Besuch in Iran : Dieses Gold ist unteilbar

Die Wüste bei Isfahan leuchtet in der Abenddämmerung, am Terminal mühen wir uns durch die singende, hingebungsvoll jubelnde Fantraube des FC Persepolis: Fünf Mondpostkarten aus Iran.
I
Sämtliche Feinbäcker Persiens müssen sich ohne Unterlaß in einem beglückenden Rauschzustand befinden – anders ist es gar nicht zu erklären, daß die Torten in den Auslagen der Konditoreien und Cafés von einer fast jenseitigen Farbenpracht sind, daß der Betrachter vor der Vitrine sich schier entrückt wähnt angesichts der glänzenden Flächen aus Zuckerguß, bald in die Knie geht vorm Gleißen der Glasuren: Hahnenkammrot und Stieglitzgelb, das Grün von der Art der Pfeilgiftfrösche, ein Blau mit der Tiefe des Atlantiks samt tobenden Merenguekronen darauf; hier ein verschnörkelter Gruß zur Hochzeit, dort ein kalorienreicher Geburtstagsjubel in Schönschrift. Wirklich, man muß sich die Bäckermeister vorstellen, wie sie Ghaselen singend in ihren Schüsseln rühren, Derwischen gleich verzückt um Blätter- und Mürbeteig wirbeln, um ihren hungrigen, cremelippenleckenden Kunden Tag für Tag nicht weniger als dies zu bieten, eine wahre Offenbarung von Torten.
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