Triumphaler Tanzabend : Schneller, intelligenter, politischer

Schneller, intelligenter, politischer: „Other Dances“ des Niederländischen Nationalballetts werden in Amsterdam zur Demonstration all dessen, was Tanz heute noch vermag.
„Other Dances“, andere Tänze, ist der Titel des brillanten neuen Ballettabends in Amsterdams Het Muziektheater, der fünf Werke in einer interessanten Dramaturgie vereint. So entsteht ein Abbild der Möglichkeiten zeitgenössischen Balletts, das 50 Jahre umspannt. Das älteste Stück schuf der Amerikaner Jerome Robbins 1976 für das New York City Ballet, Hans van Manens „Solo“ entstand 1997, der Vivaldi des Abends wurde 2018 choreographiert, und zwei Uraufführungen erzeugen die Spannung bei dieser Premiere. Hinsichtlich der Reihenfolge des Programms hat sich Ballettdirektor Ted Brandsen ebenfalls Gedanken gemacht. Zwei Orchesterwerke bilden den Rahmen, beide Choreographien lassen ein großes Tanzensemble auftreten und schöpfen aus, was nur virtuose Gruppen an Polyphonie erreichen können. Die große Opernhausbühne ist sowohl bei John Adams und Ted Brandsen wie auch bei Antonio Vivaldi und David Dawson von einem belebten, organisierten Durcheinander erfüllt. Es ist abstrakt, indem es erkennbaren Organisationsstrukturen und keinen Narrativen folgt. Es ist lebendig und menschlich, nicht nur indem es von Musikern und Tänzern verwirklicht wird, sondern indem es den menschlichen Fähigkeiten entspricht, Sinneseindrücke zu synchronisieren. So hört man in „The Chairman Dances“ wie in den „Vier Jahreszeiten“ die Musik so viel genauer, so viel klarer, indem man den Tänzen zu ihr folgt.
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