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Streit der Zeitungseigner : Kampf um „Le Monde“

Er rechnet durch: Der tschechische Investor Daniel Kretinsky. Bild: dpa

Die Eigentümer von „Le Monde“ liegen sich in den Haaren, die Redaktion ist alarmiert. Der tschechische Unternehmer Daniel Kretinsky will offenbar seine Anteile an dem Weltblatt erhöhen.

          Bei „Le Monde“ ist es wie bei anderen Zeitungen: über die Vorfälle im eigenen Haus wird mit Zurückhaltung berichtet. Am Donnerstag veröffentlichte das Pariser Weltblatt einen Artikel, der mit den Worten beginnt: „Die Spannungen haben weiter zugenommen.“ Es geht um das Zerwürfnis der wichtigsten Aktionäre, den Telekomunternehmer Xavier Niel und den Banker Matthieu Pigasse. Die branchenfremden Millionäre hatten zusammen mit Pierre Bergé „Le Monde“ in bester Einmütigkeit gekauft und nach Bergés Tod auch dessen Anteile übernommen. Die Zeitung ist redaktionell auf einem guten Weg und hat rund 200.000 Online-Abonnenten. Doch Pigasse ist das Geld ausgegangen. Er hat erfolglos versucht, seine Anteile dem tschechischen Unternehmer Daniel Kretinsky zu verkaufen. Seither herrscht Streit – den „Le Monde“ bis gestern verschwieg.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Auch vom Nebenschauplatz der Auseinandersetzung berichteten nur andere Medien. Das einst linke Magazin „Le Nouvel Observateur“, das seinen Namen auf „L’Obs“ verkürzt hat, wurde ebenfalls vom Trio Niel, Pigasse und Bergé gekauft – vielleicht gerettet. Aber um einen hohen Preis: „L’Obs“ hat seine Redaktion von 275 auf 158 Mitarbeiter reduziert. Pigasse weigert sich hartnäckig, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. Seine Anteile an den beiden Publikationen hat er in die Gesellschaft „Le Nouveau Monde“ (LNM) eingebracht. Diese „Neue Welt“ LNM gehört zu 49 Prozent Daniel Kretinsky. Er bestimmt die Musik. In Frankreich gehört ihm bereits das Meinungs- und Nachrichtenmagazin „Marianne“. An dessen Spitze stellte er die Journalistin Natacha Polony, eine engagierte Anhängerin der französischen Souveränität mit Hang zum Populismus.

          Weil Kretinsky bei LNM nur Minderheitsaktionär ist, wollen Xavier Niel und sein Geschäftsführer Louis Dreyfus nicht mit ihm reden. Oder erst, wenn er einen Vertrag unterschreibt, der verhindert, dass Aktionäre gegen den Willen der Redaktion die Kontrolle übernehmen. Ein solches Abkommen fordern Niel und die Redakteure, die über eine kleine Minderheit der Aktien verfügen. Kretinsky werde zum „bösen Tschechen“ stilisiert, heißt es in seinem Umfeld. Deshalb verweigere er die Zahlungen bei „L’Obs“. Pigasse hat offensichtlich nichts mehr zu sagen.

          Für einmal war „Le Monde“ in eigener Sache den anderen voraus: „Kretinsky und Pigasse wollen ihre Anteile erhöhen“, titelte das Blatt am Donnerstag. Sie hätten exklusive Verhandlungen mit der spanischen Zeitung „El Pais“, die über eine Minderheitsbeteiligung an „Le Monde“ verfügt, aufgenommen. Diese wollten sie für den völlig überhöhten Preis von zwanzig Millionen Euro kaufen. Xavier Niel wertet das als „Aggression“. LNM könnte nach dem Kauf neuer Anteile im Aufsichtsrat einen weiteren Sitz beanspruchen – von dem Kretinsky behauptet, dass er ihn gar nicht will: „Es geht uns einzig um die Zeitung und die Unabhängigkeit der Redaktion“.

          Diese sieht das ganz anders und hat sich mit Niel verbündet. Kretinsky, berichtet die Zeitung, habe in Frankreich zwei Kohlenkraftwerke gekauft, deren Abwicklung beschlossene Sache sei: „Er investiert nicht à fonds perdu.“ Der Bericht unterstellt, dass es dem „bösen Tschechen“ um Immobilien-Spekulation geht. Die Zeitung werde Ende des Jahres umziehen und ihr Redaktionsgebäude verkaufen: „Es hat 130 Millionen gekostet, es wird auf mehr als dreihundert Millionen geschätzt“, rechnet sie vor. Und schreibt: „Der Machtkampf ist nicht zu Ende.“

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