FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Debatte ums Berliner Schloss :
Neurechte Bildpolitik?

Von
Harald Bodenschatz
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Rekonstruierte Gebäude sind keine Niederlage der Moderne. Wie das Berliner Schloss von der Gesellschaft gedeutet wird, hängt davon ab, was in ihm passiert.

Das Berliner Schloss, die Potsdamer Garnisonkirche – eine rechtsextreme Verschwörung? Claudius Seidl war sich offenbar ein wenig unsicher – daher das Fragezeichen in der Überschrift seines Artikels (F.A.Z. vom 26. März). Bei seinem Nachdenken über das neue Buch von Philipp Oswalt zu einer angeblichen nationalen Identitätspolitik schwankt er zwischen Stirnrunzeln und gebremstem Beifall. Und er spricht von einer „neurechten Bildpolitik“. Das ist in der Tat ein höchst interessantes Thema: Was kann das sein, und wer vertritt so etwas, und wie kann es durchgesetzt werden? Ist etwa das neue Berliner Schloss schon durch seine „schiere Größe, die De­monstration der Macht, die herrische Geste“ ein Beispiel funktionierender Bildpolitik, wie Seidl meint? Für viele Deutsche ist es jedenfalls gar kein nationales Bauwerk, allenfalls ein preußisches, Zeichen und Mahnmal auch des Untergangs der Hohenzollern und Preußens. Nicht nur für einen Bayern wie mich hat dieses Schloss nicht die Spur einer nationalen Bedeutung.

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