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Fotograf Akinbode Akinbiyi : Sie dachten, ich wäre ein Dieb

  • -Aktualisiert am

Der britisch-nigerianische Fotograf Akinbode Akinbiyi hat Projekte in mehreren Weltstädten realisiert. Bei einem Rundgang durch seine Werkschau im Berliner Martin-Gropius-Bau erklärt er, was ihn bei der Arbeit bewegt.

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          Wie alle Ausstellungen in diesen Tagen ist auch die des britisch-nigerianischen Fotografen Akinbode Akinbiyi im Martin-Gropius-Bau geschlossen. Dennoch kommt der Künstler für die digitale Aufbereitung seiner Schau „Six Songs, Swirling Gracefully in the Taut Air“ ins Museum. Hier wundert sich Akinbiyi, wie unwidersprochen das Gebot des „Social Distancing“ hingenommen wird. Wieso, fragt er, habe eigentlich niemand einen Mundschutz aus transparentem Material entworfen: „Wie können wir miteinander kommunizieren, wenn wir unsere Gesichter verdecken?“

          Ohne Publikum, dafür mit viel Zeit führt Akinbiyi durch die sechs Räume der Ausstellung, deren Dramaturgie er gemeinsam mit der Kuratorin Natasha Ginwalda entwickelt hat. Jeder Raum ist einem von sechs „Liedern“ gewidmet, wie er es nennt. Der erste ist charmant „Photography, Tobacco, Sweets, Condoms and other Configurations“ betitelt: Bilder aus mehr als vier Jahrzehnten, aufgenommen in verschiedenen Großstädten der Welt, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die Akinbode dennoch bruchlos zusammenzufügen versteht.

          Heißt es „Togo“ oder „To Go“?

          Dazu deckt er seltsame Konstellationen auf. Auf einem Foto fällt ein Passbildautomat in Ostdeutschland mit einer Plakatwand voller Porträts zusammen, die wie aus eben jenem Automaten ausgespuckt und ins Monströse vergrößert wirken. Die Fassade eines Fotofachgeschäfts in malischen Bamako weiß der Betrachter nicht zu genau entziffern: Ist mit dem Geschäftsnamen Togo das westafrikanische Land gemeint, aus dem der Besitzer des Ladens stammt, wie Akinbiyi erzählt, oder kann man dort ein „Studio Photo To Go“ bekommen? Ebenso spielerisch ist das Bild einer am Straßenrand stehenden Toilettenschüssel. Das aufgekritzelte „Fuck Duchamp“ lässt vermuten, dass es sich um mehr handelt als um illegal abgeladenen Müll.

          Ein Blick in die Fluchten der Ausstellung macht deutlich, wie die Musik als Metapher durchgehalten wird. Die Bilder sind zu Liedern mit jeweils längeren oder kürzeren Sentenzen und Pausen zusammengestellt. Dabei wollte Akinbiyi nie Musiker werden, sondern immer Schriftsteller. 1946 in Oxford geboren, wuchs er in Nigerias Hauptstadt Lagos auf; später studierte er in München und Heidelberg Literaturwissenschaft, bevor er nach Berlin kam, wo er seit mehr als dreißig Jahren lebt. Seit er in den siebziger Jahren seine erste Kamera kaufte, schreibt er mit Licht.

          Dazu war Akinbiyi immer wieder in Lagos, Johannesburg, Bamako und Chicago, um sich Langzeitprojekten in diesen Städten zu widmen. Doch erst mit der Initiative Bonaventure Soh Bejeng Ndikungs, die Akinbiyis Fotos 2017 im Rahmen der documenta 14 in Athen und Kassel ausstellte, wurden seine Arbeiten einem größeren Publikum bekannt. Dabei fällt es seinem von leisen Zwischentönen geprägten Werk gerade im Rahmen von Großausstellungen schwer, sich Gehör zu verschaffen. In der Retrospektive im Gropius-Bau ist das anders.

          Ein weiterer „Song“ heißt „Lagos: All Roads“. Hier wird das Formprinzip des Zusammentreffens von Zeichen im Raum auf andere Weise greifbar: wenn gewachsene Strukturen zerfallen und durch neue Architekturen ersetzt werden; wenn Plakatwände und Hinweisschilder um Aufmerksamkeit ringen; wenn der Verkehr Schneisen durch die Stadt zieht und die Menschen scheinbar unbeeindruckt ihren Geschäften nachgehen. Motivisch zusammengehalten werden die schwarzweißen Bildgeschichten durch wiederkehrende Oberleitungen, mit denen die Bildräume grafisch strukturiert sind.

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