Vorwurf gegen SZ-Vizechefin :
Aus einer Quelle zu viel

Von Jochen Zenthöfer
Lesezeit: 2 Min.
Ihre Doktorarbeit wurde auf ihren eigenen Wunsch hin von der Universität Salzburg geprüft: die stellvertretende Chefredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“, Alexandra Föderl-Schmid.
Der Vizechefredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“, Alexandra Föderl-Schmid, wird vorgehalten, sie habe bei Texten plagiiert. Im Gespräch mit der F.A.Z. ordnet sie ihre Arbeit ein.

Gegen die stellvertretende Chefredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), Alexandra Föderl-Schmid, werden Plagiatsvorwürfe erhoben. Das Portal „Medieninsider“ hat elfmal Übereinstimmungen mit Texten gefunden, die weder von ihr selbst noch von der SZ stammen: „Dabei ähneln sich die Fragmente stark, teils sogar wörtlich.“

Die Journalistin schreibt vor allem über Israel und Gaza. Unter anderem soll aus einem 2017 veröffentlichten Islamismusdossier der Bundeszen­trale für politische Bildung kopiert worden sein. Schaut man sich die Passagen an, fallen in der Tat Übereinstimmungen auf. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagt Föderl-Schmid, „es geht hier nicht um geistige Eigenleistungen anderer Autorinnen und Autoren wie bei Essays, Reportagen oder bei Kommentaren. Es geht um Faktenbeschreibungen und Definitionen. Um die Ideologie der Hamas zu beschreiben, greife ich beispielsweise zurück auf die Charta der Hamas und gebe diese auszugsweise ins Deutsche übersetzt wieder.“ Das stimmt.

Ein anderer Vorwurf lautet: Die SZ-Journalistin zitiert einen ehemaligen israelischen Militärberater mit dem Satz, die Tunnel unter Gaza wurden gebaut, „um im Fall einer Bodenoffensive israelische Truppen aus dem Hinterhalt angreifen zu können“. Dieses Zitat findet sich identisch 2021 in der „Welt“. Zwar kann der Experte 2023 das Gleiche zur SZ gesagt haben, allerdings fällt auf, dass weitere Zitate, indirekte Zitierungen und einordnende Sätze ähnlich klingen. In einem kleinen Beitrag kopiert die Journalistin zudem vom Jüdischen Museum in Berlin. Dazu sagt Föderl-Schmid: „Es handelt sich hier um einen Lexikontext, bei dem nicht der Anspruch auf besondere journalistische Originalität im Vordergrund steht, sondern der Anspruch, einen Sachverhalt oder einen Begriff möglichst präzise und allgemeinverständlich zu erklären. In dem Bemühen, auf sehr wenig Platz diesen jüdischen Feiertag zu erklären, habe ich möglicherweise aus einer Quelle zu viel wörtlich übernommen. Dies bedauere ich.“

Indes meint der Plagiatsexperte Stefan Weber, die Übernahme sei brachial, „so etwas ist mit journalistischen Werten unvereinbar“. Gegenüber der F.A.Z. kündigte er eine umfassende Analyse der Schriften Föderl-Schmids an. Ihre Diplomarbeit reichte sie 1993 an der Universität Salzburg unter dem Titel „Journalismus ist in der Realität ein Männerberuf“ ein. Promoviert wurde sie 1996 am gleichen Ort zum Thema „Vom Monopol zum Markt: zehn Jahre duales Rundfunksystem in Deutschland“. Weber will auch weitere SZ-Artikel mithilfe einer Software prüfen. Ergebnisse lägen in einigen Wochen vor.