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Aktienmärkte : Finanzmärkte reagieren kaum auf Terroranschläge

  • Aktualisiert am

Grüne Zahlen in Taiwan: Das bedeutet Minus. Bild: dpa

Auf die Anschläge vom Freitag reagieren die Finanzmärkte kaum. Nach anfänglichen Kursverlusten, liegen die Aktinindizes im Plus.

          3 Min.

          Die Finanzmärkte reagieren am Montag besonnen auf die Anschläge von Paris. Der Dax eröffnete knapp 1 Prozent im Minus, erholte sich dann aber rasch und liegt nun bei 10.738 Zählern 0,3 Prozent im Plus.

          Auch in Asien reagierten die Finanzmärkte am ersten Handelstag nach den Terroranschlägen nicht mit großen Ausschlägen. Der Aktienmarkt in Tokio schloss ein Prozent im Minus, hatte zum Handelsstart aber deutlich stärker nachgegeben.

          Zudem belastete hier vor allem das schwache Wirtschaftswachstum im Land. Japan ist abermals in eine Rezession gerutscht. Wie die Regierung am Montag bekanntgab, sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um eine hochgerechnete Jahresrate von 0,8 Prozent. Analysten hatten nur mit einem Minus von 0,2 Prozent gerechnet. Der Straits Times in Singapur fiel um 0,5 Prozent. Der Hang-Seng-Index in Hongkong liegt gut 1,8 Prozent im Minus, doch sorgt hier für Druck, dass die Regulierung den Kauf von Wertpapieren auf Kredit stärker beschränkt haben.

          Pariser Börse stabil

          Vorbörslich gab es in Europa noch Sorge, dass die Attentate auch Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung haben könnten. Die Broker IG und Lang & Schwarz sahen den Index eine Stunde vor Handelsbeginn mit 10.578 Punkten um 1,2 Prozent unter dem Schluss vom Freitag.

          Auch der französische Börsen-Index CAC-40 zeigt sich mit einem Minus von lediglich 0,15 Prozent sehr stabil. Um knapp 5 Prozent abwärts geht es für die Aktie des Hotelkonzerns Accor. Doch inwieweit dies mit einer Evakuierung eines Hoitels der Kette vom Samstag wegen einer Bombendrohung zusammenhängt, ist schwer zu sagen.

          Auch die Terminkontrakte auf den marktbreiten amerikanischen S&P-500-Index deuten auf leichte Kursgewinne an der Wall Street hin.

          Ölpreis steigt

          Der Preis des als Krisenwährung betrachteten Goldes steigt zwar um 0,2 Prozent, doch ist dieser Aufschlag zu gering, um wirklich signifikant zu sein. Brent wurde wegen möglicher Engpässe beim Angebot mit einem Aufschlag von rund 1,1 Prozent auch etwas teurer.

          Die direkte Verbindung der Krisenregion zum Ölmarkt sei zwar nicht sehr stark, doch könnte die geopolitische Situation im Mittleren Osten weiter destabilisiert werden. Das sorge für Bedenken hinsichtlich möglicher Angebotsunterbrechungen, meint Jens Pedersen, Analyst der Danske Bank. Andererseits könnten ein dämpfender Effekt auf den Konsum auch die Nachfrage verknappen.

          Händler hatten eine positive Reaktion der Ölpreise bereits am Sonntag vorausgesagt, da eine Verschärfung des Syrienkonflikts angesichts eines verstärkten Eingreifens Frankreichs die Angebotsseite belasten könnte. Am Freitag hatten indes auch überraschend schwach gestiegene Umsätze im amerikanischen Einzelhandel die Ölpreise belastet.

          Der Eurokurs notiert mit 1,0737 Dollar auf dem Niveau des Freitagabends, als er in Reaktion auf enttäuschende Konjunkturdaten aus der Eurozone nachgegeben und von 1,082 Dollar abgewertet hatte.

          Es ist sehr schwierig, die Börsenbewegungen als unmittelbare Reaktion auf die Vorgänge vom Freitag zu verstehen, weil sie sich in jüngster Zeit ohnehin im Abwärtstrend befanden. Seit dem Frühjahr befindet sich der Dax im Abwärtstrend und hat seitdem rund 14 Prozent verloren.

          Die Anschläge träfen auf einen schwächeren Markt, der auch unter den niedrigeren Ölpreisen und einer lahmenden Konjunktur leide, sagte Analyst Michael Hewson von CMC Markets UK. Auch die amerikanischen Wirtschaft wirke eher mau. Die Spekulationen auf zusätzliche Unterstützung der Europäischen Zentralbank dürften aber zunehmen.

          „Die Menschen werden zusammenstehen und so normal wie möglich auftreten wollen“, sagte Matt Maley, Aktienstratege bei Miller Tabak & Co. in New York der Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Gewöhnung an den Terror

          Die Anleger hätten das ganze Wochenende Zeit gehabt, die Nachrichten zu verarbeiten und zu überdenken. Das dämpfe den Überraschungseffekt, sagte Kay Van Petersen, Stratege bei Saxo Capital Markets in Singapur. Im Gegensatz zu den Anschlägen vom 11. September kamen die Anschläge von Paris nicht aus dem Nichts, sondern eine wenn auch schreckliche, so doch mögliche Entwicklung im aktuellen geopolitischen Konfliktszenario.

          Dass die Börsen seit 2001 begonnen haben, auch mit dem Terror zu leben, legt auch die Entwicklung des Dax‘ nahe. Fiel dieser am Tag der Zerstörung des World Trade Centers noch um 8,5 Prozent, so waren es 2004 am Tag der Zuganschläge von Madrid noch 3,5 Prozent. Als 2005 Terroristen den Londoner Nahverkehr zum Ziel erkoren, betrug das Minus weniger als 2 Prozent. Und als am 26. November 2008 Attentäter in Mumbai an zehn Stellen fast gleoichzeitig zuschlugen, schloss der Dax unverändert.

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