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Im Gespräch: McKinsey-Chef Cornelius Baur : „In der Mitte lauert der Tod“

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Cornelius Baur, neuer Deutschlandchef von McKinsey Bild: Gilli, Franziska

McKinsey, die größte Unternehmensberatung der Welt, soll noch größer werden. Der neue Deutschlandchef Cornelius Baur über den Einzug der Psychologen, die Rückkehr der Mütter und die Nähe zu Burgerbratern.

          Herr Baur, geboren in München, Lehre und Studium in München, Partner im Münchner McKinsey-Büro - der Prototyp eines weltgewandten Managers sind Sie nicht gerade.

          Ich mag München, keine Frage, aber es ist nicht so, dass ich mein ganzes Berufsleben dort verbracht hätte. Schon während meiner Ausbildung bei Siemens war ich an vielen Standorten in Deutschland, für McKinsey war ich zweieinhalb Jahre in den Vereinigten Staaten und habe eine europaweite Practice geleitet. Außerdem bin ich wie alle Berater oft unterwegs, vier Tage in der Woche, oft in Asien.

          Ihr Vorgänger war ein Bankenfachmann, Sie sind ein Freund der Industrie. Zeigt das, wo jetzt das Geld verdient wird?

          Ich würde da nicht so viel reininterpretieren. Wir unterstützen Banken und Industrie gleichermaßen. Der Wechsel hat nichts mit verschobenen Schwerpunkten zu tun - ich war einfach der Kandidat.

          McKinsey veröffentlicht seit Jahren keine Umsatzzahlen mehr. Werden Sie das ändern?

          Nein. Wir sind eine Partnerschaft, und als solche haben wir uns entschieden, nicht öffentlich über Zahlen zu sprechen. Aber Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen: Wir wachsen und gedeihen prächtig.

          Sie sind jetzt ein halbes Jahr Deutschlandchef. Wie sieht Ihr Masterplan für McKinsey aus?

          Wir haben schon jetzt einen Größenvorteil, was uns in eine komfortable Lage versetzt. Wir können so viel in Innovationen investieren wie kein anderer, dadurch unsere Klienten besser bedienen und weiter wachsen. Wir werden noch mehr als früher die Umsetzung der Projekte unterstützen. Letztlich gilt auch für Berater, was wir unseren Klienten immer sagen: In der Mitte lauert der Tod, man muss entweder eine kleine spezialisierte Boutique sein oder richtig groß mit einem breiten Leistungsspektrum.

          Heißt das, Sie sind auf der Suche nach Übernahmezielen?

          Wir schauen uns überall auf der Welt um. In Amerika haben wir zum Beispiel kürzlich einen Anbieter gekauft, der die Produktivität von Software misst. In Deutschland führen wir gerade mit zwei, drei Unternehmen Gespräche. Manchmal interessieren uns bestimmte Datenbanken, manchmal die Expertise der Leute. Wohlgemerkt: Wir reden über Unternehmen mit maximal 50 Mitbeitern.

          Wie hoch ist Ihr Budget für Zukäufe?

          Es gibt kein bestimmtes Budget. Wir verfolgen den Grundsatz, dass wir 10 Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung investieren. Dazu zählen auch Übernahmen.

          In Deutschland reden wir demnach über mehr als 70 Millionen Euro im Jahr.

          Netter Versuch, aber wie schon gesagt: Zu Zahlen äußern wir uns nicht.

          Liegt die Zukunft von McKinsey wirklich in Spezialdisziplinen wie der Softwareanalyse?

          Wir entwickeln unser Leistungsangebot ständig weiter. Wir holen auch Psychologen an Bord, weil wir zunehmend im Coaching unterwegs sind und Führungskräften dabei helfen, der Belegschaft Veränderungsprozesse zu erklären. Früher konnte man Klienten damit beeindrucken, wenn man ihre Absatzchancen in China für die kommenden fünf Jahre skizziert hat. Das ist vorbei. Heute geben die Manager drei Suchwörter bei Google ein und haben ein Dutzend Studien auf dem Bildschirm.

          Deshalb die Ansage, dass Sie weniger Hochschulabsolventen und mehr erfahrene Kräfte aus der Industrie einstellen wollen?

          Fast 30 Prozent der neuen Berater kommen aus der Industrie, Tendenz steigend. Deren Fachwissen wird immer wichtiger. Fakt ist aber auch: Bei uns bewerben sich jedes Jahr mehr als 10 000 Studenten, und die meisten davon sind brutal gut. Auslandsstudium, Auslandspraktika - die sind schon sehr industrienah, das ist kein Vergleich dazu, wie meine Generation von der Uni kam.

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