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Zwischen Rhein und Ruhr : So viel Fotografie war nie

  • -Aktualisiert am

Die Ausstellung „Subjekt und Objekt“ in Düsseldorf präsentiert im Rundumschlag Fotokünstler zwischen Rhein und Ruhr. Dabei gestattet sie sich alle Freiheiten zwischen Sammelsurium und Fundgrube.

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          Ein riesiges Smartphone empfängt den Besucher der Ausstellung „Subjekt und Objekt“, Johannes Post hat es als Folie auf die Fensterscheibe der Kunsthalle Düsseldorf geklebt und präsentiert damit beispielhaft den meistbenutzten Fotoapparat der Gegenwart. Das Schutzglas ist gesplittert und sieht so gar nicht nach Warenfetisch aus, vielmehr fragt man sich, welches gelebte Leben in den Händen von Jugendlichen, vielleicht aber auch auf einer langen, erzwungenen Reiseroute dieses Handy wohl ramponiert haben mag. Und was darüber so alles kommuniziert wurde. Zu solchen Assoziationen lässt der 1983 in Neuss geborene Künstler weitere flüchtige Bilder hinzutreten. Außen spiegelt man sich auf dem menschengroßen Display, von innen schaut man hindurch auf den Grabbeplatz und sieht die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in jener malerischen Unschärfe, in der sie Gerhard Richter einmal auf die Leinwand gebracht hat.

          Bilder über Bilder, diesmal echte, exakt 512 aluminiumgerahmte Fotografien, hortet Jörg Sasse ebenfalls gleich eingangs in seinem „Speicher II“ von 2010. Das akkurate Archiv strahlt die kühle Brillanz eines minimalistischen Objekts aus und nimmt denkbar unterschiedlichste Motivgruppen in sich auf. Einige davon hängen an der Wand wie die Miniserien „Feiertags“ und „Fassaden“: Ausdruck einer betont lakonischen Bemächtigung der Welt durch serielle Fotografie, wie sie in der „Düsseldorfer Schule“ von Bernd und Hilla Becher gelehrt wurde, hier indessen versehen mit trockener Ironie.

          So richtig kommt die Ausstellung nicht in der Gegenwart an

          Hunderte von Bildern wiederum versammelt die Gruppenschau über die Geschichte der Fotografie an Rhein und Ruhr, seit Otto Steinert 1959 an der Essener Folkwangschule die erste Fotoklasse an einer Hochschule in der Bundesrepublik übernommen hatte. Der Vorlauf der Ausstellung reicht hinter die aktuelle Debatte zurück, wo ein neues Institut für das Genre angesiedelt werden soll – in Essen oder in Düsseldorf? Als Plädoyer für einen Standort kann sie ebenso wenig gelesen werden wie als Nabelschau der Fotostadt Düsseldorf, wie ihn vor knapp zwanzig Jahren der Überblick „von heute bis jetzt“ aufbereitet hatte. Wofür aber dann?

          Für die Pluralität von Positionen in „Gemeinsamkeiten und Unterschieden“ und „teils eindeutig nachvollziehbaren wie andererseits losen Verflechtungen“ in der Region, so das Vorwort von Dana Bergmann, Ralph Goertz und Gregor Jansen. Auf „stringente Zuordnungen“ von Schulen, Orten, Chronologien wollten die Kuratoren verzichten und setzen vielmehr auf „assoziatives Zusammenspiel“. Damit gestatten sie sich alle Freiheiten zwischen Sammelsurium und Fundgrube. Man ahnt, wie die Künstlerliste in der Vorbereitung wuchs und wuchs, bis sie bei 107 Fotografinnen und Fotografen geschlossen wurde.

          Deren weit mehr als sechshundert Bilder und Werkgruppen bringt die Schau in einem flotten Ausstellungsdisplay aus kargen Stellagen zusammen, kurzweilig mischt sie – eher wenige – große mit kleinen Formaten sowie die Einzelbilder und Serien. Namedropping möchte man der Ausstellung nicht vorwerfen; dass sie sich sonderlich bemühte, ihren Besuchern etwas über Künstler, Werke, Beweggründe zu erzählen, welche die Schau nicht sichtbar machen kann, leider auch nicht.

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