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Die Fehler von Pisa : Wozu noch lesen?

Mit etwa elf Jahren lässt die kindliche Leselust nach. Dann geht es vorrangig um das Erarbeiten von „Content“. Bild: Picture-Alliance

Die technokratische Pisa-Pädagogik erklärt Lesen als Mittel zum Zweck. So verleidet sie nicht nur Schülern das Lernen, sondern auch Europa.

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          Nach den Ergebnissen der jüngsten Pisa-Studie ist die Verwirrung besonders groß. Denn eigentlich hat Deutschland im Sinne des von der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) verfügten Pisa-Regiments doch alles richtig gemacht, seitdem die Untersuchung 2001 zum ersten Mal einen Schock auslöste. Es hat, wie das die ökonomischen Kriterien der Erhebung nahelegen, sein Schulsystem auf ein „output-orientiertes Lernen“ umgestellt, bei dem es mehr auf Kompetenzen als auf Wissen ankommt, und zur besseren „Qualitätskontrolle“ hat es entsprechende Bildungspläne erstellt, mit denen sich der Output fortlaufend überprüfen lässt. Und nun zeigt sich also, dass trotz aller Kompetenz- und Ergebnisorientierung die Testergebnisse selbst bei den grundlegendsten aller Kompetenzen, Lesen und Rechnen, immer noch weiter nachlassen; jeder fünfte Fünfzehnjährige soll es kaum schaffen, Texte so zu lesen, dass er sie versteht. Wie ist das zu erklären? Hat es wirklich nur mit der gestiegenen Zuwanderung zu tun, auf die viele Experten jetzt gern verweisen?

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Um das Paradox, das darin steckt, vollständig freizulegen, sind zwei weitere Ergebnisse der Erhebung ergiebig. In einer Kategorie, die die Pisa-Organisatoren als entscheidend für die Lernmotivation und Leistungsbereitschaft erachten, belegen die deutschen Schüler im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz. Es handelt sich um den „Growth mindset“, der sich im Design der Untersuchung an der mehr oder minder starken Ablehnung folgender These ablesen lässt: „Deine Intelligenz ist etwas an dir, woran du nicht sehr viel ändern kannst“. Mehr als siebzig Prozent der deutschen Schüler stimmten der These nicht zu; man kann also im Sinne der Pisa-Forscher annehmen, dass es ihnen am Bewusstsein für die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kompetenzsteigerung und Nutzenmaximierung nicht fehlt.

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