Kinofilm „Poor Things“ : Weltseele will naschen

Der Filmregisseur Yorgos Lanthimos entwickelt für jedes Werk Räume, die seinen durchtriebenen Zwecken perfekt entsprechen. Jetzt hat er einen solchen Raum für das Meisterwerk „Poor Things“ von Alasdair Gray geerbt, aber mit großem Mut und aller Kunst ganz neu eingerichtet.
Der Mann, der sich Gott nennen lässt, also „God“, kurz für Godwin, rülpst beim Essen Christbaumkugeln. Sie schweben aus dem unförmigen Mundloch seines schlampig zusammengenähten, mumpsballon-förmigen Kopfes, denn sein Vater hat sich am Stoffwechsel des Sohnes als Klempner versucht. Willem Dafoe verkörpert den schrägen Gott als gehemmten Freak, der mit Tierkörperteilen Tetris spielt und aus den Resten zweier Zerstörter eine Kindfrau mixt, die er Bella tauft und mit dem eigenen Nachnamen schmückt, Baxter. Von der Menschwerdung dieser künstlichen Person erzählt im Ton eines psychotrop nachkolorierten Feuilletonromans aus dem neunzehnten Jahrhundert, der in Wirklichkeit eine Satire von Alasdair Gray aus dem Jahr 1992 ist, der nach dieser Vorlage benannte Film„Poor Things“ von Yorgos Lanthimos.
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