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Besuch in Iran : Dieses Gold ist unteilbar

  • -Aktualisiert am

Der Mond als Hoffnungsschimmer über Teheran Bild: Picture-Alliance

Die Wüste bei Isfahan leuchtet in der Abenddämmerung, am Terminal mühen wir uns durch die singende, hingebungsvoll jubelnde Fantraube des FC Persepolis: Fünf Mondpostkarten aus Iran.

          11 Min.

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          Sämtliche Feinbäcker Persiens müssen sich ohne Unterlaß in einem beglückenden Rauschzustand befinden – anders ist es gar nicht zu erklären, daß die Torten in den Auslagen der Konditoreien und Cafés von einer fast jenseitigen Farbenpracht sind, daß der Betrachter vor der Vitrine sich schier entrückt wähnt angesichts der glänzenden Flächen aus Zuckerguß, bald in die Knie geht vorm Gleißen der Glasuren: Hahnenkammrot und Stieglitzgelb, das Grün von der Art der Pfeilgiftfrösche, ein Blau mit der Tiefe des Atlantiks samt tobenden Merenguekronen darauf; hier ein verschnörkelter Gruß zur Hochzeit, dort ein kalorienreicher Geburtstagsjubel in Schönschrift. Wirklich, man muß sich die Bäckermeister vorstellen, wie sie Ghaselen singend in ihren Schüsseln rühren, Derwischen gleich verzückt um Blätter- und Mürbeteig wirbeln, um ihren hungrigen, cremelippenleckenden Kunden Tag für Tag nicht weniger als dies zu bieten, eine wahre Offenbarung von Torten.

          Dabei sind es ja nicht nur die Teigwaren, nicht nur die Kuchen also oder das von Honig triefende Kleinstgebäck aus Pistazien, die vor Üppigkeit bersten (und bersten lassen), der Kult der überirdischen Süße wird auch in den zahllosen Nußgeschäften zelebriert, erst recht dort, wo der köstlich klebrige Gaz aus Eischnee, Tamariskensaft und Rosenwasser im Angebot ist, also überall; und auch dort, wo glänzende Kandiskolben mit Safranintarsien zum Rühren im Teeglas gereicht werden oder Aufgebrühtes aus Kuhzungenblüten, getrockneten Rosenknospen, abgestimmt mit Zimt und Kardamom, rasch durch ein akrobatisch zwischen die Lippen geklemmtes Stück Würfelzucker gesogen wird, während auf den Tellern daneben getrocknete Pfirsiche und Mandeln, Mispeln und Maulbeeren, Datteln, Feigen, Trauben darum betteln, verzehrt zu werden. Es ist ein gewaltiger, unsichtbarer Zuckerstrom, der sich quer durch das gesamte Land zu schieben scheint – das bemerkenswerterweise zugleich jenes Land ist, dessen Regierung einen wirklichen Fluß einfach so verschwinden lassen kann.

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