Filmfestival Venedig : Leidende und Witzfiguren

Man kann seine Pointen klug dosieren, man kann sie aber auch sinnlos verschwenden. Das beweisen Filme von Maggie Gyllenhaal, Paolo Sorrentino und anderen auf dem Festival am Lido.
Je mehr zwei Filme einander ähneln, desto interessanter werden die Unterschiede. Das gilt für Lustiges wie Trauriges. Beim venezianischen Filmfestival zeigt man dieses Jahr zum Beispiel zwei Kummerfilme, in denen die jeweilige Hauptfigur an einem Urlaubsort in größter Herzenseinsamkeit eine schwere Krise durchleidet. Beide Filme drehen sich um eminente Schauspielgrößen: In „Lost Daughter“, dem Spielfilmregiedebüt der Schauspielerin Maggie Gyllenhaal, sitzt Olivia Colman mit Büchern und Sorgen am Strand herum, in „Sundown“ von Michel Franco trinkt der routinierte Tim Roth in der Brandung Bier. Den Star von „Lost Daughter“ unterstützen kurze Gastauftritte des großen Ed Harris, dem Star von „Sundown“ leistet denselben Dienst Charlotte Gainsbourg. Aber Gyllenhaals trübe Bebilderung einer Vorlage von Elena Ferrante fällt nach allerlei Selbstzersetzung ins flache Wasser, während Francos Schmerzensbild dem Premierenpublikum am Lido hörbar (Seufzer, erschrockenes Aufstöhnen) nahegeht.





