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Corona-Krise : Geschiebe bei den Messen

  • -Aktualisiert am

Momentaufnahme aus besseren Zeiten: Die Art Cologne im April 2019 Bild: dpa

In Köln und Düsseldorf schreibt Covid-19 den Kalender um. Der Spielraum für mögliche Alternativtermine ist klein und verlässliche Vorhersagen ohnehin nicht möglich. Das schürt den Konkurrenzkampf.

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          Es mag momentan wichtigere Entscheidungen geben, als die randvolle Agenda der Kunstmessen unter den gegebenen Umständen neu zu sortieren. Wer immer aber darüber zu befinden hat, welche Termine jetzt noch zu halten, zu verwerfen oder auf später zu verschieben sind, sieht sich regelrecht umzingelt von all den Covid-19-Unwägbarkeiten, die auch den Kunstbetrieb noch eine ganze Weile beschäftigen werden. Plötzlich steht das mobile Leben, eben auch das der Kunst, bis auf weiteres still. Und das in einer Gegenwart, in der eine junge Generation mit guten Argumenten darauf dringt, den globalen Reiseverkehr entschieden herunterzufahren: Das muss eine Branche bedrängen, die ständig auf allen Kontinenten unterwegs ist.

          Soeben noch hatte die dritte Art Düsseldorf eine Käuferklientel aus Fernost zum Zielpublikum erkoren und wollte dauerhaft mit einem ergiebigen Markt anbandeln. Dutzende Sammler aus Asien, hieß es, seien mit dem VIP-Programm auf die Düsseldorfer Messe gelotst worden. Eine solche Besucherbrücke klingt auf einmal wie aus einer anderen Zeit. Doch nicht nur dieser Verlust an Plan und realer Käuferschaft muss Walter Gehlen, Chef der privat betriebenen Art Düsseldorf, auf bohrende Weise umtreiben. Als Folge der Pandemie – und durchaus nicht auf eigenen Wunsch – soll im Herbst die Art Düsseldorf eine Woche vor der Art Cologne, mithin als deren direkte Konkurrentin, antreten. Das war nie ihre Idee gewesen und ergibt eigentlich auch keinen Sinn – so strahlkräftig ist das Rheinland nun auch wieder nicht.

          Jetzt aber ist Köln vorgeprescht, hat seinen April-Termin abgesagt und sich – ohne Absprache, versteht sich – im November direkt hinter die Art Düsseldorf gesetzt. Woraufhin Düsseldorf zunächst ankündigte, diesen in der Tat wenig aussichtsreichen innerrheinischen Wettbewerb nicht mitmachen und auf einen anderen Termin ausweichen zu wollen. Bloß, ausweichen wohin? Auf den April 2021? Dann würde, dem Turnus folgend, auch die Art Cologne wieder stattfinden. Es sei denn, Köln würde wieder dauerhaft auf den Herbsttermin im November gehen, was manche Beobachter und Aussteller ohnehin seit längerer Zeit als Plan vermuten. Die Entscheidung darüber jedoch, so Art-Cologne-Direktor Daniel Hug, stehe hier und heute noch nicht an.

          Strategische Phantasie ist gefragt

          Einigermaßen optimistisch mutete bereits kurz nach seiner Verkündung der Ausweichtermin der Art Brussels an, von April auf Ende Juni. Ist doch, Stand jetzt, kaum davon auszugehen, dass sich, im Zeichen von social distancing, dann schon wieder irgendwo auf dieser Welt Tausende Menschen in einer Messehalle versammeln werden, um Kunst einkaufen zu gehen. Und da auch für den Herbst verlässliche Prognosen derzeit noch nicht verfügbar sind, bleibt die Art Düsseldorf fürs Erste nun doch bei ihrem angestammten Termin, vom 13. bis zum 15. November 2020 – um Zeit zu gewinnen. Das ist ein Beispiel für die vielen Zwickmühlen der Planung, in die nicht nur die Messen, sondern auch die Galerien weit über das Rheinland hinaus geraten sind. Es zeigt, wie freihändig sich die Akteure bewegen müssen. Strategische Phantasie ist gefragt.

          Ostentativen Optimismus legt Daniel Hug an den Tag. Kunstmarkt und Börsen würden sich erholen, schließlich seien die Ursachen der Krise ja bekannt. Und im Unterschied zu den Vereinigten Staaten habe Deutschland mit seinen Maßnahmen bislang „alles richtig gemacht“. Er sei guter Dinge, so Hug, dass sich „die Menschen wieder auf Großveranstaltungen freuen, wenn das Thema Corona durch ist“. Kurzfristig Viewing Rooms nach dem Vorbild der abgesagten Art Basel Hong Kong online zu stellen, schließt Hug für die Art Cologne aus. Als „Notlösung für eine stornierte Messe“ finde er diesen Weg akzeptabel: „Aber wir werden ja diesen Herbst noch stattfinden.“

          Der Herbstkalender dürfte gedrängt voll werden wie nie: Ungewöhnlich viele angestammte und verschobene Messen buhlen dann ums Publikum – so ihnen die Pandemie nicht noch immer in die Quere kommt. Generell gelte es, „Ausfallformate“ zu entwickeln, sagt der Kölner Galerist Jan Kaps und meint damit Möglichkeiten der digitalen Vermittlung ebenso wie das klassische Kerngeschäft, nämlich die Arbeit aus den eigenen vier Wänden heraus. Unsicherheit zu verbreiten helfe jedenfalls nicht weiter. Eigentlich, so Kaps, sollte er jetzt gerade in Tokio, dann in New York und schließlich bei der Messe in Basel sein. Nun aber sitze er daheim und finde den Zustand von „Entschleunigung und Reflexion auch mal nicht schlecht“. Und überhaupt habe das Rheinland „einen Markt, der funktioniert und auch seine Verbundenheit zeigt“.

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