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Nicholson statt Simonischek : Jack Erdmann

Vielleicht wird es so nach was mit einem Oscar? Jack Nicholson, hier bei der Oscar-Verleihung 2013, soll die Rolle Toni Erdmann in einer amerikanischen Neuverfilmung spielen. Bild: dpa

Die Filmwelt und ihre Kritiker stehen Kopf: Allem Anschein nach kehrt Jack Nicholson nach siebenjähriger Abstinenz als amerikanischer Peter Simonischek auf die Kinoleinwand zurück. Was kann uns Frau Ade dazu sagen?

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          Ms. Ade, wie haben Sie das gemacht? Wie ist es Ihnen gelungen, den fast achtzigjährigen Jack Nicholson dazu zu bringen, nach sieben Jahren wieder eine Rolle zu übernehmen? Und die Rechte an „Toni Erdmann“ gleich dazu? Sie werden den Regiestuhl bei der Verwandlung Ihres Werks in „Tony Earthman“ wohl für einen Kollegen räumen. Unsere Bitte: Drehen Sie „The Making of Tony Earthman“ oder wenigstens Kapitel eins, „The Selling of Toni Erdmann“. Es geht in Ihrem Film schließlich um die Kunst des Verkaufens.

          Da ist der Firmenchef, der eine andere Firma anheuert und deren Leuten den mehrmonatigen Aufenthalt in einem Luxushotel finanziert, um ihr eine Idee abzukaufen, die er selbst schon hat. Wir hätten diese Idee nicht für patentfähig gehalten: den halben Laden dichtzumachen, die Arbeit an Drittfirmen zu geben und die eigenen Leute zum rumänischen Arbeitsamt zu schicken. Aber in der Welt, in der ein Swap solcher Ideen ein gutes Geschäft ist, scheint es auch nicht komplett unglaubwürdig, dass derselbe Firmenchef sich von einem Mann mit struppigen Haaren, schiefen Zähnen und speckigem Nadelstreifenanzug coachen lässt, der sich seiner Kontakte mit Ion Tiriac brüstet, aber noch nicht einmal eine Visitenkarte hat. Toni Erdmann.

          Wie ging es zu, als Nicholson einschlug? Das wollen wir sehen, und wir stellen es uns so vor: Hollywood Hills, Mulholland Drive. Tag. Es klingelt an der Villa von Jack Nicholson. Das Dienstmädchen öffnet. Ein Paketbote. Die Uniform ist fleckig, die Zähne lassen darauf schließen, dass er nicht krankenversichert ist. Special delivery. Mr. Nicholson muss persönlich unterschreiben. Der Hausherr erscheint, gibt sein Autogramm und merkt zuerst fast gar nicht, dass der Dienstmann ihn merkwürdig ansieht. Eine Sanftmut liegt in den blinzelnden Augen, der man hier selten begegnet. Während Nicholson sein Gegenüber studiert, ändert sich dessen Gesichtsausdruck, und den Umschlag mit der DVD überreicht der Bote mit einem diabolischen Lächeln. Jack Nicholson blickt auf sein Alter Ego und begreift die Offerte sofort: Er bekommt die Chance, sich noch einmal als ein ganz anderer zu zeigen. Damit im Remake etwa die Szene funktioniert, in der Toni Erdmann den drei Geschäftsfrauen in der Bar Champagner spendiert, werden die Zuschauer vergessen müssen, dass sie Jack Nicholson vor sich haben. Der Paketmann lehnt ein Trinkgeld ab.

          Peter Simonischek hat seine Arbeit getan und die Lehre umgesetzt, die der Lehrer, der sich als Toni Erdmann verkleidet, von der Assistentin seiner Tochter lernt: Die Kunst ist, dem Klienten zu erklären, was er eigentlich will. Eine letzte Frage, Ms. Ade: Welches Honorar haben Sie ausgehandelt? Wir hoffen ja, dass Sie im Gegenzug ein Remake eines Nicholson-Films drehen dürfen. Etwa „Eine Frage der Ehre“, neu verhandelt vor einem Truppendienstgericht der Bundeswehr. Wir hören und sehen Peter Simonischek schon, wie er ganz leise wird und mit traurigen Augen sagt: „Sie haben kein Herz für die Wahrheit.“

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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