren an der Londoner Metallbörse LME ihre Wetten auf steigende Kupferpreise deutlich reduziert. „Diese Tatsache sowie die Charttechnik deuten darauf hin, dass sich der Preisrückgang zunächst fortsetzen könnte“, heißt es bei der Commerzbank. Aus ihrer Sicht ist der Preisverfall jedoch „klar übertrieben“ und „fundamental nicht zu rechtfertigen“.

          Bild: F.A.Z.

          Der Absturz des Kupferpreises hat am Mittwoch auch die Aktienkurse der Bergbaukonzerne und Rohstoffhändler deutlich unter Druck gesetzt. Der Kurs von Glencore, Rohstoffhändler und drittgrößter Kupferproduzent der Welt, sank an der Börse in London um bis zu 12 Prozent auf etwa 240 Pence. Das ist das tiefste Kursniveau, das die Glencore-Aktie seit dem Börsengang des Unternehmens vor knapp vier Jahren jemals hatte.

          Seitdem hat sich der Kurs damit mehr als halbiert. Nur wenig besser erging es den Bergbaukonzernen Anglo American und BHP Billiton an der Londoner Börse, deren Kurse um bis zu 10 und 8 Prozent sanken. BHP Billiton-Titel sind damit so günstig wie seit knapp sechs Jahren nicht mehr. Die Papiere der chilenischen Minengesellschaft Antofagasta verbilligten sich um bis zu 13 Prozent. Der Kurs der Rio Tinto-Aktie ging um bis zu 6 Prozent zurück. Auch deutsche Unternehmen blieben nicht verschont: Der Kurs von Thyssen Krupp sank um bis zu 6 Prozent. Im M-Dax verbilligten sich die Aktien der Kupferhütte Aurubis um bis zu 7 Prozent.

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