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Finanzmärkte : Zum Aufatmen ist es zu früh

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Marktteilnehmer warten auf Entscheidungen in der Politik. Die Europäische Zentralbank und die amerikanische Notenbank Fed üben einen Balanceakt. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

          3 Min.

          Die Finanzmärkte mögen sich diese Woche etwas beruhigen: Die verhaltend positive Reaktion der Marktteilnehmer auf die Rede des Präsidenten der Federal Reserve, Ben Bernanke, am vergangenen Freitag auf der Sitzung der Zentralbanker in Jackson Hole lässt darauf schließen.

          Aber zum Aufatmen ist es zu früh: Schließlich gibt es über die zwei Parameter, die das Handeln der Fondsmanager derzeit bestimmen, keine Klarheit: Werden die Vereinigten Staaten den Rückfall in eine Rezession vermeiden können? Und gelingt es der europäischen Politik sich fiskalpolitisch so zu einigen, dass die Schuldenkrise gelöst werden kann?

          Stützpfeiler EZB

          Die Unsicherheit ist groß: Die Kurse an den globalen Aktienmärkten sind seit ihrem Höhepunkt in diesem Jahr um 15 Prozent gesunken. Technische Analysten halten ein Nachgeben bis Oktober um weitere 10 Prozent für denkbar. In Krisensituationen werden Aktienmärkte besonders gebeutelt, weil sie liquide Vermögensmärkte darstellen. Kapital wird in Anleihemärkte umgeschichtet. Daher sank die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen wieder auf 2,15 Prozent und die Rendite amerikanischer Treasuries auf 2,19 Prozent.

          Während die Politik in der europäischen Schuldenkrise vor allem reagiert, wenn sie von den Finanzmärkten dazu gezwungen wird, steht die Europäische Zentralbank (EZB) im Kreuzfeuer der Kritik, obwohl sie in diesem Desaster die Institution ist, die die Balance hält: Sie stützt Banken mit Liquidität und verhindert durch ihre Anleihekäufe eine Eskalation der Krise am Kapitalmarkt.

          Auf der anderen Seite toleriert die EZB gerade so viel Stress an den Märkten, dass die Politik zu Entscheidungen gezwungen wird. „Das Handeln der EZB ist eine gewaltige Stütze für die Region. Die EZB rechtfertigt dies mit ihrem Mandat: Sie hält die Stabilität des Finanzsystems aufrecht durch eine Stütze der Banken und sie verbessert die Wirkung ihrer Geldpolitik durch Hilfe am Anleihemarkt“, betonen die Analysten von JP Morgan. „Ihre politische Unabhängigkeit ist fest verankert in den EU-Verträgen. Dies bedeutet, dass Politiker die EZB nicht gegen ihren Willen zwingen können, die Anleihekäufe auszuweiten oder aufrechtzuerhalten.“

          EZB-Anleihekäufe werden überschätzt

          Diese Anleihekäufe sind zudem nicht massiv. Die Bilanzsumme der EZB ist seit 2007 um 50 Prozent ausgeweitet worden, die der Federal Reserve um 200 Prozent. Der größte Teil der Ausweitung der Bilanzsumme geht nicht auf Kosten der Anleihekäufe sondern auf Neubewertungen der Goldbestände und anderer Investment-Portfolios. Die Anleihekäufe der EZB in Höhe von 110 Milliarden Euro machen derzeit nur 5 Prozent der Bilanzsumme der Notenbank aus.

          Dabei haben die Käufe von italienischen und spanischen Anleihen geholfen, deren Zehnjahresrenditen auf 5 Prozent zu drücken. Dies ist genau unter der Marke, die an den Kapitalmärkten auf Dauer für ein Land mit stabilem Wechselkurs als nicht mehr tragbar angesehen wird. Vergangene Woche konnte sich Italien mit zweijährigen Titeln mit 3,4 Prozent günstiger refinanzieren als bei der letzten Auktion mit 4,04 Prozent. Am Dienstag kommt Italien mit länger laufenden Papieren an den Markt.

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